FASHION07.-11. JULI 2010

1973, 1958, 1943: Das sind die Geburtsjahre der Modewochen in Paris, Mailand und New York. Eine Ménage à trois, die mit steigendem Alter nichts von ihrer Anziehung verloren hat. Die Drei beweisen, dass in der Modebranche doch noch wertgeschätzt wird, was das 21. Lebensjahr überschritten hat. Dennoch muss sich auch hier um den Nachwuchs gekümmert werden und so sprießen seit einigen Jahren auf der ganzen Welt kleine Abkömmlinge der Damen hervor.
Die kommende Generation setzt weniger auf Glamour und Exklusivität, sondern sucht sich andere Nischen. Kunst und Design vor Human Interest. Für diesen adoleszenten Ablösungsprozess ist die Berliner Modewoche, Jahrgang 2007, allerdings noch etwas zu jung.
In Berlin wurde die letzten Jahre noch mehr gespielt als revolutioniert. Die Großen nachahmen und gleichzeitig erste eigenständige Gehversuche - irgendwo dazwischen befindet sich die Fashionweek.
Neben den üblichen Verdächtigen wie Laurel, Boss und Rena Lange sind auch neue Gesichter, wie Dawid Tomaszewski und nicht ganz so neue, wie Patrick Mohr, Lala Berlin und Starstyling dabei. Bei manch einem Namen stellt sich nur ein Fragezeichen ein. Bei der Vielzahl an Hinterhausateliers, die alleine in Berlin das Stadtbild prägen, muss sich gefragt werden warum die wirklich interessanten Shows abseits des Bebelplatzes stattfinden.
Ob es das Zirkuszelt ist, was die jungen Designer, wie Vladimir Karaleev oder Sasa Kovacevic abschreckt oder ob Berlin einfach doch nicht so weit vorne ist wie sein Ruf, dass will Blank, die kommenden Tage herausfinden und sagt:
Manege auf!
JULI 2010

Irrungen & Wirrungen vor der Show

Fließendes Satin und Seide auf dem Laufsteg
(Antonia Märzhäuser)
JULI 2010
Selten steckte so viel Bewegung in einer Show: spätestens mit Erstrahlen der den Laufsteg erhellenden Lampen war die Temperatur in der Halle der Off-Location Ressort auf gefühlte fünzig Grad angestiegen und alle, die zuvor bei einer Show oder Party waren, auf der Fächer das Goodie-Bag bereicherten (so z.B. bei Vogue im Borchardts), wedelten wie wild. Wer keinen Fächer hatte wedelte mit seiner Sitz- bzw. Stehplatzkarte oder mit einem Flyer oder seinem Hut. Passend jedoch die luftige und erfrischende Kollektion, fast schon fröhlich, heiter und lebensbejahend. Tragbar und funktionabel, schlicht, aber edel. Später in der Nacht spielte noch die Fashion-affine und Kostum-erprobte Band Bonaparte. Auch passend. Vielleicht einer der heimlichen Highlights dieser Fashion Week.
Mehr Bilder von der Show und ein kleiner Bericht finden sich hier.
(Elmar Bracht)
JULI 2010

Ungewohnt: Grafisch und bunt bei Allude
(Antonia Märzhäuser)
JULI 2010
Aus dem Tempodrom erreicht mich eine SMS: "Das Michalsky Publikum ist der Abschaum. Reich, stillos, fett." Dann hat man vielleicht alles richtig gemacht, denn irgend jemand muss den ganzen Spaß ja auch finanzieren. Vielleicht ist Michalsky gar nicht so menschenverachtend wie man meinen könnte. Mode setzt sich durch, von ganz Oben bis nach vermeintlich ganz Unten. Zumindest glauben wir daran. Und wir hoffen Michalsky macht das auch. Warum sonst über Mode berichten, in einer Zeit wie der diesen? Michalsky macht Mode verständlich und nimmt dafür ein großes Maß an Selbstverständnis seiner Klientel in Kauf. Er zeigt in Ansätzen die Möglichkeit von Kritik, doch mehr lässt der eigene Hedonismus nicht zu. Damit ist Michalsky (der Mensch, die Mode, das Marketing) für Karl Lagerfeld "das Symbol der Berliner Mode. Er repräsentiert den Zeitgeist der Stadt, den Humor der Stadt und hat ein Talent, was dort nötig war, um der Welt zu beweisen, dass Berlin eine Modestadt ist, mit der man rechnen muss. Bravo Michael!" (Grußwort KL zur StyleNite 2010).
Mehr über die Show von Michalsky u.a. beim Stern und audio-visuell von Glamour.de.
(Elmar Bracht)
JULI 2010

Vladimir Karaleev bei der top5 Show im WMF
(Antonia Märzhäuser)
JULI 2010

Amazonen und tropische Tierlaute bei Starstyling
(Antonia Märzhäuser)
JULI 2010
So ziemlich alles relevante über die Shows, die aktuellen Kollektionen, die Designer und den üblichen Tratsch und Klatsch der vergangenen Woche gibt es beim Modeblog LesMads.
Das Biest Berlin zur Fashion Week
(Elmar Bracht)
FASHIONRÜCKBLICK

Warum haben wir die schon so überbeanspruchte Metapher des Modezirkus gewählt? Zirkus im Kontext von Mode,
dass ist ungefähr so verbraucht wie Sarrazin im Kontext von Kopftuch.
Nicht ganz. Es gibt nämlich kein besseres Sinnbild, für das, was von Mittwoch bis Samstag auf dem Bebelplatz vor sich ging.
Zirkus, das ist für die kurze Zeit der Vorstellung ein geschlossenes System mit sehr vielen und sehr passiven Zuschauern, die sich zurücklehnen und auf ein wenig Zerstreuung warten, und mit einer kleinen Gruppe Artisten, die ihr Bestes geben, diese Erwartungen zu erfüllen. Die Artisten sind entweder sehr talentiert und schwingen sich auf Trapezen in schwindelerregende Höhen, oder aber sie sind sehr laut und bunt. Das kompensiert.
Der Modezirkus in Deutschland hat es bekanntlich schwer. Er wird weder als gewinnbringender, wirtschaftlicher Faktor, noch als Kunst verstanden und so muss eben gespart werden. Genau, nämlich an den Artisten. So wird von der eigentlichen Show abgelenkt und das funktioniert so: Man platziere möglichst viele weibliche B-Prominenz mit möglichst vielen Ex-Ehemännern kamerawirksam in der ersten Reihe. Der Rest funktioniert von alleine. Die Zuschauer bekommen ihre Show, vergessen warum sie eigentlich da waren und gehen satt und zufrieden nach hause.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage der Kausalität. Bekommt der Zirkus kein Geld, weil es ein zirkusunfreundliches Land ist oder weil es dem Zirkus schlichtweg an Können und Relevanz fehlt?
Hier muss man so fair sein und beachten, dass die Berliner Fashionweek nach wie vor noch in ihren Anfängen steckt. Es wurde sich bemüht, ein möglichst vielseitiges Programm aus etablierten und jungen Designern zusammenzustellen. Leider ist das nicht ganz gelungen. Die Etablierten sind nicht nur etabliert, sondern auch für eine Zielgruppe, die sich weitab der Dreißig befindet und maximal in München und angrenzenden Landkreisen für Aufregung sorgen. Die Designer der jüngeren Generation waren an der Hand abzulesen: Perret Schaad, Kaviar Gauche, Dawid Tomaszewski, Kilian Kerner und Starstyling.
Ein Hauch von Zukunft war da zu spüren, aber für wirkliche internationale Relevanz reicht das kaum aus. Berlin muss sich fragen, wo der Weg hingehen soll, ob die MBFW eine Art lokales Event bleibt, was in den nächsten Jahren weiter um sich selbst kreist oder ob es eine Art Sprungbrett für junge Designer wird, die dann ihre Koffer für Paris und New York packen. Diese Entwicklung darf nicht überstürzt werden, aber dennoch sollten die Ziele formuliert werden. "Wer überall ist, ist nirgendwo", das wusste schon Seneca und ist heute damit so aktuell, wie eh und je. Es gibt nur entweder oder. Entweder ich konzentriere mich auf das junge Potential, das ich in dieser Stadt habe, und verzichte dafür auf die Aufmerksamkeit von Galaleserinnen und Konsorten oder aber ich freue mich über Verena Kerth und Rolfe in der "first-row" und streiche dafür die modische Relevanz aus dem Programm.
(Antonia Märzhäuser)
Seit 1935 sind die von John Sperry designten Schuhe von den Booten dieser Welt nicht mehr wegzudenken. Doch mittlerweile sind diese Schuhe nicht mehr nur auf dem Wasser
zu finden, heute trägt man Schuhe von Sperry Top Sider auch auf der Straße.
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