„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet […] werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Ähnlich bauernschlau wie diese mit Vorliebe von Alt-68ern auf Stickern publizierte Redewendung der kanadischen Cree-Indianer kommt auch Franny Armstrongs Film „The Age of Stupid“ daher.
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Die britische Regisseurin nahm die im Dezember dieses Jahres anstehenden Verhandlungen zum Nachfolgevertrag von Kyoto zum Anlass, eine Dokufiktion zum Thema Klimawandel zu drehen. Doku, weil neben mehr oder weniger manipulierten Nachrichtenmitschnitten auch vermeintlich „echte“ Menschen zu Wort kommen. Fiktion, weil das Ausgangsszenario eine Welt nach der Klimakatastrophe im Jahr 2055 ist. Und so beginnt der Film mit einer Auswahl wirklich schockierender Bilder: Sydney in Flammen, London überflutet, Las Vegas unter Wüstensand begraben – schockierend vor allem aufgrund kaum ertragbar schlechter Computeranimation.
Der offensichtlich einzig Überlebende der Katastrophe, ein namenloser Menschenfreund, nennen wir ihn Noah, zeigt den Zuschauern in einer Vielzahl kurzer Clips auf modernster 3D-Animationsoberfläche, wie es zur Klimakatastrophe kommen konnte. Sollte da tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Wirbelstürmen, Waldbränden, Flutwellen und der Erderwärmung bestehen?
So nimmt die Lehrstunde in Sachen Umweltbewusstsein ihren Anfang. Einwegflaschen aus Plastik sind böse, Öl ist böse, Krieg ist böse und Schuld an allem haben natürlich die Amerikaner. Und die Inder, denn von denen gibt es ziemlich viele und die wollen jetzt auch Billigairlines.
Es dauert nicht lang, da fließen die ersten Tränen. Nicht bei den Zuschauern, sondern bei dem sympathischen, älteren Franzosen, einem Bergführer, der nun immer höher klettern muss, um überhaupt noch auf Gletschereis zu stoßen. Und wessen Herz davon noch unberührt geblieben ist, den sollen dann die ein bis zwei mitleiderregenden Quotenschluchzer des kleinen irakischen Jungen im Exil erweichen, wenn er von der Ermordung seines Vaters durch die Amerikaner erzählt. Was ihn jedoch nicht davon abhält, mit seiner Schwester Krieg zu spielen. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese possierliche Sequenz vom Filmteam wenn nicht gar initiiert, dann zumindest forciert wurde.
Überhaupt hat all das so deklariert Reale den bitteren Nachgeschmack des Inszenierten: Die junge Afrikanerin, die eigentlich Ärztin werden möchte, nun aber auf dem Schwarzmarkt Diesel verkaufen muss, weil die Flüsse vergiftet und die Fische gestorben sind. Der engagierte Engländer, der mit seiner Windenergieanlage am Widerstand der in ihrem ästhetischen Empfinden gekränkten Bürger scheitert. Und der Amerikaner, der durch Hurrikan Katrina alles verloren hat, außer seiner Harley, seiner Nikotinsucht und seinem Spaß am American Way of Life.
Alle bedienen gängige Klischees und helfen dem Zuschauer zu verstehen, dass es eben nur schwarz und weiß, gut und böse gibt. Franny Armstrong betreibt politische Aufklärung auf Grundschulniveau, die Kunst der Persuasion ist ihr offensichtlich nicht geläufig. Ein einseitiger Blick auf die Ausbeutungsstrukturen des kapitalistischen Konsumsystems auf dem Niveau von aufmerksamkeitsheischendem Boulevardjournalismus ist purer Populismus in bester Sabine Christiansen- Talk-Manier.
Phasenweise fragt man sich, wann sich wohl Michael Moores dicker Hintern endlich vor die Kamera schiebt. Und ähnlich wie Moores Filme berührt auch „The Age of Stupid“ so, wie von Bettlern in Fußgängerzonen zur Schau gestellte Amputationsstumpen: unterhalb der Gürtellinie der Würde.
Das umweltfreundlichste an diesem Film ist noch seine Herstellung: „Lediglich 94 Tonnen CO2 wurden ausgestoßen – etwa so viel wie fünf Amerikaner in einem Jahr verbrauchen“ weiß die Pressemitteilung.
Um die Sache wirklich rund zu machen, hätte Frau Armstrong bloß noch Bono und Geldof für den Soundtrack verpflichten müssen.
Vielleicht leben wir ja in „The Age of Stupid“, was nicht heißt, dass wir in einer Welt voller Dummer leben, für die gut gemeint nicht trotzdem noch das Gegenteil von gut wäre.
(Frederike Ebert/Antonia Märzhäuser)
Was vor zehn Jahren noch etwas exotisch wirkte und für die Meisten einfach eine asiatische Version des Sau-Raus-Lassens darstellte, hat spätestens seit der Veröffentlichung von PlayStations Partykracher SingStar im Jahre 2004 auch Einzug ins deutsche Wohnzimmer gehalten und hat sich zum festen Bestandteil von Pop- und Partykultur gemausert. ![]()
Wer hat das nicht schon mal erlebt: erst ziert sich jemand. Will nicht. Traut sich nicht. „Ich kann gar nicht singen!“. Man muss alle Überredungskünste aufbringen, um ihn oder sie zu überzeugen. Das verlangt gutes Zureden, Taktik und Raffinesse. Zuweilen Gruppenzwang oder Androhung von Sanktionen. Manchmal muss man Menschen zu ihrem Glück fast schon zwingen, auch wenn man sich vielleicht selbst zum Deppen macht. Doch ist das Eis erstmal gebrochen, sind es zumeist die Klemmer, die dann komplett durchdrehen, gar nicht genug bekommen können und am Ende auf den Tischen tanzen. Das ist im Karneval so. Auf dem Oktoberfest. Bei Motto-Partys. Und auch bei dem Phänomen SingStar verhält es sich nicht anders.
Und so ist SingStar nicht nur Vorbereitungsmöglichkeit für Pop- und Superstars-Castings aller Art, sondern auch Hemmungsnehmer für verstaubte Partyzirkel. Auch wenn es letztendlich nicht ums Gewinnen geht, denn das kann man bei SingStar im Vergleich zum herkömmlichen Karaoke, ist dies eine Competition, in dem es jedoch um das Gemeinsame und das Gesellige geht und nicht um Bewertungswahn und Pseudokarriere. Gemeinsam singen und lachen. So einfach kann das manchmal sein. Deswegen gibt es den Karneval, das Oktoberfest und Mottopartys. Doch während man sich z.B. beim Oktoberfest dem vorgegebenen Bühnenprogramm verantworten muss, hat man bei SingStar eine große Auswahl an Compilations und Songs aus dem SingStore – von der Apres-Ski-, zur Summer-, zur Turkish-Party, über Best-Of-Disney und Boybands-vs.-Girlbands, bis hinzu SingStar Abba, Queen oder Die Toten Hosen.
Jetzt gibt es mit SingStar „Made In Germany“ dreißig neue Songs, die allesamt in Deutschland produziert wurden. Von Sarah Conner bis Milli Vanilli, von Karat bis Boney M. Und auch hier hat man ein Potpourri zusammengestellt, dass das Eis auf jeder Party zum Schmelzen bringt: von Wolfgang Petrys Gassenhauser „Bronze, Silber und Gold“ (hier sogar in einer Live-Version, die Stadionatmospähre schnuppern lässt), den jeweils ersten Hits der Fantastischen 4 und der Prinzen („Die Da!“ und „Millionär“), dem aktuellen Emo-Überflieger Eisblume, den Einheitsrockern von den Scorpions, One-Hit-Wondern wie Lucilectrics „Mädchen“, aber auch Indierock von Tomte („Ich sang die ganze Zeit von Dir“). Diese Hits sorgen dafür, dass sich alle Partygäste und Familienmitglieder, Generationen- und Szeneübergreifend, jung und alt, dem Singspaß hingeben können. Auch der Coverboy unserer aktuellen Ausgabe, Max Herre, ist übrigens im Duett mit seiner Ex-Frau Joy Denalane und dem Song „Erste Liebe“ mit dabei.
BLANK verlost 3x die Compilation SingStar „Made In Germany“ (Standalone). Schreibt bis zum 30. November eine Mail mit dem Betreff „Made In Germany“ an verlosung[at]blank-magazin.de und mailt, welchen Song ihr in „Made In Germany“ noch gerne gesehen hättet. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Alle Infos zum neuen SingStar „Made In Germany“ findet ihr hier.
(Elmar Bracht)

Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2004 wurde unter deutschen Tannen noch den unerfüllten Träumen von weißer Weihnacht nachgetrauert. Statt Schnee fiel mal wieder Regen. Doch nicht nur Deutschland beklagte zu diesen Tagen ein Übermaß an Wasser in seinem flüssigen Aggregatzustand: Große Küstenabschnitte Thailands, Indiens und Indonesiens versanken unter den Fluten eines riesigen Tsunamis. Während ein durch stetig steigende Erderwärmung immer unwahrscheinlicher werdendes Schneegetümmel zur Weihnachtszeit noch in die Kategorie der zu verkraftenden Unglücke gehört, ist eine Flutwelle, die mehr als 280.000 Menschen das Leben kostete ein dystopischer Ausblick auf die uns bevorstehende Zukunft – Klimawandel sei Dank! Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche besteht aus Wasser. Dank schmelzender Pole wird es stetig mehr. Was uns blühen könnte, sollte das restliche Drittel Land unter dem Ozean versinken, zeigten Kevin Reynolds und Kevin Costner 1995 in ihrem Film „Waterworld“. Die Qualität dieses Streifens einmal außer acht lassend eine rundum deprimierende Angelegenheit. Wie unser Leben aussehen könnte, sollte es kein bewohnbares Festland mehr geben, das ist auch die Frage mit der sich das Projekt Open_Sailing beschäftigt. Ihre Arbeit wurde gerade mit dem Förderpreis des Wrigley‘s 5 Gum Vison Lab belohnt. Nadine Freischlad stand uns Rede und Antwort. ![]()
BLANK: Was hat es mit dem Projekt Open_Sailing auf sich?
NF: Open_Sailing ist ein Kunstprojekt, an dem unterschiedliche Leute beteiligt sind. Initiiert wurde es von Cesar Harada, der am Royal College of Art in England studiert hat. Er hatte die Vision, eine internationale Ozeanstation zu bauen, auf der erneuerbare Energien, das Leben auf dem Meer und mit dem Meer erforscht wird. Das geschieht in verschiedenen Labs.
BLANK: Was für Labs gibt es denn?
NF: Es gibt das Open Architecture Lab, das sich mit dem Bau der Struktur, also des Floßes, beschäftigt. Dann gibt es das Operating System Lab. Das sind die Leute, die sich mit der Navigation befassen. Außerdem gibt es ein Food Lab, bei dem ich involviert bin, und das Ecosystem Lab, in dem die Algenproduktion erforscht wird. Insgesamt gibt es zurzeit sieben Labs, an die sich noch mehr Projekte andocken. Das Projekt versteht sich als Prozess, als Forschungsprojekt, wo verschiedene Gruppen ihren Input dazu beisteuern, damit diese ganze Vision irgendwann zusammenkommen wird.
BLANK: Welche Leute sind an dem Projekt beteiligt?
NF: Cesar und die Kerngruppe sind eigentlich Designer. Sie befassen sich mit diesem Begriff der „Open Architecture“. Sie bauen ein Floß nach dem Prinzip der offenen Architektur. Das bedeutet, dass es eben keine feste Struktur gibt, sondern eben alles sehr modular aufgebaut ist. Es gibt eine Art Wohneinheit, eine Art Garteneinheit und so weiter.
Außerdem sind Ingenieure mit dabei, die den Floßbau begleitend unterstützen. Es gibt Leute, die sich mit den Themen Biomasse und Algenkulturen befassen. Sie bauen ein Modul, in dem Algen kultiviert werden, die später für Energiegewinnungszwecke benötigt werden, als Düngemittel oder auch als Nahrungsmittelquelle. Ich bin an dieses Projekt angedockt, weil mich das so sehr interessiert hat und habe versucht, einen Bereich zu finden, der mich anspricht. Und das ist eben der Bereich der Ernährungsweise unter den Bedingungen vom Leben auf dem Meer.
BLANK: Welches Szenario setzt Open_sailing voraus?
NF: Für 2012 gibt es ja diese Weltuntergangsszenarien. Aber das war eigentlich mehr so ein Trigger. Inzwischen ist das ganze eigentlich nicht mehr in diesem pessimistischen Weltuntergangszenario verbunden, sondern an der ganz positiven Frage: Kann man das Meer nicht besser nutzen als Lebensraum, zusätzlich auch zum normalen Leben an Land?
BLANK: Was ist das Ocean_Cookbook?
NF: Das Ocean_Cookbook ist im Grunde ein Hybrid zwischen Koch-, Hand- und Survivalbuch, das alle Stufen des Lebens auf dem Meer darstellt, zum Beispiel aus der Perspektive der Ernährungswissenschaften. Was bedeutet es für den Körper, unter diesem ständigen Salzgehalt zu stehen? Welche Folgen hat das für die Ernährungsweise? Auf dem Meer gibt es zwar relativ viele Vitamin- und Proteinlieferanten, aber was fehlen wird sind die Kohlenhydrate. Es ist schwierig sie anzubauen. Daher müssen wir uns überlegen, wie wir damit umgehen, ob das ein Problem darstellt. Der zweite Teil des Buchs enthält mehr praktische Anleitungen, zum Beispiel wie man mit ganz einfachen Mitteln Salzwasser destillieren kann, denn ausreichend Trinkwasser wird ja das große Problem sein. Oder wie man kleine Fischfarmen und schwimmende Gärten bauen.
Und zuletzt geht es halt wirklich ganz konkret um Rezepte, kleine Vorschläge, was zubereiten kann man mit ungewöhnlichenProdukten wie zum Beispiel Algen, die in unserer Küche zumindest eher unüblich sind.
BLANK: Das Ocean_Cookbook ist bislang nur ein Konzept und noch nicht realisiert?
NF: Nein, überhaupt noch nicht. Im Moment ist auch die ganze Arbeit auf tausend kleinen Dokumenten und im Internet verstreut. Es wird noch lange dauern, bis das dann alles tatsächlich in einem Buch zusammen fließt.
BLANK: Wie soll das fertige Buch denn aussehen?
NF: Es soll visuell ansprechend sein, mit ganz vielen Illustrationen, mit Bauanleitungen und mit Rezepten. Die erste Reise mit der Open_Sailing auf der Ars Electronica ist sozusagen unser erste Case Study. Aber das Buch geht noch darüber hinaus. Es soll noch mehr Hintergrundinformation bringen, besonders unter dem Aspekt der Ernährungswissenschaften. Ich selbst habe Biologie studiert und muss mich da ansonsten selbst einlesen. Wir könnten gut noch einen Ernährungswissenschaftler in unserem Team gebrauchen.
BLANK: Wie kommt ihr an die Informationen? Das erinnert ein wenig an Yann Martels Roman „Schiffbruch mit Tiger“.
NF: Viel von dem, was wir beschreiben, erfinden wir natürlich nicht selbst. Es gibt viele Geschichten darüber, wie Menschen Schiffbrüche überlebt haben. Aus dieser ganzen Survival- und Schiffbruchtechnologie lernen wir natürlich auch viel.
BLANK: Wie geht es mit dem Projekt Open_Sailing weiter?
NF: Im September wird auf der Ars Electronica eine große Ausstellung gemacht, wo der erste Prototyp der Open_Sailing auch wirklich begehbar auf der Donau sein soll.
BLANK: Wie entstand die Idee, sich beim 5Gum Vision Lab zu bewerben?
NF: Ich hatte von Freunden davon gehört. Ich habe gedacht, dass unser Projekt total gut passt. Mich hatte die Vision von Open_Sailing ja gerade so angesprochen, weil das eine ganz andere Sinneswahrnehmung voraussetzt. Was könnte stärker die Sinne beanspruchen, als zu sagen, wir verändern unseren ganzen Lebensstil, unseren ganzen Lebensraum?
BLANK: Eure Arbeit war von den zehn finalen Projekten am stärksten konzeptionell, mit dem komplexesten theoretischen Background. Hattet ihr nicht die Sorge, dass ihr irgendwie rausfallt?
NF: Ich habe uns selber immer ein bisschen als Außenseiter gesehen, auch in der Finalistenrunde. Die anderen Sachen waren sehr produktorientiert. Das waren sehr hübsche, ansprechende Gegenstände. Deswegen habe ich mich auch sehr gewundert, dass wir tatsächlich gewonnen haben.
Später habe ich dann mit dem Kurator des 5Gum Vision Labs, Holm Friebe, gesprochen. Er hat mir verraten, dass die Jury von der visionären Ausrichtung des Konzepts sehr angetan war.
BLANK: Ihr habt 10.000 Euro Preisgeld gewonnen. Wofür wird das verwendet?
NF: Das Preisgeld wird ganz konkret in diesem Sommer gebraucht, um die erste Open_Sailing zusammenzubauen. Das ist natürlich eine super Starthilfe, so dass wir die ersten Prototypen von den schwimmenden Gärten bauen können, die dann auch bei der Open_Sailing mitschwimmen sollen. Jetzt wird das wahrwerden, was bislang nur ein Traum war.
BLANK: Die Veranstaltung hatte ja mit Wrigley einen ziemlich großen Sponsor. Wie hast du das erlebt?
NF: Vor Ort war alles schon sehr gebrandet. Aber man bekommt ja einen Förderpreis, der nicht an besondere Bedingungen geknüpft ist. Das finde ich total super.
(Frederike Ebert)

Anlässlich der Markteinführung eines neuen Kaugummis, schreibt Wrigley's einen Wettbewerb aus und lässt Kurator, Popkulturexperte und Gesellschaftsforscher Holm Friebe die einleitenden Sätze formulieren: „Das Motto MAKING SENSES zeigt an, dass die Art und Weise, wie wir unsere sensorische Wahrnehmung zum Einsatz bringen, nicht allein naturgegeben ist, sondern immer auch Produkt der Zeit und ihrer technischen Möglichkeiten. Anders gesagt: Unser Sinneskostüm geht mit der Mode. Das bedeutet neue Abenteuer für die Sinne – und zwar auf allen fünf klassischen Werbefeldern: Look, Smell, Hear, Taste und Touch. Von einer Verarmung der Sinne im heutigen Zeitalter kann keine Rede sein. Vielmehr entstehen in der Re-Kombination von Tradition und Technologie, von analog und digital, andauernd neue Sensationen.“ ![]()
Wer jetzt noch nicht genau weiß, um was es geht, der sollte schnellstens www.5gum-visionlab.de besuchen, denn Einsendeschluß für alle Kreativen und jungen Visionäre ist der 31. Mai.
In Einzelpräsentationen und Gruppenworkshops zu den fünf Sinnen werden die Moddesigner Eley Kishimoto, die Duftforscherin Sissel Tolaas, DJ und Produzent Ewan Pearson, die Köchin Telse Bus sowie die schwedische Designergruppe Front und als „Special Guest“ Scott Schuman, Fotograf aus New York dort dieses Thema bearbeiten. Außerdem findet auf dem 5 GUM Vision Lab ein Wettbewerb für Initiatoren von Projekten statt, die auf überraschende und visionäre Weise die fünf Sinne herausfordern. Zu gewinnen gibt es Workshops, Anregungen, Motivation und 10.000 Euro und, das darf nicht fehlen: eine gute Party. Letztere steigt am 25. Juni ab 22h im Berliner Club Weekend, u.a. mit DJ Ewan Pearson.

Und wieder ein neuer Versuch, dem Social Network etwas abzuringen. Eine Web-Serie namens „Wir sind grösser als GROSS“, real angesiedelt im klassischen Berlin-Musiker-Loser-Milieu, vercybert und verkauft bei und über MySpace. Und wie sollte es anders sein, es scheint besser zu werden. Man fängt an,neue Medien und neue Zielgruppen zu begreifen. Dass das so kommt, war doch klar. Also fragen wir mal nach, in diesem Fall bei Sven Miehe von der Grundy Ufa, die als erfahrener Serienproduzent auch hier ihre Finger im Spiel hat. ![]()
BLANK: Was unterscheidet eine Web-Serie wie „Wir sind größer als GROSS“ von einem TV-Format?
SVEN MIEHE: Bei einem Webformat hat man – noch – größere Freiheiten als bei einer Serie, die ausschließlich für das Fernsehen produziert wird. Wir können - was Dramaturgie und den Look der Serie angeht – experimentieren, weil wir noch nicht an Vorbildern gemessen werden. Ein zentraler Unterschied bei WsgaG (und den meisten anderen Webserien) ist natürlich die Länge der einzelnen Episoden. In 7 Minuten eine Geschichte zu etablieren, ist etwas anderes als in 25 Minuten. Bei unserer Serie ging es uns nicht so sehr um die perfekte Kameraeinstellung, sondern eher um die Frage: Wie erzählen wir den abgeranzten Kosmos unserer Protagonisten glaubwürdig und ohne dass wir sofort alles über die Figuren preisgeben?
BLANK: Welche Zielgruppe wird mit dem Format angesprochen?
SM: Im Grunde gehts in der Serie darum, einen Traum zu haben und ihn um jeden Preis verwirklichen zu wollen. Dass das häufig nicht klappt, weiß jeder von uns. Vor allem aber geht es in Wsgag um Musik und um Musiker. MySpace ist dafür natürlich die Plattform, die man haben will. Auch wenn wir schon jetzt sehen, dass unser Format dort in den Kommentaren durchaus nicht mit Samthandschuhen angefasst wird, glaube ich, dass fast jeder Musikfan unter 40 irgendwas mit unserer Sendung anfangen kann.
BLANK: Geht man von einer Wahrscheinlichkeit aus, ist die recht hoch, dass die Protagonisten der Serie bereits eigene, private MySpace-Profile hatten. Jetzt kommen die Profile ihrer Figuren hinzu. Inwieweit können die Protagonisten bei MySpace noch ihrer selbst sein? Oder ist das Verschwimmen der Grenzen sogar gewollt? Wurden die Schauspieler gar über MySpace entdeckt oder ging man da den herkömmlichen Weg über Agenturen und Castings?
SM: Das sind ja zwei verschiedene Fragen. Zunächst: Nicht alle unserer Darsteller hatten vor Drehbeginn ein eigenes MySpace-Profil, alle kannten jedoch die Social Community. Um die Grenzen zwischen Realität und Fiktion unscharf zu halten, gehen die Schauspieler keine „Freundschaften“ mit den von ihnen gespielten Rollen ein. Wenn dann mancher User glaubt, dass es „Lemmy“ und „Huhn“ wirklich gibt, soll uns das Recht sein. Entdeckt haben wir die Schauspieler allerdings nicht über MySpace, sondern ganz herkömmlich über Castings.
BLANK: Die heiklen Fragen: Wer finanziert das bzw. wie soll das künftig finanziert werden?
SM: Bis jetzt gibt es im Bereich Web-TV noch keine endgültigen Finanzierungsmodelle. Einen großen Anteil an der Finanzierung solcher Projekte haben aber natürlich Werbe- und Sponsorenvereinbarungen.
BLANK: Eine Elektro-Combo, bestehend aus den Protagonisten Lemmy und Huhn (siehe Bild), Berlin, MySpace – ist das jetzt einfach ein Klischee oder ist das die MySpace-Realität?
SM: Na ja, die Band „Größer als Gott“ ist ja nicht wirklich eine Elektro-Combo sondern eine etwas abwegige Schweinerockband mit Rhythmus aus einem dünn klingenden Drumcomputer. Auch wenn ich sicher bin, dass unsere Band irgendwann ganz groß rauskommt, hoffe ich, dass die Myspace-Realität zumindest in Sachen Musik erfolgversprechender ist als die durchaus bescheidenen Mittel unserer Protagonisten.
BLANK: Ist das Drehbuch fix oder interagiert die Serie mit den MySpace-Möglichkeiten und den Usern?
SM: Die zehn Folgen sind gedreht, die Folgen fertig – was unsere Figuren aber nicht davon abhalten wird, mit den Usern zu interagieren.
BLANK: Kann es eine Web-Serie, und wenn ja – mit welchen Vorrausetzungen, in das noch reguläre TV-Programm schaffen?
SM: „Wir sind größer als GROSS“ ist natürlich originär für MySpace produziert. Man müsste schon einige Änderung vornehmen, um dieses Format im Fernsehen ausstrahlen zu können. Dennoch kann ich mir die Sendung
inhaltlich wie von der Form auch gut im Fernsehen.
(Elmar Bracht)

Svenja Eckerts Bilder sind wie ein guter Song: einfach strukturiert, verständlich, mit Wiedererkennungswert versehen und bestenfalls noch zufällig entstanden, aus dem Moment, der Situation heraus. Quasi als Geschenk, das sich eher zufällig offenbart. ![]()
So treffen sich ihre Fotografien auch zwischen spontaner MySpace-Ästhetik, klassisch-inszeniertem Portrait und Snapshot. Der Mensch und seine Geschichte stehen dabei stets im Mittelpunkt von Sucher und Auslöser.
Die 29-jährige Svenja Eckert vermeidet in ihrer Fotografie das Angestrengte und Erzwungene, gibt sich lieber mit weniger zufrieden, als ihre Motive mit Opulenz zu überfrachten. Stets gewährt sie bei ihren Shootings Freiraum, lässt inszenieren und wartet geduldig auf die Momente, die das einlösen, was sie sich von ihren Bildern und den Motiven verspricht.
Zuletzt fotografierte sie für das jüngst eingestellte Berliner FACEMAGAZIN u.a. die Stuttgarter Eric Gauthier und Katja Bürkle, aber auch Indie-Bands wie I Might Be Wrong oder streitbare Persönlichkeiten wie Uschi Glas‘ Sohn Ben Tewaag oder den Böhsen Onkel Stephan Weidner. Dabei ist sie ganz unverdächtig, so legitimiert ihr künstlerischer Ansatz und Anspruch auch das vorbehaltlose Herangehen an Auftragsarbeiten wie diese. Desweiteren konnte man ihre Fotos auf und in CD- und Plattencovern, Plakaten, Büchern und auch Magazinen wie AMICA bestaunen.
Aktuell fotografiert sie für das BLANK Magazin. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit in den vergangenen zehn Jahren lag auf der Literatur- und Subkulturszene um den Lautsprecherverlag, Autoren und Künstlern wie Daniel Vujanic, Jan Off oder Philipp Schiemann. Aus dieser Zeit resultieren auch ihre Arbeiten als Herausgeberin junger, deutscher Literatur. Svenja Eckert lebt mit ihrem zweijährigen Sohn im Stuttgarter Westen.
Vernissage: Freitag, 20. Februar 2009, 19 Uhr
Ende: Freitag, 17. April 2009
Mo bis Fr 15:00 – 19:00 Uhr
Samstags 12:00 – 16:00 Uhr
Galerie Dora Asemwald / Bütique
Heusteigstraße 65
70180 Stuttgart

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