Gaspar Noé hat einen Ruf zu verteidigen. Das enfant terrible des französischen Films ist daran gewöhnt, dass der ein oder andere Zuschauer auch schon mal vor dem Abspann den Kinosaal verlässt. Mit "Menschenfeind" und "Irreversible" hat er zwei Filme geschaffen, die die doch sonst so homogene Kritikerschar spaltet. Gaspar Noé vermag es, jegliche Distanz zu seinen Protagonisten abzulegen, was seinen Filmen eine erschütternde Direktheit verleiht. Diese Nähe machen seine Filme zu keinem klassischen 20-Uhr-Kinoerlebnis, sondern werden für den Zuschauer zu einer Konfrontation mit den eigenen Grenzen.
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Sein neustes Werk "Enter The Void" spielt nicht nur mit den Grenzen der Zuschauer, sondern schickt diese auf eine 162 Minuten lange psychedelische Odyssee
durch fluoreszierende Großstadtlandschaften, drogenbedingte Nahdtoderfahrungen, Wirklichkeit und Traum.
"Enter The Void" ist mehr als die Visualisierung eines nicht enden wollenden Drogencocktails in einer Stadt, dessen grelle Fassade abzulenken versucht
von ihrer zersetzenden Atmosphäre. Gaspar Noé ist ein visuelles Meisterwerk gelungen, dessen Sogwirkung dem Zuschauer Welten eröffnet, die so noch nie
auf der Leinwand zu sehen waren. Bei den vielen Lobeshymnen, die auf die neusten 3D-Produktionen gesungen wurden, die sich eigentlich nur durch
die Eindimensionalität ihrer Story auszeichneten, ist "Enter The Void" der rettende Gegenbeweis, dass visuelle Stärke, auch mit anspruchvollem Kino
verbunden werden kann – und das ganz ohne 3D.
Gaspar Noé sprach mit BLANK über die Schwierigkeit, ein Drehbuch für einen Film zu schreiben, dessen Handlung kaum in Worte zu packen ist,
über die Faszination Tokios und sein Verständnis vom Filmemachen.
BLANK:
Du hast sehr früh damit begonnen, Filme zu machen. Woher kam deine Faszination für den Film?
Gaspar Noé:
Ich hatte das Glück, mit siebzehn Jahren in einen Kurs der Filmhochschule zu kommen. Das hat mir ermöglicht, sehr früh Filme zu machen beziehungsweise
bei Produktionen dabei zu sein. Davor dachte ich eigentlich für viele Jahre, dass ich Comic-Zeichner werden möchte. Aber dann habe ich mir überlegt,
dass das schon eine sehr einsame Arbeit ist. Wenn du beim Film arbeitest, dann arbeitest du mit Schauspielern usw., das macht schon unheimlich viel Spaß.
Wenn du einmal beim Film warst, dann wirst du wohl kaum zurück gehen und wieder Comics zeichnen wollen.
Davon abgesehen, war eines der Dinge, die ich neben typischen Hobbies wie Schwimmen, Tanzen und so weiter am liebsten mochte, Filme gucken.
Seitdem ich ein kleiner Junge war, habe ich es geliebt, Filme zu gucken. Es war also fast natürlich, dass ich irgendwann beim Film lande.
BLANK:
Bei den meisten deiner Filme bist du Kameramann und Regisseur. Inwiefern verändert diese Doppelrolle die Art und Weise wie du arbeitest?
GN:
Für mich gehört es einfach zum Filmemachen dazu, auch hinter der Kamera zu arbeiten. Ich verstehe wirklich nicht, wie das andere Regisseure machen,
die keine Ahnung von der Arbeit mit der Kamera haben.
Das ist wie, wenn man Schriftsteller ist und jemand anderen für sich schreiben lässt. Ich mag es, meine Filme selbst zu schneiden und auch selbst technisch
umzusetzen. Es gibt viele Regisseure, die das nicht machen. Ich könnte vielleicht ... also wirklich nur vielleicht ein Skript verfilmen,
das von jemand anderem ist, aber ich könnte die Kameraarbeit nie für einen ganzen Film abgeben.
BLANK:
Entweder sind die Menschen von deinen Filmen überwältigt oder sie verlassen das Kino noch während des Films.
Wie erklärst du dir diese konträren Reaktionen auf deine Filme?
GN:
Das ist bisher mit jedem Film passiert, den ich gemacht habe. Der Punkt ist aber doch, die Menschen verlassen das Kino nicht, weil der Film zu gewalttätig
ist. Bei "Enter The Void" ist mir aufgefallen, dass nur ein paar Zuschauer nach der Unfallszene gegangen sind, die meisten hingegen haben bei
der abschließenden Sexszene den Kinosaal verlassen. Obwohl es nur noch fünf Minuten bis zum Ende des Films waren. Die Szenen waren noch nicht mal so sexuell.
Es gibt diesen Moment, wo du einfach Schluss machen willst mit dem gängigen Spektakel, aber die meisten Menschen die ins Kino gehen,
wollen eben genau das sehen. "Enter The Void" ist ein sehr spezieller Film und wenn du normale Unterhaltung willst,
dann wirst du zu dem Film keinen Zugang finden. Ich erinnere mich daran, wie ich "Irreversible" in verschiedenen Kinos gesehen habe und am Ende des
Films hatten 1/3 des Publikums den Kinosaal verlassen. Nicht weil der Film langweilig war, sondern weil es für sie zu viel war.
Wie ich bereits gesagt habe, "Enter The Void" ist ein sehr spezieller Film und ich hoffe, dass Menschen, die in so eine Art von Film gehen,
auch interessiert daran sind, in diese Welt einzutauchen und den Film bis zum Ende anzusehen.
BLANK:
Denkst du, während du einen neuen Film machst, daran, was das Publikum über den Film denken wird oder wie es sich fühlen wird,
wenn es den Film sieht?
GN:
Ich weiß, was für eine Art Film ich auf der Leinwand sehen möchte, aber ich weiß nicht, was das Publikum sehen will.
Darum mache ich mir über diese abstrakte Größe nicht viele Gedanken. Ich mache mir mehr Gedanken über die Produzenten, die Geld für den Film
bekommen müssen oder über Freunde und andere Regisseure, die ich bewundere. Manchmal will man einfach in Bereiche eindringen, wo davor noch niemand war.
Auf "Enter The Void" hatte ich die bisher verrücktesten Reaktionen. Es gibt diesen Punkt, wo der Film nicht mehr wirklich narrativ ist und abstrakt wird.
Ich glaube, das ist der Grund, warum ich entweder unglaublich schlechte oder eben gute Rezensionen bekomme.
Das Problem ist doch, wenn du versuchst über ein Publikum nachzudenken, musst du dich fragen, wer ist das Publikum? Ist das ein Taxifahrer,
ein Metzger, ein Sozialarbeiter oder ein Intellektueller? Wer auch immer es ist, du kennst nur dich selbst und wirst nicht wissen können,
was das breite Publikum fühlen wird. Es gibt verschiedene narrative Schemata, die immer funktionieren.
Zum Beispiel sind Szenen mit Kindern meistens sehr emotional weil Menschen auf Kinder einfach sehr emotional reagieren.
Ich habe diesen Film aber nicht für meine Kariere oder für Geld gemacht. Ich wollte diese Geschichte einfach auf der Leinwand sehen.
Der Film ist so weit weg von dem, was man normalerweise auf der Leinwand sieht und das ist auch der Grund für die Kontroverse.
BLANK:
Die Ästhetik und Technik des Films stehen im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion um den Film und der eigentlichen Story wird nur wenig Aufmerksam
geschenkt. War das für dich voraussehbar oder beabsichtigt?
GN:
Das verhält sich in diesem Falle einfach so, weil die besten Sequenzen des Films wahrscheinlich die Traumsequenzen sind und die lassen sich kaum in Worte
fassen. Es war für mich auch unheimlich schwer, das Drehbuch zu schreiben, weil der Film einfach auf dieser visuellen Ebene funktioniert.
Entweder du lässt dich auf dieses Erlebnis ein oder du lehnst es ab. Um es zu genießen, musst du dich auf diese Welt einlassen. Ich hätte das sehr genossen,
wäre ich nicht der Regisseur des Films. Ich verstehe es, wenn Leute sagen, der Film sei zu verwirrend und sie wünschen sich nichts anderes als sofort aus
dem Kinosessel aufzuspringen, dennoch bin ich mir sicher, dass der Film seine Zuschauer finden wird. Man kann den Film nicht mit anderen Filmen vergleichen.
"Enter The Void" ist an einen Ort vorgedrungen, an dem andere Filme bisher noch nicht waren. Eigentlich ist es doch so: Man sieht immer die gleiche Szenen,
die gleichen Leute.
BLANK:
Woher hast du die Inspiration für den Film genommen?
GN:
"2001 Odyssee im Weltraum" ist definitiv einer der Filme, den ich neben ein, zwei anderen am häufigsten gesehen habe.
Der Grund dafür war einfach, dass der Film so viele Unklarheiten beinhaltet, so als ob er darauf abzielt, den Zuschauer zu verwirren.
Die eindeutigen Teile des Films, die realistischen Szenen, die habe ich geschrieben, um den Film schlichtweg finanziert zu bekommen.
Meine andere Absicht war es, das Publikum in diese visuelle Welt hineinzuziehen, wo nichts klar und eindeutig ist und wo man sich selbst verliert.
Wenn ich das Drehbuch jetzt noch einmal schreiben würde, dann könnte es gut sein, dass ich es noch verwirrender machen würde.
BLANK:
Tod, Reinkarnation und die Unsterblichkeit der Seele das sind alles wichtige Aspekte des Films. Welche Bedeutung haben diese Themen für dich?
GN:
Ich glaube an viele Dinge, an die andere wahrscheinlich nicht glauben würden. An all die Zeichen, die uns ein Mensch gibt, mit der Art, wie er atmet,
wie er läuft usw. All das sind Zeichen, die wir bekommen, ohne wirklich zu reden. Ich glaube nicht wirklich an ein Leben nach dem Tod, aber ich glaube,
dass jeder Mensch diese kleinen Gespenster in seinem Kopf hat, die Gespenster leben in seinem Kopf. In "Enter The Void" ging es mir darum, Themen wie Tod und
Unsterblichkeit aufzugreifen, einfach weil sie zu unserer Mythologie gehören, aber wirklich daran glauben tue ich nicht.
BLANK:
"Enter The Void" wurde in Tokyo gedreht – welchen Einfluss hatte die Stadt auf den Film?
GN:
Den Film in Tokyo zu drehen, war für mich ein großes Abenteuer und gleichzeitig eine große Gefahr. Ich wusste nicht, ob ich stark genug sein würde,
einen Film mit Menschen zu machen, die alle einer ganz anderen Kultur angehören. Es gibt Dinge, die kannst du in Frankreich oder in den USA machen,
aber in Japan funktionieren sie nicht und du würdest sehr falsch verstanden werden. Letztlich war die Arbeit sehr leidenschaftlich und ich hatte
die beste Crew, die ich mir jemals hätte erträumen können. Mir war klar, dass ich hier in einem goldenen Boot sitze. Für eine französische Produktion
ist es sehr schwer, Geld in einen Film zu investieren, der am anderen Ende der Welt gedreht wird. Man hat keinerlei Kontrolle und so konnte ich wirklich
sehr froh sein, dass ich das Geld für den Film überhaupt bekommen habe. Was du auf der Leinwand siehst, ist da, weil der Film in Tokyo gemacht wurde.
Hätten wir woanders gedreht, wäre es ein komplett anderer Film geworden. Hongkong wäre für mich vielleicht noch eine Alternative gewesen, allerdings bin
ich mit der chinesischen Kultur nicht so vertraut wie mit der japanischen. Ich bin ein großer Fan von japanischen Filmen.
BLANK:
Wenn du den Film weder in Tokyo, noch in Hongkong hättest drehen können, hättest du den Film dann überhaupt gemacht?
GN:
Ja, aber dann wäre es ein anderer Film geworden, nicht so psychedelisch und schillernd. Der ganze Film ist dieser Traum von jemandem, der stirbt und sich
wünscht, nicht zu sterben. Der Typ hat davor DMT geschluckt und ich wollte unbedingt den Effekt dieser hellen Neonröhren. Tokyo ist voll damit und genau so
psychedelisch, wie der Film selbst.
BLANK:
"Enter The Void" hat bei mir das Gefühl hinterlassen, dass Menschen letztlich vor allem Angst vor der Einsamkeit haben …
GN:
Ich glaube an viele Dinge, an die andere wahrscheinlich nicht glauben würden. An all die Zeichen, die uns ein Mensch gibt, mit der Art, wie er atmet,
wie er läuft usw. All das sind Zeichen, die wir bekommen, ohne wirklich zu reden. Ich glaube nicht wirklich an ein Leben nach dem Tod, aber ich glaube,
dass jeder Mensch diese kleinen Gespenster in seinem Kopf hat, die Gespenster leben in seinem Kopf. In "Enter The Void" ging es mir darum, Themen wie Tod und
Unsterblichkeit aufzugreifen, einfach weil sie zu unserer Mythologie gehören, aber wirklich daran glauben tue ich nicht.
(Interview & Übersetzung: Antonia Märzhäuser)

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Es gibt diese Menschen, deren Anwesenheit einen alles um einen herum vergessen lassen. Die es unmöglich machen, auch nur einen Teil der eigenen Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten, als die Person, der man gerade gegenüber sitzt. Begegnungen dieser Art hinterlassen Spuren, die so schnell nicht verwischt werden können und Shirin Neshat hinterlässt schon seit langem Spuren in der Welt. Ob als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen, als Filmemacherin oder einfach als Mensch. BLANK traf Shirin Neshat zu einem Gespräch über ihren neuen Film Women Without Men, den Iran und die Frage, was Kunst politisch zu leisten vermag. |
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Es begann im Jahre 1990: Shirin Neshat hatte den Iran als Siebzehnjährige noch vor der Revolution 1979 verlassen und kehrte nun nach fast fünfzehn Jahren das erste Mal in ihr Heimatland zurück. Das Land, das ihr begegnete, hatte wenig mit dem Iran ihrer Kindheit und Jugend zu tun. Die islamische Revolution hatte nicht nur das politische System von Grund auf verändert, sie nahm auch in erschreckendem Ausmaß Einfluss auf Kultur und Zusammenleben der Menschen. Das Gesicht des Irans war ein anderes geworden und allem voran waren es die Gesichter der Frauen, die dieser tiefgehenden Veränderung Ausdruck verliehen.
In der Fotoserie Women of Allah (1993-1997) portraitiert sie unter den Eindrücken ihrer Reise muslimische Frauen und greift damit eine Vielzahl von Themen zur kulturellen Selbstbestimmung, Geschlechterpolitik, Identität und Religion auf. Trotz dieser soziopolitischen Brisanz ist ihr Werk niemals belehrend. Eine politische Kunst, aber ohne den erhobenen Zeigefinger, da dieser der drückenden Hand des Systems viel zu ähnlich wäre.
Auf die Fotografie folgten Videos und Videoinstallationen, dieses Jahr legt sie mit Women Without Men ihr Spielfilmdebüt hin. Die Medienentwicklung in ihrer künstlerischen Arbeit erklärt sie vor allem mit den vielfältigen Möglichkeiten, die ihr das Medium "Film" bietet:
"Meine Fotoserien waren sehr konzeptionell, die Frauen waren wie Skulpturen, man hat immer eine bestimmte Distanz zu ihnen gewahrt. Im Film hingegen habe ich die Möglichkeit, Charaktere zu entwickeln und in ihre Seele einzudringen."
Seit sieben Jahren arbeitet sie bereits an dem Filmprojekt Women Without Men. Der Film setzt sich aus vier einzelnen Videoprojekten zusammen, in deren Mittelpunkt jeweils eine der weiblichen Hauptcharaktere des Films steht. Basierend auf dem Roman der Schriftstellerin Shahrnush Parsipur, spielt der Film 1953 in Teheran. In der westlichen Welt zum größten Teil unbekannt markiert das Jahr ´53 einen der großen Wendepunkte in der iranischen Geschichte. Im Kontext dieser gesellschaftlichen und politischen Veränderungen portraitiert Neshat fünf Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Während Munis Streben nach Freiheit und politischem Engagement durch ihren autoritären Bruder unterdrückt wird, sehnt sich Faezeh nach nichts mehr, als diesen zum Ehemann zu nehmen. Fakhri hat mit der Enge ihrer Ehe zu kämpfen und Zarin entflieht ihrer inneren Resignation, indem sie all ihre Kraft aufwendet, um aus der Prostitution zu flüchten. Die vier Einzelschicksale werden in Women Without Men auf einer fantastischen Ebene zusammengeführt. Dabei bedient sich Neshat der Stilmittel der Romantik. Traum und Realität, Einbildung und Wünsche vermischen sich und machen den Film zu einer Reise durch verschiedene Wirklichkeitsebenen. "Ich weise lediglich auf die Wichtigkeit des Themas hin, ich will die Menschen emotional berühren." Hier liegt die Stärke ihres Werkes, die Verbindung aus politischer Brisanz und der metaphernreichen Sprache der Kunst. Sie versteht es, die Möglichkeiten der Abstraktion in der Kunst auf das Medium des Spielfilms zu übertragen und dennoch eine Story zu entwickeln, die über das stimulierende hinausgeht. "In der Kunst wird Abstraktion akzeptiert und geliebt, es ist okay, wenn du nicht alles verstehst. Film hingegen muss zugänglich sein."
Ein Jahr nach den Massenprotesten und der Formierung einer grünen Oppositionsbewegung, wird dem Film eine weitere Bedeutungsebene hinzugefügt. Neshat, die mit dem Projekt bereits 2003 begann, hat diese Koinzidenz stark berührt: "Während wir den Film geschnitten haben, liefen die Bilder der Demonstrationen im Fernsehen. Die Bilder waren so identisch und immer noch kämpfen die Iraner für ihre Rechte."
Der Iran des Jahres ´53 ist ein offenerer und kosmopolitischerer Iran, als der von heute: "Es ist mir ein Anliegen, den Menschen zu zeigen, dass der Iran nicht immer so war, wie er heute wahrgenommen wird."
Der Westen hat sein Talent zum Schwarz-Weiß-Malen weiter perfektioniert und so werden unterschiedlichste Länder und Kulturen auch gerne mal pauschal als "der nahe Osten" abgehandelt und Shirin Neshats Werk der Stempel "genderpolitisch" aufgedrückt. Der Film Women Without Men vermag diese beiden Klischees zu sprengen, weil er sich nicht einfach auf den Gegensatz von Mann und Frau beschränken lässt. Jede der vier Protagonistinnen entwickelt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Ideale, Werte und Zukunftsvisionen. Diese Lebensläufe gehen über die der angepassten und gläubigen Muslimin und der rebellischen Freiheitskämpferin hinaus.
"Ich bin keine Expertin für Frauen, ich bin Künstlerin" und so schafft es Shirin Neshat, uns die Seele eines Landes näher zu bringen, dessen öffentliche Wahrnehmung sich zu oft auf schwarz-weiß(-grün) beschränkt.
(Antonia Märzhäuser)
WOMEN WITHOUT MEN
SHIRIN NESHAT/SHOJA AZARI
VERLEIH: NFP marketing& distribution*
AB 01. JULI IM KINO
Trailer (Link zum Video)
Lancelot von Nasos Waffenstillstand wurde bereits in alle erdenklichen Filmgenres eingeordnet. Vom Kriegsfilm bis zum Antikriegsfilm, vom Politthriller bis zum Abenteuerfilm, nichts wurde unversucht gelassen. Die Vielzahl der Kategorisierungsversuche zeigt, wie schwer sich das deutsche Feuilleton mit diesem Debütfilm tut.
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Waffenstillstand erzählt die Geschichte von vier Menschen, die 2004 während des Irakkriegs die 24 Stunden Waffenstillstand nutzen, um in die isolierte Stadt Falludscha zu kommen. Ihre Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein, während sich der Journalist Oliver mit seinem Kameramann Ralf eine Exklusivstory erhofft, wollen der Arzt Alain und die Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation Kim Medikamente in das unterversorgte Krankenhaus bringen. Lancelot von Naso bricht mit seinem Debütfilm das amerikanische Monopol auf das Thema Irakkrieg und beleuchtet es erstmalig nicht aus der Sicht von Soldaten und Kriegsparteien. Was das für ihn bedeutet und von den Schwierigkeiten in Deutschland einen Debütfilm hinzulegen, der nicht ausschließlich der Selbstreflexion dient und dessen Handlung statt im netten Szenekiez im irakischen Falludscha spielt, berichtete er Blank im Interview.
Obwohl Klischees gemeinhin nerven und in den meisten Fällen kaum förderlich sind, will kaum jemand bestreiten, dass diese auch immer eine gewisse Wahrheit in sich birgen. Das Kino ist da kaum unverschont geblieben - den Franzosen verdankt der Film seine künstlerische Seele, die Deutschen baden gerne im Thema Großstadtmelancholie und die Amerikaner, die lassen in ihren Filmen bevorzugt Dinge explodieren und generieren pro Film mindestens einen männlichen Heroen.
Das amerikanisch-männliche Monopol auf das Genre Kriegsfilm wurde mit Kathryn Bigelows The Hurt Locker zumindest teilweise aufgebrochen, dennoch ist The Hurt Locker eben genau das - ein typischer Kriegsfilm.
Mit Waffenstillstand zeigt Lancelot von Naso den Irakkrieg aus der Perspektive von Helfern und Journalisten. Es ist eine sehr europäische Sicht auf den Krieg, ein Film der Fragen aufwirft und sich nicht anmaßt, diese beantworten zu können.
Inspiriert wurde Lancelot von Naso durch einen Zeitungsartikel über einer jungen Frau, die als Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation eben genau so einen Transport nach Falludscha mitmachte.
Der historische Kontext des Films stimmt eins zu eins mit dem des Irakkrieges überein. Der Waffenstillstand im April 2004, die Bombardierung des Krankenhauses in Falludscha durch die Amerikaner, all das basiert auf historischen Fakten.
So entstanden viele Szenen erst während der halbjährigen Recherche aus Gesprächen mit Exilirakern, Mitarbeitern von NGO´s und Journalisten, die sich zu diesem Zeitpunkt im Irak befanden. Handyvideos, die Soldaten in und um Falludscha aufgenommen hatten halfen dabei, passende Schauplätze zu finden, obwohl man sich in den meisten Fällen gewünscht hätte, diese Videos nie zu Gesicht bekommen zu haben. Die Geschichte des Films ist jedoch keineswegs an Spezifika des Irakkrieges gebunden, es ist vielmehr eine Geschichte über Menschen im Krieg, wie sie sich in jedem anderen Krisengebiet der Erde abspielen könnte.
Gedreht wurde Waffenstillstand, wie die meisten Produktionen zum Irak in Marokko.
Wenn Lancelot von Naso beginnt von den Drehbedingungen vor Ort zu erzählen fallen immer wieder die Worte Wahnwitz, Katastrophe und Chaos.
"Wir hatten 80 Blocker, 30 Polizisten, die nur dafür da waren uns das Set freizuhalten. Szenen die normalerweise einen Tag in Anspruch nehmen, mussten wir in zwei Stunden im Kasten haben. Dazu kamen dann noch ein absolut untypischer Dauerregen über drei Wochen."
Man braucht wirklich ein wahnwitziges Glück, aber vor allem ein grandioses Team, um unter solchen Bedingungen einen Film zu machen der am Ende funktioniert."
In die Kategorie Glück fällt auch die Besetzung Thekla Reutens, die lediglich auf Grund des Autorenstreits in den USA Zeit für den Film gefunden hat. Damit wäre dann auch fast die Rolle Hannes Jaenickes als Kameramann Ralf verziehen, dessen Part sich darauf beschränkt seinen übertrieben trainierten Oberarm ab und an ins Bild zu schieben.
Der Irakkrieg als Thema für ein Langfilmdebüt, das ist ein waghalsiges Unterfangen, nicht nur weil sich die Förderung eines solchen Projektes als unheimlich schwierig erweist, auch weil es abzuschätzen gilt, was diese Art von Film zu leisten vermag und wo die Grenzen sind. Waffenstillstand hat diesen Balanceakt bestanden, der Film konzentriert sich auf eine Perspektive und wirkt dabei nicht vereinnahmend. An der ein oder anderen Stelle wünscht man sich jedoch, dass er sich noch etwas mehr traut, dass er sich etwas weiter aus dem Fenster lehnt, nicht nur beobachtet und reagiert, sondern in die Initiative geht und Stellung bezieht. Mut kann man Lancelot von Naso trotzdem nicht absprechen, mit dem Bruchteil des Budgets vergleichbarer Produktionen, wie Green Zone oder Hurt Locker, ist Waffenstillstand ein spannender und bildgewaltiger Film geworden, von dem sich die Großen in Sachen Authentizität eine Scheibe German Schwarzbread abschneiden können.
(Text: Antonia Märzhäuser / Foto-Copyright Marc Schmidheiny / WAFFENSTILLSTAND)

FILMAPRIL 2010 | BERLIN (14. bis 21.04.)
Aufgeklärte und nachhaltige Konsumenten lassen nur noch Äpfel und Gurken aus der Region in ihre Einkaufswagen fallen – getreu dem Motto support your local dealer. Warum eigentlich nicht mal den lokalen Filmnachwuchs unterstützen, dachte sich Hajo Schäfer 2004 und rief das Filmfestival Achtung Berlin ins Leben. Vom 14. bis 21. April präsentiert das Festival die Arbeiten junger Filmschaffender aus Berlin und Brandenburg. Statt rotem Teppich gibt es ein get together der Szene mit viel Platz für Diskussion und Austausch rund um das Thema junger deutscher Film. ![]()
Mehr Infos zum Programm und Ticketverkauf gibt es unter www.achtungberlin.de
Der neue „Constantin Film“- Film über das Leben Bushidos beeindruckt jedoch leider hauptsächlich damit, dass er die traurige Realität hinter den Kulissen preisgibt.
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Premiere hatte der vergangene Woche im Sony Center in Berlin, das mit all den um den Teppich versammelten Fans eher einem Fußballstadion glich, wie Fan- Gejohle hallten die Teenie-Schreie zwischen den Bauten. Das wurde erst einmal mit Warten belohnt, Bushido und Gefolge kamen natürlich viel zu spät, pünktlich sein ist ja uncool. Dafür musste man sich im Saal auch in der vordersten Reihe nicht umdrehen, um die lautstarke Ankunft der Gleichen mitzubekommen. Der Lärm ging nahtlos über in Beifall, als der Projektor die ersten Bilder auf die Leinwand schmiss, vorbeiziehende Mittelstreifen einer Autobahn, die irgendwie an „Lost Highway“ und den ein oder anderen, weiteren Film erinnerten. Gegröle und Gebrüll gab es auch während des Filmes, bei den Auftritten der einzelnen „Atzen“ von Bushido. Und natürlich, wenn im Film Bushido seine Freundin schlägt oder bergeweise Drogen zum Verkauf portioniert. Klarerweise wird so etwas als heldenhaft dargestellt, wenn man daran denkt, dass die Zielgruppe die deutschen Teenies sind.
Eine Geschichte über den Aufstieg, den Erfolg und die Ehre. Das soll dieser Film sein, doch das Gegenteil zeigt er. Über 90 Minuten kann man sich ansehen, wie weit Leute sinken können. Damit meine ich nicht Bushido oder seine Atzen, damit spreche ich Uli Edel, Bernd Eichinger und deren Atzen an. Hat der Kommerz nun endlich Einzug in den deutschen Hip Hop gehalten und Rapper zu Entrepreneuren gemacht wie ihre amerikanischen Vorbilder, so raubt der Kommerz dem deutschen Kino langsam den letzten Funken Ehre. Wie die in den, im Film ausgesparten, Songtexten besungenen Nutten verkauft man sich hier gänzlich, gibt seine Werte auf für den schnellen Euro, den der bisherige Erfolg des Protagonisten verspricht. Die Zeiten ändern sich, „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ oder „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ sind Relikte. Der „Baader- Meinhof- Komplex“ hat es gezeigt, „Zeiten ändern Dich“ hat es bewiesen: Es ist vorbei. Der Anspruch an Inhalt, die Verantwortung eines Geschichtenerzählers dem Publikum gegenüber, die Leidenschaft des Kreativen – abgelöst von Gier und Wahn. Getreu einem Schema wird hemmungslos ausgeschlachtet, was auch immer nach Kassenschlager stinkt. Dafür wird sogar in Kauf genommen, dass man es, wie hier, dem Protagonisten gleich tut und die kommende Generation mit dem Propagieren völlig falscher Werte versaut. Wie soll man einem Kind gute Werte im traditionellen Sinn vermitteln, wenn es vorgelebt bekommt, dass Schlägereien und Drogen cool sind, jedes zweite Wort „ficken“ sein muss und man dafür dann mit Ruhm, Geld und einem Kinofilm belohnt wird?
Die Ehre ist der einzige vertretbare Wert, der sich anstelle der Spannungskurve durch den Film zieht, leider aber immer nur durch Brutalität und Macho-Gehabe vertreten wird. Kiffen, Schlägern und ein mit 260 km/h über die Autobahn bretternder AMG-Mercedes sollen vom allgemein schlechten Schauspiel und dem nervtötend steinernen Erzähstil Bushidos ablenken. Die kurzen Auftritte von Uwe Ochsenknecht, Katja Flint oder Tim Morten Uhlenbrock lassen den Zuschauer für einen Moment vergessen, was er sich da gerade anschaut, nur um danach wieder erschrocken festzustellen, dass eigentlich immer noch nicht wirklich etwas spannendes passiert ist. Die klaffenden Löcher in der Dramatik werden mit programmierter (manchmal auch unfreiwilliger) Komik und notwendiger Romantik gestopft, um vom Fehlen der Substanz abzulenken. Und um die Eltern zu überzeugen, dass ihre Kinder in den Film dürfen. Nur gut, dass diese Kinder nicht mitbekommen haben, wie sich die harten Gangster nahtlos in die Schlips- und Lackschuhträger auf der Afterparty eingereiht haben, auf der überraschenderweise Fler ein netter Gesprächspartner war. Sonst wäre ihr Weltbild, das sie so aufwendig konstruiertet bekommen haben, vielleicht erschüttert worden und das Ghetto-Image würde die Geschäftsmänner preisgeben, die sich berechnend dahinter versteckt halten. Vielleicht würden dann aber auch Bernd Eichinger oder Uli Edel zu den besseren Filmen zurück finden.
(Julius Wilhelm)
Wenn es jemanden gibt, dem man einen unstillbaren Tatendrang unterstellen könnte, dann wohl Detlev Buck. Regisseur, Produzent und Darsteller in einem. Heutzutage steht man all-in-one Produkten ja eher skeptisch gegenüber, hier kann man aber sicher sein, dass man keine Qualitätseinbuße zu befürchten hat. Am 21.Januar kommt sein neustes Werk Same Same But Different in die deutschen Kinos. Wir sprachen mit ihm über Liebe in Zeiten von Globalisierung, Kambodscha und Hamburg.
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BLANK: Die Geschichte von Same Same But Different erschien bereits als Artikel in Kurzform und 2007 als Roman, wann bist du erstmals auf die Geschichte aufmerksam geworden?
DB: Durch das Buch von Benjamin.
BLANK: Was hat dich an der Geschichte so fasziniert, dass du dachtest, da will ich unbedingt einen Film draus machen?
DB: Ich war bereits in Vietnam und kannte die Gegend und konnte mir das sofort vorstellen. Für mich hat irgendwo jede Generation auch einen bestimmten Liebesfilm. Mir hat mal ein alter Regisseur gesagt, jeder Mann will mal eine Frau retten und da habe ich gesagt Nö, das glaube ich nicht, das ist zu kitschig und mittlerweile mag ich diesen Gedanken gerne, etwas zu erzählen, eine Liebesgeschichte und, das war mir sehr wichtig, die auch global funktioniert. Wenn du heute eine Liebesgeschichte nimmst, wo sie nicht zusammen kommen können, weil er aus reichem Haus kommt und sie aus armen Verhältnissen, das wäre heutzutage ein bisschen albern. Obwohl, das passiert jetzt wieder mehr, ein Zahnarzt heiratet heute auch nicht mehr seine Assistentin sondern schaut wie er weiter hoch in die Gesellschaft kommen kann. Es dreht sich also wieder um. Weißt du, der Fokus liegt heute nicht mehr auf dem gesellschaftlichen Unterschied, sondern auf dem kulturellen. Und zwar dem, der wirklich um die ganze Welt geht, wie zum Beispiel Asien. Asien ist einfach ganz anders, da bist du wirklich einem Kontrastprogramm ausgesetzt und das sind wirkliche Hinderungsgründe. Ich fand es einfach schön mich da hinein zu versetzen und diese Geschichte zu erzählen.
BLANK: Das wäre dann auch schon meine nächste Frage gewesen, um was es dir eigentlich im Kern ging, die Liebesgeschichte oder das große gesellschaftliche Konstrukt drum herum?
DB: Das gehört für mich zusammen. Ein großes Hindernis muss die Liebe ja schließlich haben.
BLANK: Wie hast du dich auf den Dreh in Kambodscha vorbereitet und wie hat das Bild, was du hattest und wie es tatsächlich war, auseinander geklafft?
DB: Die Vorbereitung war sehr gut, da unsere Assistentin ihre Medienarbeit dort geschrieben hat und sich sehr gut auskannte. Sie hat insgesamt sechs Monate in Kambodscha gelebt und mir alles erzählt. Wenn du dann aber da bist, dann ist das komplett etwas anderes. Das ist so ein Reichtum an dem Beruf, den ich mache, so etwas erleben zu dürfen.
BLANK: Du warst selbst schon davor in Vietnam, kanntest Asien also?
DB: Ja, ich war in Vietnam, habe dann erst das Buch gelesen, also ich kannte die Länder schon und wusste, was mich ungefähr erwartet.
BLANK: Ist das nicht gerade das interessante, dass man aus westlicher Sicht alles über einen Kamm schert und sich den Eigenheiten der Länder gar nicht bewusst ist?
DB: Das ist ja genau die Perspektive, die Benjamin einnimmt. Der ist da auf diesem Trip durch Asien und kommt auf einmal durch sie in eine Gesellschaft hinein, die er gar nicht kennt und setzt sich dem dann ja auch aus. Das ist, wenn man so will, auch das Abenteuer, nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern ein Liebesabenteuer.
BLANK: Das Bild, was der Westen von Asien hat, ist auch von einer großen Portion Kitsch umgeben und auch die Geschichte, Junge aus dem reichen Westen trifft armes Mädchen aus Kambodscha, hätte genug Kitschpotential gehabt. Nun ist der Film aber sehr ehrlich und unprätentiös geworden, schafft es aber trotzdem lauter kleine Wunder zu beinhalten. Wie schafft man diese Gratwanderung?
DB: Vielleicht, weil das genau so ist, wie du es gerade beschrieben hast, ich mag das alles auch nicht und meine Sensoren sind da einfach geschärft. Sie (Sreykeo, gespielt von Apinya Sakuljaroensuk, Anm.Red.) sollte schon "pretty woman" sein aber trotzdem different! Das kommt schon aus dem Empfinden heraus, was ich mag und was ich nicht mag. Und die Geschichte ist schon auch Kitsch, aber ich mag auch guten Kitsch.
BLANK: Insgesamt war das der erste Film, der komplett im Ausland entstanden ist?
DB: Mh, na also in Neukölln war ich auch schon mal. Ich hab aber auch sonst schon viel im Ausland gedreht, hauptsächlich Werbung. Man muss auch sagen, dass, wenn man mit einem internationalen Team zusammenarbeitet, das ist oftmals viel aufmerksamer, als wenn man mit einem Team aus nur einer Nationalität zusammen ist.
BLANK: In dem Film wurde bewusst der Kontrast zwischen dem tristen Hamburg, mit all seinen in sich gekehrten Menschen und Großraumbüros und dem bunten, lauten Kambodscha geschürt. Trotz der Armut in Kambodscha bekommt man das Gefühl, dass die Menschen dort trotzdem glücklicher sind, war das beabsichtigt?
DB: Ich habe gerade mit jemandem gesprochen, der das genau umgekehrt empfunden hat. Der die Atmosphäre in Kambodscha unheimlich traurig und bedrückend fand. Ich kann nichts für das Wetter in Hamburg und auch nichts für die Großraumbüros, (lacht) ich kann wirklich nichts dafür, dass es trüb ist. Es ist aber eben Fakt, dass in Kambodscha sehr viele Menschen zusammen leben, dass viel geschnattert wird und in Hamburg eben wenig. Ich will nicht darüber urteilen wer glücklicher ist, ich mag das nicht. Das schönste Kompliment, was ich zu dem Film bekommen habe, war, dass jemand sagte der Film moralisiere nicht.
BLANK: Gibt es denn aber etwas, was wir für uns von Kambodscha lernen können?
DB: Zu sehen, dass man die Probleme, die wir haben, relativieren kann und sich eher daran erfreuen, wenn man umgeben ist von vielen Menschen und nicht gleich genervt sein. Und letztendlich wenn in der Liebe Probleme auftauchen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, sondern einen Schritt weiter gehen. Nach der Krise gibt es die nächst höhere Perspektive und das ist ja eigentlich auch die Aussage vom Film.
BLANK: Das ist jetzt der zweite Film, den du mit David Kross besetzt, warum war er der richtige für die Rolle?
DB: Weil David auf eine sehr angenehme Art und Weise Dinge ernst nimmt und das zeichnet ihn aus. Dadurch ist er auch für mich als Typ etwas besonderes.
BLANK: Du bist nicht nur Regisseur sondern auch Schauspieler, profitierst du davon, insofern, dass du genau weißt welche Anweisungen die Schauspieler brauchen oder treibt das einen manchmal zum Wahnsinn, weil man es am liebsten einfach selbst spielen würde?
DB: Man muss nicht unbedingt Schauspielern mögen, so wie ich es mag, um ein guter Regisseur zu sein. Mit hilft es manchmal, mir Dinge vorzuspielen und vorzustellen, aber ich spiele nicht vor. Das kann ich auch nicht.
BLANK: Stell dir vor du bist in der Situation: Abitur oder Studium ist fertig und dich packt die Reiselust. Wo würde es hingehen?
DB: Asien finde ich schon spannend, deswegen habe ich den Film auch gemacht. Dadurch, dass dort so große Umbrüche stattfinden und vor allem so schnell. Mich interessieren Länder mit Umbrüchen mehr als andere.
BLANK: Würdest du so weit gehen, in Länder zu reisen, wo eine enorm hohe Armut herrscht oder Krieg?
DB: Ich würde nicht so weit gehen, mein Leben zu riskieren. Da hab ich ehrlich gesagt kein Bock drauf. So weit geht das bei mir nicht.
BLANK: Eine Standardfrage zum Abschluss, was ist dein nächstes Projekt und wird es vor oder hinter der Kamera sein?
DB: Vor der Kamera wahrscheinlich in Kasachstan, ich weiß es aber noch nicht genau. Hinter der Kamera vielleicht die Vermessung der Welt in Südamerika oder Mängelexemplar, je nach Money!
(Antonia Märzhäuser)
Same Same But Different - Homepage zum Film
Bucks Produktionsfirma BojeBuck
Detlev Buck himself
Photographie: Cécile Sayuri Styling: Aude Jamier
Ich treffe Jennifer Ulrich in einem dieser Cafes, die gefüllt sind mit Chai-Soy-Latte schlürfenden Schönmenschen, die ab und an möglichst lässig ihren Laptop auf und wieder zu klappen und dabei entweder höchst konzentriert oder höchst gelangweilt aussehen. Jennifer ist weder gelangweilt, noch bestellt sie einen Chai-Soy-Latte, und somit wären die ersten Sympathiepunkte klar vergeben. Dass sie ihre Zeit nicht mit obligatorischem Laptop Auf- und Zuklappen verbringt wird klar, wirft man einen Blick auf die Arbeiten der vergangenen zwei Jahre. Neben zahlreichen Fernsehproduktionen spielte sie 2008 in Dennis Gansels „Die Welle“ ihre erste Kinohauptrolle. Mit „Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika“ betritt sie erstmalig das internationale Parkett und so wird unser Treffen vor allem ein Gespräch über den deutschen Film, internationale Chancen und Berlin als Melting Pot der Schauspielszene.
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BLANK: Kannst du dich noch an deinen ersten Kontakt mit Film erinnern, gab es so etwas wie ein einschneidendes oder prägendes Erlebnis, was dich zur Schauspielerei gebracht hat?
JU: Es gab nie den Punkt, dass ich im Kino saß, einen Film gesehen habe und mir dachte „Ja, genau das möchte ich machen". Es war vielmehr so, dass ich wusste, Schauspielerei könnte eine Sache sein, die mir Spaß macht, allerdings hatte ich keine Ahnung wie ich die Sache angehen könnte. An meinen ersten Film „Große Mädchen weinen nicht“ bin ich auch nur durch puren Zufall geraten, danach wusste ich dann aber ganz genau, dass es das ist, was ich machen möchte.
BLANK: „Albert Schweitzer“ war deine erste internationale Filmproduktion. Was war bei dem Projekt anders und welche neuen Erfahrungen konntest du vom Dreh mitnehmen?
JU: Zunächst war es natürlich spannend, in Englisch zu drehen. Ich fühle mich in der Sprache eigentlich sehr wohl, von daher hatte ich richtig Spaß beim Drehen. Dennoch war das die größte Herausforderung, in einer anderen Sprache zu drehen und zu sehen, wie verändert sich die Art und Weise, wie ich spiele, dadurch? Das Team war außerdem viel größer als bei deutschen Produktionen und dadurch, dass wir in Südafrika gedreht haben war die Atmosphäre für mich unheimlich spannend. Man hat eben nicht die Möglichkeit, sich ins Heimische zu flüchten und abzuschalten, was bei Drehs in Berlin ganz normal ist.
BLANK: Hast du Unterschiede zwischen den Arbeitsweisen, wie du sie gewöhnt bist, und denen am Set von „Albert Schweitzer“ bemerkt?
JU: Im Prinzip ist die Basis immer sehr ähnlich und man begegnet sich, egal aus welchem Land man kommt, auf derselben Ebene. Die Arbeit mit Gavin, dem Regisseur, war dennoch etwas ganz anderes. Er ist ein sehr erfahrener Regisseur, der schon seit Ewigkeiten Filme macht und dadurch ganz eigene Arbeitsweisen entwickelt hat. Zum Beispiel macht er wenige Takes, oft nur einen einzigen und er weiß genau was er will. Die Schauspieler haben wenig Zeit zum Proben am Set und müssen eigentlich sofort präsent sein. Das war aber nicht nur für mich anders, sondern für alle Schauspieler vor Ort.
BLANK: Und was gefällt dir besser?
JU: Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich mag es lieber, wenn man etwas mehr auf Sicherheit geht und deutsche Regisseure nehmen da meistens lieber einen Take mehr als zu wenig. In den meisten Fällen muss man als Schauspieler einfach lernen, dem Regisseur zu vertrauen.
BLANK: Der junge deutsche Film erntet schon seit längerem internationale Anerkennung und ist bei internationalen Filmfestspielen sehr erfolgreich. Erhöht sich dadurch der Druck auf dich als Schauspielerin?
JU: Man spürt eine Veränderung dadurch, dass der Markt einfach internationaler wird und die Agenten auf einmal Wert darauf legen, dass wir unser Englisch trainieren. Die Aufmerksamkeit für den deutschen Film ist momentan wirklich sehr hoch und das sollte man ausnutzen. Wer weiß, wie es in ein paar Jahren wieder aussieht.
BLANK: Zurück zu dir. Deine letzten beiden Filme waren sehr politisch, einmal „Die Welle“ und jetzt „Albert Schweitzer“. War das Zufall? Was hat dich an den Rollen gereizt?
JU: Das werde ich witzigerweise öfters gefragt, da „Die Wolke“ ja auch ein sehr politischer Film war. Zunächst war es eigentlich Zufall. Ja, ich mache ich lieber einen Film mit einem ernsteren und vielschichtigeren Hintergrund, der die Menschen zum Nachdenken anreizt. Die Gespräche, die danach stattfinden, sind einfach interessanter und tiefschürfender. Man spielt auch mit einem ganz anderen Gefühl, es ist nicht rein emotional sondern findet auf mehreren Ebenen statt, wenn man zusätzlich noch eine politische Message herüberbringen möchte.
BLANK: Wie war das bei „Albert Schweitzer“? War die Einarbeitung in das Thema durch den historischen Hintergrund und dessen immense Tragweite schwierig?
JU: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit „Albert Schweitzer“ zunächst gar nicht so viel Politisches verbunden habe. Klar, jeder hat mal den Namen gehört und weiß grob etwas mit der Person anzufangen. Ich war mir aber nicht im Klaren darüber, wie eng er in den damaligen Diskurs rund um die Atombombe und die atomare Aufrüstung eingebunden war. Das meiste zu dem Thema habe ich mir in Vorbereitung auf die Rolle angelesen.
BLANK: In „Die Welle“ wie auch in „Albert Schweitzer“ spielst du einen willensstarken und selbstbewussten Charakter, der sich bewusst einer Autorität widersetzt. Wie wichtig ist dieser Charakterzug auch für dich persönlich als Schauspielerin? Gab es Momente, in denen du klar gegen etwas Position beziehen musstest?
JU: Ja, gerade als junge Schauspielerin muss man mit jedem Film wieder neu ansetzen, und sich bei Produzenten, Regisseuren und auch Castern immer aufs Neue behaupten.
BLANK: Kann es denn sein, dass du den Regisseur am ersten Drehtag erst zu Gesicht bekommst?
JU: Es kann durchaus passieren, dass man den Regisseur erst am Set kennen lernt und man sich vorher noch nie gesehen hat. Das kommt bei manchen TV-Episodenrollen schon mal vor, wenn es eine Direktbesetzung ohne Casting ist und die Zeit vorher knapp ist. Wenn es zu keinem persönlichen Treffen kommt, versuche ich wenigstens ein Telefongespräch zu führen, daraus lässt sich manchmal schon viel ableiten. Beim Kino kommt das aber eigentlich fast nie vor.
BLANK: Berlin ist so etwas wie der Melting Pot deutscher Jungschauspieler. Empfindest du diese Dichte hier in Berlin als Vor- oder Nachteil? Gibt es einen aktiven Austausch in der Szene oder erhöht dieser Umstand eher den Druck?
JU: Ich sehe es zunächst einmal als einen positiven Umstand an, in Berlin zu leben, einfach weil viele Produktionsfirmen, Regisseure und Caster hier sitzen. Generell bin ich kein sehr konkurrenzdenkender Mensch, da ich glaube, dass wir als Schauspieler da sowieso nicht viel ausrichten können. Wir sind nicht diejenigen, die entscheiden ob wir die Rolle bekommen. Das einzige, was ich für mich tun kann, ist, gut zu spielen. Das Klischee des Zickenkriegs unter Schauspielerinnen sehe ich für mich nicht bestätigt. Klar denken nicht alle so, aber in den Kreisen, in denen ich mich bewege, helfen wir uns gegenseitig und nutzen unsere Netzwerke im positiven Sinne. Für mich haben sich durch die Schauspielerei sehr lange und feste Freundschaften entwickelt und wenn ich einer Freundin nach einem Casting sagen kann, wie sie sich vorbereiten sollte, dann mache ich das gern.
BLANK: Cary Grant, Marlene Dietrich – Hollywood, ist das überhaupt noch ein Ziel oder wurde dieses Ideal längst abgelöst?
JU: Klar übt Hollywood nach wie vor eine Faszination auf mich aus, aber ich glaube, dass man mittlerweile auch wirklich gute Chancen in Deutschland hat, da sich der amerikanische Markt gerade stark auf Deutschland konzentriert. Ich habe einen amerikanischen Agenten, der mir sogar geraten hat, den Zweig, der sich hier gerade auftut, zu nutzen.
BLANK: Was glaubst du macht den deutschen Film so besonders, was zieht diese Aufmerksamkeit auf ihn?
JU: Das ist eine schwierige Frage, aber ich glaube es liegt daran, dass der deutsche Film wieder aussagekräftiger wird, politischer und intensiver. Wir können mit dem internationalen Markt mittlerweile gut mithalten, wir haben gute Geschichten und trauen uns endlich wieder mehr bzw. haben einige junge Regisseure, die nicht vor Neuem zurückschrecken. Das Selbstbewusstsein der Filmemacher kann aber ruhig noch ein bisschen mehr werden, allerdings muss man auch immer bedenken, dass man den deutschen und amerikanischen Markt nicht vergleichen kann. Wir finanzieren anders und das wirkt sich eben auch auf Filme aus. Wir haben unheimlich gute Autoren, die in Deutschland leider absolut stiefmütterlich behandelt werden. Das ist anderswo nicht so. Ich sehe da noch viel Potential und hoffe, es wird ausgeschöpft.
BLANK: Damit komm ich auch schon zu meiner nächsten Frage, an was mangelt es ihm noch?
JU: Wir riskieren noch zu wenig. Schaut man sich mal die Skandinavier an, die erzählen tolle vielschichtige Geschichten und scheuen nicht vor menschlichen Abgründen und schwarzem Humor zurück, das trauen sich hier wenige. Eine Geschichte erzählen, die richtig unter die Haut geht und nicht erst hundertmal weichgekocht wird, so etwas wünsche ich mir. Ich schaue mir lieber so Filme wie „Der Freie Wille“ an, wo ich dann während dem Gucken nur denke „Oh Gott" und danach erstmal drei Wodka kippen muss. Aber wenigstens nehme ich den Film dann mit nach Hause, beschäftige mich mit dem Thema und der Art des Films. Ich bin zwar kein großer Arthaus-Fan, aber mir ist es lieber, wenn die Kamera einen Moment zu lange draufhält, anstatt zu früh rauszugehen. Oberflächlichkeit und Film gehören für mich einfach nicht zusammen. Alles, was real möglich ist oder möglich wäre, darf durch Film nicht geschönt werden. Genau wie die Frage, ob ich Nazis als Menschen überhaupt zeigen darf. Natürlich darf man. Es waren ja schließlich Menschen, die diese schrecklichen Dinge verbrochen haben und vielleicht verdeutlicht gerade eine menschliche Darstellung das Grauen noch besser. Sobald es mit Identifikation zu tun hat, wird es für manche Menschen einfach schwer solche Filme zu sehen, das ist auch okay, aber solche Filme deswegen nicht zu machen oder ins Oberflächliche abdriften zu lassen, aus Angst zu sehr zu provozieren, halte ich für falsch.
BLANK: Fragt man einen Schauspieler, welchen Charakter er gerne einmal spielen möchte, bekommt man meistens die Antwort „einen exzentrischen, extremen Charakter". Wie schwer ist es, aus einem bestimmten Schema X, z.B. dem des jungen hübschen Mädchens wieder heraus zu kommen?
JU: Natürlich würde ich gerne einen exzentrischen Charakter spielen, so geht es an einem bestimmten Punkt, denke ich, jedem Schauspieler. Und es stimmt, dass es nicht so einfach ist, aus einer Schublade herauszukommen, in die man einmal geraten ist. Für eine Zeit ist das mal ganz nett, aber man muss immer aufpassen, dass man wieder herausfindet. Hier sind wir aber wieder beim alten Thema: Du brauchst Leute, die sich trauen, Dich gegen zu besetzen und damit ein Risiko eingehen, damit auf anfängliche Skepsis zu treffen. Ich würde gerne jemanden spielen, der richtig hässlich ist, von innen wie von außen, aber das trauen sich bisher nur wenige mit mir in Verbindung zu bringen.
BLANK: Was würdest du sagen, ist die größte Bereicherung, die dir die Schauspielerei für dein eigenes Leben bringt?
JU: Auf jeden Fall das „Lernen“. Als Schauspieler hast du die Möglichkeit in Situationen –seien sie angenehm oder unangenehm – zu schlüpfen, aus denen wir privat etwas ziehen können. Man kann sich oft die Frage stellen, wie würde ich reagieren, was würde ich tun? Manchmal weiß man die Antwort nicht und kann nachdem man gespielt hat zumindest sagen, wie man es nicht machen würde.
BLANK: Sozusagen eine Generalprobe für das Leben, ohne Konsequenzen?
JU: Ja, ich habe das Recht, in einer Rolle etwas falsch zu machen und muss mir keine Sorgen um die Konsequenzen meines Handelns machen. Wir bekommen sozusagen zwei Chancen, fürs Leben zu lernen.
BLANK: Dann müssten Schauspieler eigentlich die besseren, weil überlegten Menschen sein?
JU (lacht): Nein, das ist dann wohl doch etwas zu hoch gegriffen.
(Antonia Märzhäuser)

Hugh Jackmann ist bekanntlich „The most sexiest man alive“. Das hat er unter anderem seiner Rolle als Logan alias Wolverine im Kassenschlager „X-Men“ zu verdanken, mittlerweile eine der erfolgreichsten Science-Fiction-Reihen bzw. Comic-Verfilmungen im Kino. Bei „X-Men Origins: Wolverine“, dem neuesten Teil der Superhelden-Mutanten-Saga, überläßt Jackmann dann auch folglich nichts dem Zufall und hat die Rolle des Produzenten gleich mit übernommen. Und der Produzent Jackmann hat den Schauspieler Jackmann hart rangenommen. ![]()
Das Resultat: ein gestählter Körper, dem es ein leichtes sein wird, den Titel des „most sexiest man alive“ zu verteidigen. Nach dem eher behäbigen Epos Australia ist Hugh Jackmann also wieder dort angekommen, wo seine Fans ihn am liebsten sehen: in der Rolle des ehrlichen, mit sich selbst zweifelnden Mutanten Wolverine, dem rauhen Anti-Helden, dessen Skelett mit der unzerstörbaren Legierung Adamantium ummantelt ist. Yeah, die Welt der Superhelden. Eine Welt für sich.
Kinostart: 29.April

Auf der diesjährigen Berlinale lief Florian Gallenbergers „John Rabe“, aufgrund eines zu großen Angebots guter deutscher Filme (sprach Herr Kosslick), außerhalb des Wettbewerbs. Völlig egal, die Premiere im Rahmen der Kategorie „Berlinale Special“ wurde frenetisch mit Standing Ovations gefeiert. Die epische Produktion kann nicht nur mit ehrenwerten Akteuren wie Steve Buscemi, Daniel Brühl, Dagmar Manzel und Anne Consigny aufwarten, sondern hat eine dramatische Geschichte zu erzählen: ![]()
Der Deutsche John Rabe ist Geschäftführer der chinesischen Siemens-Niederlassung in Nanking. Als 1937 der japanisch-chinesische Krieg ausbricht, ist die Zivilbevölkerung den Gefechten hilflos ausgesetzt. Rabe, gespielt von Ulrich Tukur, engagiert sich für die Errichtung einer Schutzzone – und hat Erfolg. Auf einem zwei mal zwei Kilometer großen Grundstück können sich die Flüchtlinge aufhalten. Zusätzlich lässt Rabe eine riesige Hakenkreuzfahne spannen, um die mit den Nazis verbündeten Japaner von Bombardierungen abzuhalten. Der Plan geht auf, Rabe rettet mehr als 200.000 Chinesen das Leben, er wird als der „Oskar Schindler von China“ in die Geschichte des Landes eingehen. In seinem Heimatland blieb der Verdienst des Deutschen lange unbekannt. Florian Gallenberger hat John Rabe nun ein filmisches Denkmal gesetzt.
Start: 02.April

Wenn sich am 13.02. im Berliner Tresor früh morgens die Tore schließen, wird sich das angegraute Berlinalepublikum samt Jury fragen lassen müssen, was da denn bitte an ihnen vorbeigerauscht ist. ![]()
Richard Wilhelmer, austro-berliner Regisseur, führt dort an diesem Abend erst einem handverlesenen Publikum aus Pressevertretern und geladenen Gästen sein Kurzfilmdebüt „The Golden Foretaste Of Heaven“ vor und wird sich für einen künstlerischen Crossover aus Animation, Montage und realem Schauspiel feiern lassen können.
Film und Photo werden zu einer Geschichte über nahende Apocalypse, Heldenmut und Liebe mit Hindernissen kollagenartig verwoben. Und was hier schwer nach Blockbuster klingt, ist in Wahrheit eine kritische Reflektion und der Versuch der emotionalen Gegenästhetisierung auf Bilderbuchbasis auf Hollywoods Popcorn-Industrie. Wilhelmer etabliert in knapp 30 Minuten durch die Komposition aus Blueboxaufnahmen, Kollagen, Stills und Freistellern nicht weniger als eine eigene Ästhetik, Robert Stadlober, Friederike Kempter, Suzan Anbeh setzen die Anforderungen des Regisseurs in über-menschliche Gestik und Mimik um, der Soundtrack stammt aus dem Mischpult von Alec Empire und Nic Endo.
Um 22.30 Uhr öffnen sich die Tore dann für das interessierte Publikum, der Film kommt ein zweites Mal zur Aufführung. Ein Festival für Augen und Geist, im Dienste des europäischen Films, das aber seien wir ehrlich – doch sehr deutsch rüber kommen wird, an diesem 12.2. im Tresor. Umso internationaler wird dafür der Rest. Alec Empire hat ein musikalisches Line-up versammelt, wie es im Elektrobereich spannender kaum sein könnte: David Holmes, der den Soundtrack zu Ocean´s 11 geliefert hat, wird ebenso das Volk bespielen wie der Brite Andrew Weatherhall, Nic Endo aus Japan und der Meister selbst. Und so wird sich am Morgen des 13. der Kreis geschlossen haben, wenn sich das angegraute Publikum samt Jury fragen wird...

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