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	<title>BLANK - Face your magazine &#187; Gesellschaft &amp; Medien // Nilz Bokelberg</title>
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	<description>Gesellschaft, Diskurs, Disko</description>
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		<title>Das Nähen</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Oct 2010 19:24:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Mario]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Medien // Nilz Bokelberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe eine erschreckende neue Leidenschaft entdeckt. Also, zumindest für mich war es erschreckend: Das Nähen. Und das kam so: Meine Tochter hatte Geburtstag. Mitten im Sommer (oder das, was man hier so nennt). Und vor kurzem hat sie sich dazu entschieden, seit neuestem Harry Potter Fan zu sein. Weswegen sie sich auch ein Hogwarts- [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe eine erschreckende neue Leidenschaft entdeckt. Also, zumindest für mich war es erschreckend: Das Nähen. Und das kam so:</p>
<p>Meine Tochter hatte Geburtstag. Mitten im Sommer (oder das, was man hier so nennt). Und vor kurzem hat sie sich dazu entschieden, seit neuestem Harry Potter Fan zu sein. Weswegen sie sich auch ein Hogwarts- Outfit zum Geburtstag wünschte, also so eine englische Schuluniform.</p>
<p><span id="more-43"></span>Gut, ihre Mutter hat es tatsächlich mit der ihr eigenen perfekten Stilsicherheit geschafft, ihr ein solches Outfit aus, mehr oder weniger, &#8220;normalen&#8221; Kollektionen bekannter Labels zusammenzustellen. Aber den Clou, den hatten wir noch nicht und das war der Umhang. Viele Kostüm- und Kinderläden später hatten wir die Gewissheit, den auch nicht einfach so kaufen zu können. Herrgott noch mal, warum musste das Mädchen auch Fan des Zauberers werden, wenn der gerade keine Saison hat? Wie soll man denn da an Merchandise kommen? Unsere Sucherei wurde mir zu bunt und ich beschloss ins nächste Kaufhaus zu fahren, bei den Schnittmustern nach einem Umhang zu gucken, den nötigen Stoff mitzunehmen und das Teil dann zu Hause an der Nähmaschine (ein Geschenk, das sie zu selten benutzt hat) selbst zusammenzuklöppeln. Meine Güte, ein Umhang! Wie schwer könnte das schon sein?</p>
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<p>Die Anleitung der Nähmaschine war nicht mehr aufzufinden. Meine Beste wusste zwar och wie man den Faden einspinnt, mehr haben wir aber erstmal nicht herausbekommen. Ein bisschen googeln und schon hatte ich die Anleitung als PDF auf meinem Bildschirm. So ließ sich doch schon mal arbeiten. Ich habe mich also eine gute Stunde lang mit der Maschine und ihren sämtlichen Knöpfen und Hebeln und Rädchen auseinandergesetzt. Dann war ich bereit. Meinte ich. Ich nahm ein Stück Stoff zum Probieren, legte es unter die Nadel und trat das Pedal. Die Maschine nahm Fahrt auf. Brummte, summte, und klumpte. Nämlich den Faden an einer Stelle des Stoffes. Ich war ja auch zu doof: Natürlich würde ich das Stoffstück weiter schieben müssen, damit der Faden sich eben nicht an nur einer Stelle sammelte. Aber egal, was ich auch tat: Diesem Fadenklump-Problem war nicht beizukommen, die Nähte wurden alle krumm und schief und das auch nur, wenn sie überhaupt Nähte wurden. Das war nämlich nicht immer der Fall. Somit war klar: Irgendwas stimmt hier nicht.</p>
<p>Die Stunden verstrichen. Erst eine, dann zwei, dann drei. Immer noch hatte ich die gleichen Probleme und ich war langsam bereit aufzugeben. Es hatte keinen Sinn, es würde nicht funktionieren. Nähen ist eben doch diese geheime Wissenschaft, mit der man sich erst superlang beschäftigen muss, bevor man da mal was ordentlich gebacken kriegt. Und dann war er da. Dieser klassische Moment. Wo plötzlich Engelschöre lautstark in die Ohren &#8220;Halleluja!&#8221; singen , so dass man fast einen Tinnitus bekommt. Der Himmel reißt auf und die paar Sonnenstrahlen, die am Start sind, treffen nur auf einen selbst. Denn ich hatte folgenden Gedanken: &#8220;Was ist eigentlich mit diesem Hebel hier hinten?&#8221; Der Hebe setzte natürlich die Nadel bzw. den Schlitten um die Nadel auf den Stoff, fixierte diesen und sorgte auch dafür, dass die kleinen Rädchen unter dem Stoff diesen in einer gleichmäßigen Bewegung weiter transportierten. Plötzlich war alles klar, war alles logisch. Es war zwar super spät, aber jetzt hatte mich mein Ehrgeiz gepackt. Der Umhang wurde genäht. Mit Kragen und allem PiPaPo. Und seitdem , man verzeihe mir diesen zwar recht flachen, aber eben auch äußerst treffenden Wortwitz, hänge ich an der Nadel. Ich liege in meinem Bett und denke mir Schnittmuster aus. Ich begutachte Kleidungsstücke von mir genauestens, gucke mir die Nähte von Jute-Taschen an, liege gemütlich im Bett und google Schnittmuster. Und wenn mir was gefällt, dann probiere ich es eben aus. Ich war sogar schon in der Stoffabteilung vom Karstadt und habe mir Stoffe ausgesucht und gekauft. Die älteren Damen haben mich ein bisschen verstört angesehen. Als wenn ich in ihr Revier eindringen würde. Ich hatte schon ein bisschen Angst, im Vorrübergehen vielleicht die ein oder andere Stricknadel in den Rücken gerammt zu bekommen. Auch die Verkäuferin, die mir den Stoff ja von den Ballen schneiden musste, hat mich von oben bis unten gemustert und schräg angesehen. Ich sage euch: Das Näh- Business ist ein hartes Pflaster. Ich habe schon zwischen finsteren Gestalten in den übelsten Ecken irgendwelcher Grossstädte gestanden und mir überlegt, wie ich von dort wieder wegkommen würde (und vor allem: ob?), aber nirgends wehte ein so eisiger Wind, wie in einer Abteilung, in der Männer höchstens als Träger auftauchen. Ich hatte mich hier weit in ein unbekanntes Terrain vorgewagt. Ich muss jetzt aufpassen. So jemand wie ich, der ist hier nicht nur nicht erwünscht, sondern auch noch äußerst verdächtig.</p>
<img src="http://www.blank-magazin.de/images/2010/verschlimmbessern/naehen_02.jpg" alt="niels_02" width="550" height="413" />
<p>Eine berechtigte Frage ist natürlich: Wie konnte es überhaupt so weit kommen. Warum nähe ich jetzt so viel? Was hat das in mir ausgelöst? Nur dieses Aha-Erlebnis? Oder steckt da mehr dahinter? Ambitionierte Küchentischpsychologen (wobei ich ja der Meinung bin, gerade da Sprache ja etwas sehr lebendiges ist, dass man den Terminus doch mal so langsam eher auf &#8220;Coffeetable-Psychologe&#8221; umändern sollte. Denn das ist doch der Ort, im ironisch eingerichteten Wohnzimmer, wo heute die Laien-Analysen der Psyche des Freundes stattfinden und nicht mehr an diesem veralteten Bild einer Öko-WG, die erstmal die Ausgaben der Woche am Küchentisch beim veganen Essen ausdiskutieren muss, bevor sie anfangen, ihren Streit nicht als solchen zu führen, sondern den jeweils anderen total zu psychologisieren, indem sie ihm beispielsweise vorwerfen, ein Problem mit der Länge seines Penisses zu haben, weil er Sätze formulieren würde, die kein Ende fänden, was der beschuldigte zwar vehement von sich weisen wird und muss, was aber allgemein nur als Bestätigung der eigenen kruden These gelesen wird, was wiederum, um das hier einmal in aller Deutlichkeit abschließend zu klären, natürlich vollkommener Quastch ist, weil auch Freunde der Formulierung scheinbar nie enden wollender Sätze (vor allem in Klammern!), dennoch in den seltensten Fällen ein Problem mit ihrem Glied haben dürften.) werden an dieser Stelle eine frühkindliche Prägung vermuten. Was zwar stimmt, weil meine Mutter immer recht viel und gerne genäht hat, aber mich das natürlich noch lange nicht zum Nachahmen verleitet haben muss. Auch meine Schwester, eine ausgebildete Schneiderin, ist nicht der Grund für meine neu entdeckte Leidenschaft. Nein, die Begründing ist so doof, wie simpel, wie vorhersehbar:</p>
<p>Ich habe aufgehört zu rauchen.</p>
<p>Für mich auf alle Fälle ein &#8220;Big Deal&#8221;, weil ich am Tag so um die zwei Schachteln geraucht habe. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht irgendwann wieder anfangen werde, aber im Moment bin ich es erstmal los. Dafür habe ich keinen Alan Carr gebraucht, keine Nikotinpflaster oder sonstiges Gedöns. Auch von dem Vorschlag, erst langsam zu reduzieren und dann aufzuhören, hab ich nichts gehalten, denn mal ehrlich: Wie soll man das denn schaffen? Zack, aufhören und gut ist. Klar, ich war die ersten zwei Wochen gut gereizt, einen Zustand, den ich von mir so gut wie gar nicht kenne, aber es ging. Zum Glück hatte ich die ersten Tage direkt so sinnvolle Aufgaben wie einen siebentürigen Ikea-Schrank aufzubauen. Das war ein guter Energie- Katalysator. Aber als der Schrank stand, da ging&#8217;s dann los. Ich brauchte eine andere Beschäftigung. Ich fing an, meinen Entzug aufzuschreiben, aber schreiben alleine ist kein toller Ersatz. Für nix. Dann fand ich plötzlich die Rettung: Pfefferminzbonbons. Weil man die lutscht und danach ein &#8220;anderes&#8221; Halsgefühl hat, ähnlich also zum Rauchen. Aber, das mag keine gesundheits-wissenschaftliche Sensation sein, dennoch möchte ich es noch mal aus meiner eigenen Erfahrung mitteilen: Eine ganze Packung Pfefferminzbonbons am Tag scheinen irgendwie nicht so gut zu tun. Schon allein verdauungstechnisch ist das nicht der wahre Jakob. Also musste ich mich auch schnell von dieser Ersatzbefriedigung entwöhnen. Und so hangelt man sich von Entwöhnung zu Entwöhnung.</p>
<img src="http://www.blank-magazin.de/images/2010/verschlimmbessern/naehen_03.jpg" alt="niels_03" width="550" height="413" />
<p>Mein Bruder hat mir, einen Monat nach meiner letzten Zigarette, auch noch ein super Geschenk gemacht: Ein microKorg, so ein kleines Keyboard, das ich auch als Midi-Keyboard für den Computer benutzen kann. Denn mit der ganzen Zeit, die ich plötzlich habe, um nicht zum Rauchen vor die Tür zu gehen, kann man ja durchaus was Konstruktives anstellen. Und da war die nahe liegendste Idee erstmal: Musik. Übrigens, das sei noch am Rande erwähnt, ist das auch relativ gerissen, einem so etwas nach einem Monat zu schenken, weil man das immer vor sich hat und ermahnt wird, nicht wieder anzufangen. Das funktioniert als zusätzliches Druckmittel ganz gut. Ich habe auch schon ein paar kleine Liedchen komponiert. Macht Spaß. Wirklich. Ist aber nicht Abendfüllend. Noch nicht.</p>
<p>Und da schließt sich der Kreis: Ich kann stundenlang in dem kleinen Gästezimmer sitzen und mich auf die Maschine und die Probleme konzentrieren, was passiert wenn ich was wie zusammennähe. Wo muss die Naht hin? Was ist innen und was ist außen? Und das allerbeste dabei: Bei den Sachen, die da rauskommen, freuen sich immer alle. Also, wenn die Sachen rauskommen, die rauskommen sollen. Die anderen kriegt keiner zu sehen. Die bleiben geheime Experimente von mir. Wie zum Beispiel den Kreis, den ich neulich genäht habe, der am Ende nicht mal rund war, sondern eher ein Oktagon oder so. Und das ist das coolste am nähen, warum ich das nur jedem Typen empfehlen kann, die Nähmaschine zu okkupieren: Wenn man es richtig macht und auch das falsch machen richtig macht: Dann fühlt man sich wie ein verrückter aber genialer Wissenschaftler. Har Har Har! Lebe, Oktagon, LEBE!</p>
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		<title>Ommwriter</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Mar 2010 08:10:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Medien // Nilz Bokelberg]]></category>
		<category><![CDATA[Nilz Bokelberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Das hier soll mein erster Text werden, den ich mit dem sogenannten &#8220;Ommwriter&#8221; schreibe. Ein Textprogramm für den Mac, das ich erst vor kurzem entdeckt habe, weil jemand auf seiner Facebookwall darauf hingewiesen hat. Das Besondere an diesem Textprogramm ist die Reduzierung auf einen Hauch von nichts. Ich hab keine 5000 klickbaren Möglichkeiten, sondern ein [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das hier soll mein erster Text werden, den ich mit dem sogenannten &#8220;Ommwriter&#8221; schreibe. Ein Textprogramm für den Mac, das ich erst vor kurzem entdeckt habe, weil jemand auf seiner Facebookwall darauf hingewiesen hat. Das Besondere an diesem Textprogramm ist die Reduzierung auf einen Hauch von nichts. Ich hab keine 5000 klickbaren Möglichkeiten, sondern ein ganz weißes Bild als Hintergrund, mit zwei Bäumen im Schnee/Nebel und dazu gibt es eine Art Ambient-Musikuntermalung, die nicht ablenkt, sondern noch mehr beim Fokussieren helfen soll. Sobald ich die Maus bewege, erscheint um den Text herum ein eher rudimentäres Menü, in dem ich aus drei Fonts, einigen anderen Hintergründen und weiteren Audiotracks auswählen kann. Das ist alles. Und das lustigste daran ist eigentlich: Es scheint, als hätte man auf so was nur gewartet.</p>
<p><span id="more-406"></span></p>
<p>Mit der Konzentration ist das ja so eine Sache heutzutage: Überall wird sie verlangt und erwartet. Und je mehr Wert drauf gelegt wird, desto irrsinniger erscheint es mir. Also, nicht dass ich jetzt irgendwie Opfer einer späten Diagnose der Fantasy-Krankheit ADS werde, so ist es nicht. Es fällt mir unter gegebenen Umständen nicht schwer, mich zu konzentrieren. Aber ich finde, man muss damit haushalten, weil jeder Scheiß nach Aufmerksamkeit schreit. Plakate mit Bluetoothgedöns, Fernsehshows mit Twitter-Account, Bands mit Kostümen und Spektakel. Das kann und will ich mir nicht alles gleichzeitig antun. Andererseits gibt es genug Momente, in denen ich mich freiwillig, vielleicht sogar sehr gewollt und forciert einem Medienoverkill aussetze. Zum Beispiel wenn ich am Computer arbeite (oder eben nicht arbeite) und dazu auf dem Fernseher die DVD der Alf-Staffel laufen lasse, meine Konsole angelassen habe und das Spiel bloß auf Pause gestellt hatte, woran mich das blinkende Licht auf dem Controller mahnend erinnert, das Handheld liegt zugeklappt neben mir auf dem Nachttisch, mein Handy signalisiert Empfangsbereitschaft und der Stapel Comics neben mir liest sich auch nicht von alleine. Das ist schon eine Menge Information, die man da zu managen hat. Ich weiß nicht, ob das den meisten so geht, oder ob das ein Problem von mir ist. Was ich aber weiß, ist, wer daran schuld ist: Frank Elstner.<br />
Moment mal, DER Frank Elstner? Ja und ja und nochmals ja. Meines Erachtens war Elstner der Erste, der uns Zuschauern so etwas wie crossmediales Multitasking abverlangt hat. Der Erfolg hat ihm zwar in dem speziellen Fall leider nicht Recht gegeben, aber wer erinnert sich nicht noch an „Nase vorn“, auch wenn es ein Flop war? Da musste man doch die ganze Sendung über achtsam sein, weil man an gewissen Stellen irgendwas auf der speziellen „Nase Vorn“-Rubbelkarte (die es, wenn ich mich recht entsinne, nur in der „Hör ZU“ gab) freirubbeln musste. Und daraus sollte sich dann wohl eine Telefonnummer ergeben, die man dann anzurufen hatte, wenn sie komplett war und schon hatte man gewonnen. Oder werfe ich das gerade mit irgendwas anderem durcheinander?</p>
<p>Überhaupt: Ich kann mich an gewagte Fernsehexperimente aus meiner Jugendzeit erinnern, die dann immer weniger wurden und weniger und weniger. Nehmen wir mal „Verstehen Sie Spaß?“. Die hatten ja als Maskottchen damals den „Spaßvogel“, ein Cartoonhuhn, das so ein bisschen gewollt ulkig aussah. Vom Spaßvogel gab es später auch Hörspielkassetten, eine hatte ich und die hatte ein wirklich bescheuertes Titellied, das ging:</p>
<p>„Knapper, knapper, schubidubidapper, schubduwah und Gänseklein. Knapper, knapper, schubidubidapper – ein bisschen Stretch muss sein.“</p>
<p>Ein bisschen „Stretch“? Das sollte „Stress“ im komischen Spaßvogeldialekt bedeuten. Das alleine war schon sehr seltsam, aber dann noch die eigentliche Aussage, dass ein bisschen Stress sein müsse&#8230; Das hab ich schon als Kind nicht kapiert und das verstehe ich heute, rückblickend, auch immer noch nicht. Warum, bitte schön, muss Stress, und wenn es auch nur ein bisschen ist, sein? Und warum sagt das ausgerechnet der SPASSvogel? Das hat irgendwie nicht zusammengepasst. Was ich damals für seltsame Hörspiele hatte. Ich hatte zwei Platten von Yps, die waren schon komisch erzählt, aber die Platte namens „Mopsi Mops“ toppte wirklich alles: Es ging darum, dass in einer Welt, in der alle Hunde sind, ein verrückt-genialer Wissenschaftler eine Strahlenpistole erfunden hat, die diejenigen, die man damit beschoss, einmal komplett umkrempelte. Literally. Das heißt alle Gedärme und so was kamen nach außen und Haare und der ganze Kladderadatsch gingen nach innen. Wohlgemerkt: Es handelte sich hierbei um ein lustiges Kinderhörspiel! Da gab es diese Szene mit dieser Opernsängerin, die immer alle genervt hat mit ihrem Gesang und die wurde dann beschossen und das Singen ging über in ein Gurgeln, begleitet von so Matschgeräuschen. Das werd ich nie vergessen. Nun, ich fand das ehrlich gesagt auch nicht besonders gruselig (obwohl ich immer ein ängstliches Kind war), aber wirklich lustig fand ich es auch nicht. Ich habe dem immer zugehört mit einer gewissen Faszination. Vermutlich war das der Grundstein dafür, dass ich mir auch heute noch mit der gleichen Art von Faszination schlechte Fernsehsendungen angucke.</p>
<p>Es gab aber natürlich auch positive Beispiele merkwürdiger Hörspiele, wie zum Beispiel die beiden von Henning Venske: „Als die Autos rückwärts fuhren“ und „Krawumm“. In ersterem geht es um einen Jungen, der auf den Namen „Lass das Pinöckel Superstar“ hört (und der denkt, dass „Lass das“ sein Name sei, weil ihm seine Eltern das schon von Klein auf immer gesagt haben), wohingegen das andere eher so eine Art Collage ist, mit kurzen Sketchen, in denen zum Beispiel die Kinder das sagen, was die Eltern immer sagen und umgekehrt und dazwischen kommen immer Lieder. Einer der Songs, der von den Eltern gesungen wird, geht beispielsweise so:</p>
<p>„Arbeit verrichten.<br />
Wir leisten uns nichts&#8230;<br />
Und du? Und du? Und DUUUHUUU?<br />
Unser Sohn<br />
liegt faul<br />
auf dem Sofa&#8230;<br />
Grins nicht, dummer Bengel,<br />
was hast du dir dabei gedacht?<br />
Du bist alles andere,<br />
als ein Sohn der Freude macht.“</p>
<p>Das atmet natürlich den Hauch des rebellischen, der anti-autoritären Kinderläden, des Kampfes der Kinder gegen das Establishment. Die Platte ist ja auch damals beim Label „Pläne“ erschienen, die sonst hauptsächlich Hannes Wader, Degenhardt und wie sie alle heißen, veröffentlichten, der Eindruck ist also nicht ganz verkehrt. Abgesehen davon, dass Wader selbst auch noch ein Lied zu „Krawumm“ beigesteuert hat, das „Ich hab keine Lust“ heißt und aus lauter „Zwangsreimen“ besteht. Ein Beispiel:</p>
<p>„Ich hab keine Lust, ich hab keine Lust<br />
ich hab wirklich keine Lust…<br />
Steig ich morgens aus der Falle,<br />
geht’s gleich los mit voller Palle.<br />
Du musst dir noch das Hälschen<br />
waschen,<br />
Gesund ist’s, einmal kalt zu daschen.<br />
Wie kannst du hier so ruhig sitzen?<br />
Du musst dir noch die Zähne pitzen&#8230;“</p>
<p>Und so weiter. Das war wirklich eine super Anti-Platte für Kinder. Ich hab mir die mit meinem besten Freund immer aus der Stadtbibliothek geliehen und wir haben die rauf und runter gehört. Ein großartiges Werk. Kann ich noch heute fast auswendig mitsprechen. Was daran noch so cool war: Wenn wir eine Familientour im Auto gemacht haben, hab ich die Kassette irgendwann eingelegt und auch meine älteren Geschwister fanden die lustig. Das war ein nicht zu unterschätzender Bonus, war meine Familie doch sonst eher genervt, wenn ich wieder „Benjamin Blümchen trifft Bibi Blocksberg“ übers Autoradio hören wollte. (Was im übrigen dazu führte, dass sie mir sehr früh einen eigenen Walkman zu Weihnachten schenkten… mit Auto-Reverse!)<br />
Aber, oh, ich bin ein bisschen vom Thema abgekommen. Also der Spaßvogel: Bei „Verstehen Sie Spaß?“ war das Zuschauerspiel dann nämlich so, dass immer gesagt wurde: „Nun fährt ein Auto mit dem Spaßvogel auf dem Dach irgendwo durch Deutschland und wenn Sie das sehen, dann rufen Sie die Nummer an, die auf dem Auto steht und dann werden Sie zu uns in den Saal durchgestellt und haben etwas gewonnen!“ Nun waren mir als Kind einige Dinge schon klar und dennoch: Ich habe mir immer vorgestellt, dass da der animierte Vogel auf dem Auto sitzt, auch wenn ich mir nicht so richtig erklären konnte, wie das gehen soll. Das Auto wurde nämlich nie gezeigt. Und so sprang ich immer auf und rannte zu unserer Haustür und hielt Ausschau. In einer Siedlung in der Nähe von Köln. Klar. Da fährt das Auto ja auch nachts durch die unbelebten Straßen. Egal, ich habe die Hoffnung trotzdem nicht aufgegeben, dass es irgendwann einmal vorbei kommt. Was es, natürlich, nie tat.</p>
<p>Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass es ein einziges Mal einen Krimi gab, der gleichzeitig auf ARD und ZDF lief, der aber zwei verschiedene Hauptcharaktere hatte. Man konnte aber, wenn die sich trafen, hin und her schalten und sah dann das Geschehen aus der jeweils anderen Perspektive. Wahnsinn! Warum wurde das nicht öfter gemacht? Oder diese komische, österreichische Märchensendung im Zweiten, zu der man ein ganzes Heft brauchte, um bei allen Spielen mitzumachen. Wie hab ich mir dieses Heft gewünscht. Aber auch hier: Nie bekommen.</p>
<p>Und deswegen sind die alle schuld, dass ich heutzutage versuche, 27 Dinge auf einmal wahrzunehmen. Ich möchte eben kein Heft verpassen, keine Rubbelkarte und erst recht nicht das Auto mit dem Spaßvogel auf dem Dach. Und jetzt Parker Lewis DVD angemacht, iTunes öffnen und auf Shuffle stellen, Toast in den Toaster, meine beste Freundin anrufen, „Brütal Legend“ starten, Textverarbeitung auf, Mails checken, einen Tweet formulieren, einkaufen gehen, meine Jacke zum Schneider bringen, Zigarette an und die DC-Hefte aufs Klo bringen: Ich versuche hier schließlich, mich zu konzentrieren!</p>
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		<title>Verstehe ich nicht</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 08:13:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Medien // Nilz Bokelberg]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich komme langsam in ein Alter, wo man gewisse Dinge, die junge Menschen begeistern, nicht mehr so recht nachvollziehen kann. Und andere dafür umso mehr. Meine Tochter zum Beispiel ist High School Musical Fan. Und auch ein bisschen Hannah Montana. Das kann ich verstehen. Ihr hättet mal sehen sollen wie stolz ich war, als ich [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich komme langsam in ein Alter, wo man gewisse Dinge, die junge Menschen begeistern, nicht mehr so recht nachvollziehen kann. Und andere dafür umso mehr. Meine Tochter zum Beispiel ist High School Musical Fan. Und auch ein bisschen Hannah Montana. Das kann ich verstehen. Ihr hättet mal sehen sollen wie stolz ich war, als ich ihr damals den Soundtrack zum ersten HSM geschenkt habe und sie sich in ihr Zimmer eingeschlossen hat (zum ersten Mal). Da stand sie dann vor dem Spiegel und hat die Songs mitgesungen, dazu getanzt und gehüpft. <span id="more-409"></span>Gut, wir mussten die Songs dann immer und überall hören. Sie tönten aus ihrem Zimmer, zu jeder Zeit, im Auto wollte sie auch immer nur die Lieder hören und dieses Phänomen erstreckt sich selbstverständlich auch auf Teil 2 und 3. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, alle drei Soundtracks so ziemlich im Schlaf mitsingen zu können. Eher unfreiwillig, aber: Das hat mich daran erinnert, als ich zu Weihnachten im Alter von 6 Jahren die „Thriller“ von Michael Jackson geschenkt bekommen habe. Da ging das nämlich genauso. Ich in mein Zimmer und tagelang nix anderes mehr gehört. „The Girl is mine“ war dabei mein Lieblingslied. Vermutlich ist das auch daran schuld, dass noch heute „I´m a lover, not a fighter“ meine Lebensmaxime ist.</p>
<p>Wie auch immer: Ich kann verstehen, dass Pop auch nach Jahren nichts von seiner Anziehungskraft verliert. Warum sollte er auch. Pop glänzt, strahlt, ist so eine Art heiliger Gral. Transportiert alles, was man ihm aufladen will. Ich hab auch kein Problem damit, dass Kids Lady Gaga gut finden, die ist mir als Role Model gefühlte 6 Milliarden Mal lieber als eine Mariah Carey oder eine Celine Dion. Gut, ich glaube nicht, dass die jemals als Role Model in Frage kam, aber man muss ja auch ein bisschen zuspitzen. Mir ist die auch lieber als Christina Aguilera. Und als Madonna(heute). Ich finde eh, es sollte sich eine neue Schreibweise etablieren. Wenn man von Madonna spricht, sollte man immer schreiben Madonna(heute) oder eben Madonna(damals), das ist nämlich ein eklatanter Unterschied. Damals: Ein pfiffiges Pop-Produkt, ebenso sexy, wie hookig, wie innovativ, wie genial. Heute: Ein altes Pop-Produkt, ebenso alt, wie alt, wie alt, wie alt. „Geh von der Bühne runter, alte Frau mit viel zu trainierten Oberarmen, hier kommt deine Ablösung!“, ist zumindest der Satz, den ich mir immer von Lady Gaga zu Madonna(heute) rufend vorstelle. Ob sie wirklich eine Ablösung ist? Keine Ahnung. Wäre ich Wahrsager, wäre ich in der Musikindustrie. Oder nee, lieber doch nicht. Dann wäre ja Dieter Gorny mein Sprachrohr.</p>
<p>Wie gesagt: Das kommt alles noch in den Ordner, auf den ich mit Edding fett „Verstehe ich“ geschrieben habe. Aber daneben steht einer, da war früher vielleicht mal ein Blatt drin, aber der hat sich über die letzten Jahre beständig mit Notizen gefüllt. Und da steht eben fett „Verstehe ich nicht“ drauf, dreimal unterstrichen.<br />
Auf einem Blatt steht einfach nur dick geschrieben: Slam Poetry. Ich gebe zu, anfangs eine gewisse Faszination für das Thema gehabt zu haben. Ich fand diesen „unverkrampften Umgang mit unserer Sprache“ (das schreiben Feuilletonisten doch immer so, wenn die über Slam Poetry schreiben, oder?) ganz spannend und originell. Dann hab ich mir das ein bisschen mehr angeguckt und gehört und mittlerweile muss ich ihnen zurufen: Okay! Es ist gut! Ich glaube wir haben jetzt alle Alliterationen, die das Alphabet anbietet, durch! Geht weiter oder hört auf, aber das muss ich nicht mehr haben. Überhaupt: Dieses gestresst durch einen Text hetzen, nur um zu zeigen, dass man gestresst durch einen Text hetzen kann, das kann ich nicht mehr hören. Das bleibt dann auch inhaltlich immer gleich. Mal ein bisschen Politik, am besten gewürzt mit einer Prise Alltagsbeobachtungen, wie die Oma, die in den Bus steigt (Oma Ornella ordnet obsolete Obuli offensichtlich obrigkeitshörig ornithologisch. Oder so.), fertig ist der Gewinnertext des Lübecker Lokal-Slams, der dann auch bei den Niedersächsischen Meisterschaften antreten darf. Vereinsmeierei trifft den Wunsch nach Literatur. Und das am besten kneipenkompatibel. Nein, nicht mit mir. Da habe ich vermutlich über die Jahre einen eher inhaltlichen Anspruch entwickelt, der meiner Begeisterung für Slams diametral entgegen gesetzt verläuft.</p>
<p>Was ich auch nicht verstehe: Comedy. Also, ich verstehe sie schon ein Stück weit, aber ich weiß nicht, warum das alles so mittelmäßig sein muss, wenn man sich schon an amerikanischen Vorbildern orientiert. Ich war, jedes Mal wenn ich in USA war, immer abends in Stand-Up Clubs und was ich da von absoluten NoNames geboten bekommen habe, war mehr Talent für Witze und Punchlines im kleinen Finger als eine Cindy aus Marzahn in ihrem ganzen Körper haben könnte. Die Sender wundern sich, dass die drölfte Sketchshow, die nichts anderes bietet als unbekannte Gesichter, nicht funktioniert. Man möchte ja gerne Comedy machen, man weiß nur eben nicht wie. Dabei habe ich einen exklusiven Tipp, den ich jetzt hier mit euch teile. Behaltet das bitte für euch, nicht weitersagen, streng exklusives Geheimwissen, aber ich weiß ja, dass ich euch vertrauen kann, also: Mein Ratschlag, um Comedyformate zu retten, lautet: Macht was Lustiges! Aber Pssssst! Geheim! Wobei, das ist unfair. Es gibt sehr lustige Menschen in Deutschland, die auch auftreten. Nur werden die eben lautstärkenmäßig von den Barths und Pochers dieser Welt übertönt.</p>
<p>Nun, für was kann sich ein junger Mensch heute sonst noch so begeistern? Hello Kitty auch nach Beenden der Schullaufbahn noch cool finden? Nun ja, muss ich nicht verstehen. Andererseits: Ich würde mir auch noch originalverpackte Masters-of-the-Universe-Figuren ins Zimmer stellen. Aber ich hab ja auch eine Geschichte mit denen. Während es von Hello Kitty noch nicht mal einen offiziellen Club gab, in dem man Mitglied werden konnte und der einen dazu anhielt, Gutes zu tun. Das gab es nämlich von He-Man. Ich habe dahin geschrieben und die haben mir super viel Infomaterial zukommen lassen und dazu geschrieben, man solle als Masters-Clubmitglied Gutes tun und Protokoll darüber führen, wo die Gruppe heute wieder Gutes getan hätte und sich dann selbst Abzeichen dafür verleihen, die als Sticker dem Brief beilagen. Und wenn man ein volles „Gute-Taten-Journal“ hatte, dann konnte man das denen einschicken und hat dafür eine ominöse Überraschung bekommen. Nun, meine kriminelle Energie war schon in jungen Jahren viel zu gering ausgeprägt und ich wollte dem Vertrauensvorschuss, den ich von Mattel bekam, alle Ehre erweisen und keine Taten erfinden. Nun gestaltete sich die Akquise von Teammitgliedern schon schwierig genug. Mein bester Freund spielte lieber mit seinen Massen an Star-Wars-Figuren, und wollte sich mit Man-At-Arms und Orku nicht abgeben und in meiner Klasse sah es mit Teammitgliedern, die an einer ernsthaften Ausführung eines solchen Clubs interessiert waren, auch eher mau aus. So saß ich also oft in meinem Zimmer und betrachtete die Bögen mit nie-verliehenen Belohnungsstickern traurig, bevor ich sie wieder in der Aufkleberkiste verschwinden ließ. Ich bekam auch noch einige Male das Clubmagazin zugeschickt, aber da ich nie zurückschrieb (ich hätte so gerne, aber was hätte ich ihnen sagen können?!?!), schlief das auch bald ein. Vielleicht haben sie auch einfach nur diese schwachsinnige Kundenbindungsaktion beendet. Ich gehe nicht davon aus, dass eine Pfadfinder-Ripoff-Organisation auf Freiwilligen-Basis von großem Erfolg gekrönt war. Nicht mal bei der Macht von Greyskull. Aber um es kurz zu machen: All das, so sinnlos die Versuche auch gewesen sein mögen, gab es von Hello Kitty nie. So.</p>
<p>Ich war danach noch im Drei???-Detektiv-Club. Da hat man eigentlich nicht viel mehr bekommen als eine, wie eine Zeitung aufgemachte, Neuigkeiten-Postille, in der stand, welche neuen Bücher es um Justus, Peter und Bob zu kaufen gäbe. Von geheimen Aufträgen, Rätseln, die es zu knacken galt oder sonstigem Inhalt, der einem das Gefühl hätte geben können, ein richtiger Detektiv zu sein keine Spur. Damit war für mich eine offizielle Clubzugehörigkeit erstmal beendet und ich tat das einzig Richtige in der Situation, was jeder andere auch getan hätte: Ich gründete ein Detektivbüro. Das Schild mit Filzstift war schnell gemalt und an meiner Zimmertür befestigt. Schmissig stand da: „DSUDS – Ermittlungen aller Art – Keine Ehefälle“. Und tatsächlich überraschend bekam ich zum folgenden Geburtstag ein Hammergeschenk: Edle, geprägte, echte Visitenkarten für unsere Detektei. Der gleiche Text wie auf dem Schild, nur noch mit Adresse von mir und meinem Partner ergänzt, inklusive Telefonnummern. Jetzt waren wir echte Detektive. Dabei hatten wir zwei große Fälle in unserer Ermittlungskarriere:</p>
<p>Erster Fall: Die Frau am Fenster. Möglichst unauffällig streiften wir durch unsere Siedlung und guckten, ob es Fälle zu lösen galt. Lupe, Fingerabdruckpulver, Detektivset, alles hatten wir dabei. In einer kleinen Straße mit mehreren Bungalows fiel sie uns dann aus dem Augenwinkel auf: Eine Frau hatte uns beobachtet. Sofort wurden erste Maßnahmen eingeleitet und wir versteckten uns hinter dem Gebüsch der Nachbarn, um zu beobachten, ob die geheimnisvolle Frau etwas im Schilde führte. Von unserem, vermutlich unüberhörbarem, konspirativem Gewisper aufgeschreckt, blickte sie noch mal durch die Häkelgardine nach draußen. DA! Sie guckte schon wieder! Die musste doch ein schlechtes Gewissen haben! Sofort notierte ich unsere Beobachtung. So ging das den ganzen Nachmittag. Sie guckte, wir guckten. Irgendwann wurde es ihr wohl zu blöd und sie kam raus, um uns zu verscheuchen. Wir gingen, taten als ob nichts wäre, aber uns war klar: Die führt was im Schilde. Wir beobachteten sie noch einige Male, aber wir fanden nichts weiteres heraus, bis wir den Fall dann eines Tages zu den Akten legten.</p>
<p>Zweiter Fall: In unserer Nähe war eine bekannte Kiesgrube. Mit einem kleinen, etwas entlegenen Plätzchen, wo immer Lagerfeuer gemacht wurden. Mehr oder weniger illegal. Und was fanden wir dort eines Tages? Ausweispapiere! Führerschein, Reisepass, Perso. Alles von einer Frau. Wir brachten sie nach Hause, um mit unseren Vorgesetzten (unsere Eltern) das weitere Vorgehen zu besprechen. Sie fanden die Nummer der Frau über die Auskunft heraus, riefen sie an und sie kam, um sich ihre Papiere abzuholen. Überglücklich. Wir bekamen sogar eine Belohnung von 10 Mark pro Kopf. Welche wir erstmal geschickt anlegten: In Figuren und Fahrzeuge von „Mask“. Mit dem Start der Mask-Sammlung schlief dann auch unser aufklärerisches Engagement ein. „DSUDS“ schloss seine Pforten. Übrigens: Der Name war eine Abkürzung für „Der Schnelle und der Schlaue“. Super Team-Name.</p>
<p>Gründen junge Menschen heutzutage noch Detekteien? Oder ist alles so, wie es Kulturpessimisten immer behaupten, nur noch Spongebob, Manga und Disney? Nun, aus eigener Erfahrung, ich kann euch beruhigen. Erst gestern wurde ich von meiner Tochter, 8, in einen im Wohnzimmer aufgebauten Freizeitpark eingeladen, das Lieblingskuscheltier hat mir dabei meine Eintrittskarte verkauft. Einzig irritierend war der Name des Parks: „Die Fünf-Euro-Schein-Welt“, weil man da alles mit eben diesen Scheinen bezahlen sollte. Toll, was die heutzutage so alles lernen. Und Fünf-Euro-Scheine können selbst mich als Erwachsenen genauso begeistern wie sie.</p>
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		<title>Das Netz</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Aug 2009 07:57:25 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Gesellschaft & Medien // Nilz Bokelberg]]></category>
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		<description><![CDATA[„Fragmentierte Teilidentitätsdarstellung mit Ehrlichkeitsanspruch“, nennt sie das. Schon lange hat kein Mädchen mehr so was sexies zu mir gesagt. Ich bin sofort Feuer und Flamme. Aber der Reihe nach: Dieses Netz ist eine komische Angelegenheit. Das wird mir zwischendurch immer wieder bewusst. Nicht nur ein grandioser Zeitfresser (und ich weiß, was es bedeutet zu sagen, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Fragmentierte Teilidentitätsdarstellung mit Ehrlichkeitsanspruch“, nennt sie das. Schon lange hat kein Mädchen mehr so was sexies zu mir gesagt. Ich bin sofort Feuer und Flamme. Aber der Reihe nach: Dieses Netz ist eine komische Angelegenheit. Das wird mir zwischendurch immer wieder bewusst. Nicht nur ein grandioser Zeitfresser (und ich weiß, was es bedeutet zu sagen, dass das Web Zeit frisst, ich habe hier gefühlte 3740 Probeversionen runterladbarer Suchbildspiele auf meinem Rechner&#8230;), sondern auch ein wunderbar weitläufiger Debattierclub (okay, auch Zeitfresser), ein ausführliches Informationsmedium (Oh! Zeit! Mjam, Mjam, Mjam) und ein Ort, an dem man nicht aufhören will zu glauben, seine nächste Herzensangelegenheit zu finden.</p>
<p><span id="more-697"></span></p>
<p>Nun werden die meisten mitlesenden Realisten mir zurufen, dass es unmöglich sei, sich im Netz zu verknallen. Dazu gehört immer auch das Echte, die Realität. Das Sehen, Riechen, Hören. Flüchtige Berührungen beim Taxi-Tür aufhalten. Oder gemeinsames Auge-in-Auge-Lachen. Überhaupt: Netzfiguren sind in echt so anders, als sie scheinen, Sascha Lobo mal ausgenommen. Da schlägt das Herz höchstens für eine Illusion, die beim Disco-Date an den grobschlächtig gebauten Kaimauern der Realität zerschellt. Jeder, der schon mal Facebook-Kontakte gedatet hat, wird wissen, was gemeint ist.</p>
<p>Ich habe mich am Anfang auch zu Begeisterungsstürmen hinreißen lassen. Ich dachte das wäre es jetzt, dass ich sie endlich gefunden hätte. Und dass mir eben diese neue Form der Kommunikation dabei entscheidend geholfen hätte. Aber, ach, wie ernüchternd. Dass man doch nicht ihr Typ ist. Dass sie ‘nen Freund hat. Dass man sich außerhalb des kleinen, gelegentlich aufpoppenden Chatfensters, eigentlich nur sehr wenig zu sagen hat. Und als wäre das nicht schlimm genug, geht die Ernüchterungsphase noch weit darüber hinaus: Wenn man sich einmal in echt getroffen hat, ist auch der Spaß online zu kommunizieren dahin. Der Reiz ist weg. Etwas geht kaputt durch diese scheiß Realität. Wie schön muss es in der Zukunftsvision von Flusser werden, wenn Körper nichts mehr zählen und nur noch der Geist weltumspannend vernetzt wird. Man würde quasi in Facebook leben. Und jetzt kommt mir nicht mit Matrix, das ist doch Bodybuilder-Esoterik.</p>
<p>Aber zurück ins hier und jetzt: Nach der ein oder anderen Enttäuschung nähert man sich dann doch etwas vorsichtiger neuen Online-Bekanntschaften. Erstmal langsam angehen, mal gucken was da so kommt. Vielleicht hat sie ein Blog, kann man ja mal reingucken. Erste zärtliche „Replies“ werden über Twitter ausgetauscht. Alles ganz langsam, alles mit Bedacht.</p>
<p>Überhaupt: Twitter. Nach anfänglichem Nichts-damit-anfangen-können, ist das jetzt für mich eine Art Schweizer Armeemesser des Web. Da kann ich abschalten, da kann ich mich absolutem Nonsens hingeben. Da habe ich immer ein Grundrauschen. Aber da kriege ich auch die konkreten Informationen, die Google als Suchanfrage nicht versteht. Das ist also so eine Art persönliches Wikipedia für mich geworden. Natürlich mit den besten Followern, die man sich vorstellen kann, aber die nimmt wohl jeder Twitterer für sich in Anspruch. Was nicht bedeuten soll, dass es da nicht auch Unsitten gäbe:</p>
<p>Wenn jemand etwas schreibt, was einem anderen nicht in den Kram passt, wird sofort mit „unfollowen“ gedroht. Ja, wirklich. Sozusagen Liebesentzug. Ich bitte euch. Ich mag was die Leute da auf Twitter schreiben, manchmal mag ich sogar die Leute, die da schreiben, aber die Drohung nicht mehr zu lesen, was jemand schreibt, nur weil er nicht schreibt, was man von ihm zu schreiben erwartet, ist ja vor allem eins: saudoof. Sonst ist aber alles gut in dem eingeschlossenen Mikrokosmos. Ehrlich. Könnt ihr mir glauben.</p>
<p>Man kommentiert sich also gegenseitig auf Twitter. Findet lustig, was der Andere schreibt oder kriegt vielleicht sogar hier und da ein bisschen erhöhten Puls, wenn der Andere Fotos von sich postet oder interessante Wahrheiten über sich äußert. Wobei: Man kann ja nur annehmen, dass es sich um Wahrheiten handelt. Aber auch da greift das Konzept „gesunder Menschenverstand“ ganz gut und es lässt sich relativ sicher einschätzen, wer wirken will und wer wirklich wirkt.</p>
<p>Dabei habe ich eine interessante Verlaufskurve beobachtet, beim Annähern über Twitter: Erstmal überhaupt Kontakt aufnehmen. Es geht hin und her. Dann erschlafft der Kontakt. Man lässt es ein wenig ruhen, immerhin steht man ja mehr oder weniger unter Beobachtung. Man muss sich das ein bisschen so vorstellen wie Flaschendrehen, früher auf den Partys im Partykeller der Eltern des eigentlich unbeliebten Mädchens in der Klasse. Da wusste man schon zu Beginn, wen man auswählen würde, wenn die Flasche auf einen zeigt. Die ganze Kraft jugendlicher Wünsche und Hoffnungen ruhten nur darauf, dass die Flasche bei der potentiell Angebeteten endlich mal mit diesem dämlichen Drehen aufhört. Und wenn sie es dann tat und man sich bereit machen musste zum Kuss, dann war das plötzlich zwar immer noch aufregend, aber eben auch unangenehm und ein bisschen fies, weil ja allen anderen Umsitzenden förmlich die Augen aus dem Kopf traten in Erwartung des Kusses, den sie zu sehen hofften. Sprich: Lieber doch nicht mit Zunge.</p>
<p>Und so muss man sich das Kennenlernen beim Micro-Blogging-Dienst vorstellen. Erstmal ganz vorsichtig rantasten und darauf achten, dass es nicht zu offensichtlich ist, dass man da an jemandem interessiert ist (was es vermutlich sowieso ist). Man möchte ja nicht mit der Tür ins Haus fallen und überhaupt: Von ein paar 140-zeichigen Kommentaren zum Weltgeschehen und ein paar eingestreuten Fotos lässt sich ja noch kein wirklich aufregendes Charakterprofil ableiten. Also nächste Stufe zünden im modernen Kennenlernen: Facebook.</p>
<p>Dabei hat das soziale Netzwerk natürlich ein paar Vorteile. Man kriegt persönliche Daten wie Geburtstag, Vorlieben, manchmal auch Job und/oder Urlaubsfotos auf dem Silbertablett serviert und ist somit in der Lage das eigene Bild der Person zu verfestigen oder eben zu korrigieren. Auch hier muss nicht alles wahr sein, was es zu lesen gibt und natürlich wählt jeder normale Mensch nur vorteilhafte Fotos von sich aus, um sie dem geschlossenen Zirkel der „Freunde“ bei Facebook zu zeigen. Dessen sollte man schon gewahr sein. Ein Fotoalbum mit 127 Bildern einer Person, in denen sie aber immer nur bis zur Hüfte zu sehen ist, sollte zum Beispiel auf ein Holzbein, zwei Holzbeine, unansehnliche Beine oder Ähnliches schließen lassen. Nicht weiter schlimm, man sollte sich dessen nur bewusst sein. Jeder bastelt sich sein eigenes Abbild zusammen. Das war schon immer so, nur nie so komplex wie heutzutage.</p>
<p>Kommen wir aber zum elementaren Teil, der zweiten Kennenlernstufe: Der Facebook-Chat. Jetzt überschreitet man eine Grenze, denn die direkte Kommunikation beginnt. Natürlich immer noch geschützt durch die Schrift. Man kann sich nicht versprechen, nicht verhaspeln oder generell stimmlich doof rüberkommen. Das ist eine Schlüsselsituation. Man muss jetzt direkt reagieren und möglichst en passant dem Gegenüber Details über sich und sein Leben entlocken. Man will ja nicht zu aufdringlich sein. Natürlich: Ironie beispielsweise ist schwer zu vermitteln in einem Textfenster. Da kann man sich schon mal ins Knie schießen. Wenn man solch gängige Fallstricke aber geschickt umgeht, stellt sich recht schnell das plötzliche Gefühl ein, da gerade jemanden kennenzulernen. Also, so richtig. Das mag nicht stimmen, fühlt sich aber so an. Und dann kann so eine, nennen wir es mal „Session“, auch schon mal bis tief in die Nacht hinein gehen und man bemerkt um 3 Uhr, dass man doch mal langsam ins Bett gehen sollte.</p>
<p>Ähnlich dem echten Kennenlernen, wo man sich beim Italiener gegenübersitzt und jedes Wort aufsaugt und sich wünscht, dass der Abend nicht aufhört. Ein Wunsch übrigens, den das anwesende Personal nur in den allerseltensten Fällen teilt, weswegen man früher oder später dann doch vor die Tür gesetzt wird und hinter einem die Rollläden hektisch runterrasseln oder die Tür überstürzt abgeschlossen wird. Dann steht man da. Jetzt kann man nach Hause gehen (Natürlich nicht ohne dass der Mann die Frau noch zu ihrer Wohnung fährt/begleitet, um sie dort zu verabschieden und zu sich zu gehen. Und nein: Man geht nicht noch auf einen Drink mit hoch, ich bin da altmodisch&#8230;) oder noch weiterziehen in eine dieser berüchtigten Kneipen die um die Zeit unter der Woche noch aufhaben. Ich bevorzuge zu jeder Zeit den früheren Rückzug. Weiterziehen führt nur zu Komplikationen. Gut, in der virtuellen Welt macht nie jemand Feierabend und die Lichter aus. Das ist der Vorteil. Aber eben auch der Nachteil. Da kann es schon mal länger werden. Und dann fängt es meistens an: Das Herzchenklopfen.</p>
<p>Die nächste Stufe ist eine der kompliziertesten: Die Melange. Jetzt ist allerhöchste Aufmerksamkeit gefragt, denn jetzt beginnen die Probanden die Dienste zu vermischen. Auf Facebook anchatten, auf Twitter aber antworten. Da muss man am Ball bleiben. Denn natürlich entwickeln sich, zwangsläufig, erste Codes untereinander, die man immer lesen und entdecken will. Die können sich in einem Tweet verbergen, der Anderen, Außenstehenden völlig normal vorkommt, in einer Statusmeldung, vielleicht auch in einem geposteten Bild. Das ist auch der Moment, in dem es romantisch werden kann. Romantik hat es ja so an sich, dass sie sich immer neuesten Entwicklungen anpasst. Früher stand der Minnesänger unter‘m Balkon, dann hat man den Mädchen Kassetten aufgenommen. Heute postet man ein Musikvideo für den anderen, oder macht ein Foto von sich, das Anspielungen enthält. Für die Einen totale Kryptik, für die Eingeweihten herzerweichend. Und wenn einem die Auserwählte dann das Online-Leben und -Lieben dann auch noch mit so einer tollen Bezeichnung wie eingangs erwähnt erklärt, dann kann man sich nur noch schwer wehren.</p>
<p>Die letzte Stufe ist klar. Man trifft sich in echt. Man hofft die Stimmung aus dem Online-Leben in die echte Welt mit rüberzuretten. Das gelingt nicht immer. Manchmal gar nicht. Dann war es eben nur ein Flirt. Und man hört die Worte des Kunsträubers aus dem dritten Teil von Indiana Jones in seinen Ohren, als er River Phoenix den markanten Schlapphut aufsetzt und zu ihm sagt: „Heute hast du verloren Kleiner. Aber das muss dir ja nicht gefallen.“</p>
<p>Aber eines Tages wird es klappen. Und dann kann man endlich seinen Beziehungsstatus in Facebook von „Single“ auf „in einer Beziehung“ ändern. Denn nur darum geht’s hier doch, oder?</p>
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		<title>Die interaktive Kolumne</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 07:59:34 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Gesellschaft & Medien // Nilz Bokelberg]]></category>
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		<description><![CDATA[Lange hat man drauf warten müssen, nun ist sie endlich da: Die interaktive Kolumne. Am Ende eines jeden Absatzes hat man eine Entscheidung zu fällen. Bitte lesen sie bei dem Abschnitt weiter, der ihrer Entscheidung entspricht. Und nun viel Spaß! Du bist gerade von der Schule gekommen und das ganze Leben steht vor dir. Dazu [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Lange hat man drauf warten müssen, nun ist sie endlich da: Die interaktive Kolumne. Am Ende eines jeden Absatzes hat man eine Entscheidung zu fällen. Bitte lesen sie bei dem Abschnitt weiter, der ihrer Entscheidung entspricht. Und nun viel Spaß! Du bist gerade von der Schule gekommen und das ganze Leben steht vor dir. Dazu musst du aber zuerst entscheiden, wie dein Lebensweg jetzt aussehen soll. Was hast du geplant? Erst mal eine große Reise, um die Welt kennenzulernen? Gehe zu 1). Oder sich direkt ins Studium stürzen? Gehe zu 17) Oder möchtest du zuerst einfach mal anfangen zu arbeiten? Gehe zu 17). <span id="more-699"></span></p>
<p>1) Du hast dich entschieden, erst mal eine große Reise anzutreten. Das ist vernünftig. Nichts bringt einem größere Vorteile im späteren Berufsleben, als fremde Menschen und Kulturen kennenzulernen. Außerdem wird das die Freundschaftsanfragen in deinem Facebook-Account ordentlich in die Höhe treiben und darauf kommt es ja schließlich an, oder? Des weiteren hast du beschlossen, von deiner Reise zu twittern. Anstelle von ewig langen Blogeinträgen, die die letzten 4 Tage behandeln, wirst du einfach jeden Tag mehrere kleine Tweets auf deine Freunde/Follower loslassen. Das hälst du für direkter, ungefilterter. Und einmal in der Woche wirst du einen großen Blogeintrag schreiben, in dem du deine letzten Tweets noch mal zusammenfasst. Nun sei mir noch eine Frage gestattet: Weltreise (gehe zu 2)) oder Interrail (gehe zu 3))?</p>
<p>2) Dir ist klar, dass deine Reise nur einen größeren Sinn haben kann, wenn sie dich um die ganze Welt führt. Das leuchtet ein, willst du doch das größtmögliche Kulturenspektrum sehen und erleben. Dafür sollte es dich schon auf jeden vorhandenen Kontinent bringen. Zum Glück hat dein Vater dieses gut laufende Unternehmen und kann dir deswegen deinen Traum nach „direkter Bildung“, wie du es euphemistisch formulierst, erfüllen. Dass du eigentlich nur überall trinken und Backpackerinnen abschleppen willst, muss er ja nicht so genau wissen und ist außerdem dein direkter Beitrag zur Globalisierung im positivst möglichen Sinne. Möchtest du erst nach Südamerika 4) oder nach Australien 5)?</p>
<p>4) Arriba, arriba! Wie wundervoll ist es doch in Mexiko. Was für ein unkompliziertes Land! Dein Check-In im Hotel ging wunderbar schnell und jetzt guckst du dir erst mal die Stadt an. Den Stadtplan hast du wohlweislich im Hotel gelassen, damit du dich nicht sofort als Touri outest. Ja, du magst zwar noch jung sein, aber du weißt, wie man sich zu verhalten hat. Nur wie man jetzt mit dieser Situation umgehen soll, dass du ein paar Blocks entfernt Schüsse hörst, hat dir niemand gesagt. Du zückst dein Handy, um das zu twittern, da bitten dich schon ein paar freundliche Muchachos um die Herausgabe des Mobiltelefons. Um ihrer höflichen Bitte Nachdruck zu verleihen, unterstreichen sie ihr Anliegen mit einem Messer, das sie an deine Kehle halten. Dir bleibt nur die Wahl zwischen drei Möglichkeiten: 6) Du machst, was sie wollen, um danach die Polizei zu verständigen, 7) du spielst den Helden und tust so, als würdest du sie nicht verstehen oder 8) du fängst sofort an zu schreien.</p>
<p>6) Du reichst ihnen dein Telefon, guckst sie grimmig an und ziehst von dannen. An der nächsten Telefonzelle wirfst du deine letzten Münzen, die sie dir freundlicherweise gelassen haben, in den Apparat und verständigst die Polizei. Dummerweise kommen in diesem Moment die neuen Besitzer deines Handys um die Ecke und kriegen mit, was du tust. Gehe zu 9)</p>
<p>7) Du sagst immer nur „No comprende!“ und lächelst die beiden Typen grenzdebil an. Langsam verlieren sie die Geduld mit dir. Ihr Ton wird lauter und sie fuchteln immer wilder mit ihren Messern rum. Seelenruhig beobachtest du das Treiben. Dir kann ja zum Glück nichts passieren, denkst du. Gehe zu 9)</p>
<p>8) Du hast keine andere Wahl, als einfach laut und hysterisch loszuschreien. Irgendwer wird dir ja wohl helfen, oder vielleicht sind die beiden so abgeschreckt, dass sie eh die Finger von dir lassen. Gehe zu 9)</p>
<p>9) Du kriegst ihr Messer in den Rücken.</p>
<p>5) Gut, du fliegst also erst nach Australien. Da hast du schon viel, und ausschließlich Gutes von gehört. Das dürfte doch ein würdiger Start für deine Weltreise sein. Am Flughafen angekommen, werden erst mal deine Schuhe desinfiziert, damit du keine Festlandepidemien auf die Insel trägst. Als du endlich von oben bis unten steril bist, darfst du passieren. Nimmst du jetzt ein Taxi 10) oder den Bus 11) zu deinem Hotel?</p>
<p>10) Du steigst in das Taxi ein. Den Akzent, mit dem der Taxifahrer spricht, findest du niedlich. Du sagst ihm, wo dein Hotel ist und los geht die Reise. Ahhh. Australien. Endlich bist du hier. Du kurbelst dein getöntes Fenster herunter, um mal die heimische Luft zu atmen. Der Taxifahrer ruft dir noch panisch etwas zu, aber du reagierst zu langsam. Als die australische Sonne, die nicht mehr durch eine Ozonschicht geschützt ist, dich trifft, verbrennst du sofort und nur ein Häufchen Asche bleibt von dir übrig. Du hast an alles gedacht, nur nicht an Sonnencreme.</p>
<p>11) Der Bus ist alt und klapprig und wenig vertrauenerweckend, als er sich ächzend in Bewegung setzt. Aber hey: Dafür ist es die günstigste Version, um in die Stadt zu kommen. Leider ist es auch die riskanteste. Nicht nur, dass dir das Teil jederzeit um die Ohren fliegen könnte, denkst du, auch deine anderen Mitpassagiere sehen alles andere als vertrauenerw… BOOOOM!!! Na immerhin war der Bus schneller als die Schurken.</p>
<p>3) Na, wenn das kein Klassiker ist: Interrail! Du suchst also das große Abenteuer, wie schon so viele vor dir! Das ist doch super, du wirst schon bald einen wunden Arsch haben und für lange Zeit keinen Zug mehr von innen sehen können, aber bis dahin macht es eine Menge Spaß. Mit dem Zug quer durch Europa, hoffentlich sind da noch viele andere süße Mädchen unterwegs, denn hey: Darum geht es hier schließlich auch. Frohgemut besteigst du deinen ersten Zug Richtung Paris. Setzt du dich ins Großraumabteil 12), ins Mutter-Kind-Abteil 13) oder in den Gang 14)?</p>
<p>12) Großraumabteil ist immer gut. Kann man eigentlich immer gut entspannen. Okay, das ist jetzt Pech, dass der einzig freie Platz neben einer Kegeltour 65-jähriger Frauen ist, die sich „Die wilden Hilden“ nennen. Ja, die trinken wirklich schon sehr früh Sekt und Schnaps, aber das sind erwachsene Frauen, die wissen schon, was sie machen. Gut, die werden immer lauter, und die Frikadellen, die sie aus ihrer Tupperware ziehen, riechen etwas streng, aber solang es ihnen schmeckt! Davon lässt du dir doch nicht den Start deiner Reise vermiesen! Eine von ihnen, die wohl schon einen Piccolo zu viel intus hat, kommt auf dich zu. Was nun? Möchtest du lächeln 15), oder stellst du dich schlafend 16)?</p>
<p>15) Du lächelst sie an, als sie auf dich zuwankt. Sie stolpert auf die letzten Meter und fällt dir direkt in die Arme. Unsicher lächelst du weiter und weißt nicht, was zu tun ist. Sie aber umso mehr. Sie bäumt sich auf, ruft nur noch „Mein Retter!“ und steckt dir ihre alte Zunge in den Hals. Du kannst dich nicht wehren, sie ist nicht nur fast dreimal so alt wie du, sondern auch dreimal so schwer. Ihre Freundinnen jubeln laut auf und kommen angerannt. Vermutlich wirst du Paris nicht mehr sehen.</p>
<p>16) Du stellst dich schlafend, als sie auf dich zuwankt. Sie stolpert auf die letzten Meter und fällt dir direkt in die Arme. Du stellst dich weiter krampfhaft schlafend und hörst sie nur etwas lallen von „Munsssumunbeatmung!“, bevor du ihre alte Zunge tief in deinem Rachen spürst. Hustend „wachst“ du auf, aber hier kommst du nicht mehr weg. Nicht nur hat diese Frau dich „besetzt“, jetzt kommen auch noch ihre Freundinnen angestürzt, weil sie auch was von dir haben wollen. Du wirst Paris nicht mehr sehen.</p>
<p>13) Du setzt dich ins Mutter-Kind-Abteil, weil da noch ein Platz frei ist. Die anwesenden Mütter gucken dich argwöhnisch an. Du lächelst sie einfach an, lässt dich auf den Sitz plumpsen und sagst noch in die Runde: „Der Kevin kommt gleich, ist nur noch gerade auf Toilette…“. Erleichtert atmen die Mütter auf. Jetzt sind sie alle beruhigt. Da du Hunger hast, packst du deine Snacks aus. Du hast dir ’ne Tüte Gummibärchen eingepackt, ein paar Nutella-Brötchen und ein Käse-Wurst-Mayonaise-Sandwich. Du packst alles aus und legst es vor dich. Sofort kommen die ersten Kinder und betteln um Gummibärchen. Fröhlich gibst du ihnen welche. Ihre Mütter nehmen sie den Kindern ab und geben sie dir zurück, weil sie nicht aus dem Bioladen sind. „Dann nicht“, denkst du dir, als du deine Cola aus dem Rucksack ziehst und trinkst. Dazu erst mal ein Nutellabrötchen. Die Kinder im Abteil kollabieren, schreien, heulen, toben, weil du ihnen alles vor isst, was sie nicht essen dürfen. Die Mütter fragen dich noch mal, wo denn dein Sohn bleibt und du merkst langsam, dass es hier unangenehm wird. Du versuchst vorsichtig, aus dem Abteil zurück zu weichen. Aber die Tür ist verkantet und du kommst nicht raus. Die Kinder sind schon durchgedreht und stürzen sich auf deine Essensvorräte. Die Mütter haben sie nicht mehr unter Kontrolle. Sofort ziehen sie die Horn-Haarnadeln aus ihren Dutts und gehen langsam auf dich zu. Sie beschimpfen dich. Der Arzt an der nächsten Bahnstation kann nur noch deinen „Tod durch Horn-Haarnadeln im ganzen Körper“ feststellen.</p>
<p>14) Du suchst dir einen Platz im Gang, legst deinen Rucksack hin und versuchst, es dir so gemütlich wie möglich zu machen. Du packst dein Buch aus und fängst an zu lesen. „On the Road“, von Kerouac, was sonst. Das monotone Rattern des Zuges über die Gleise, das schöne Buch mit seiner hypnotischen Langsamkeit, die schlechte Luft im Gang – all das addiert, macht dich unglaublich schläfrig, bis du einnickst. Deswegen bekommst du auch nicht mit, dass an der nächsten Station anscheinend eine Bundeswehrkaserne sein muss, denn die ganzen Jungs fahren in ihren Wochenendurlaub. Leider übersehen sie dich beim Einsteigen und du löst, auf dem Boden liegend, eine Kettenreaktion aus. Der erste stolpert über dich, verliert sein Marschgepäck, woraufhin sich der nächste auch nicht mehr halten kann und so weiter. Als schließlich das ganze Kuddelmuddel wieder aufgelöst ist, kann man dich nur noch mit einem Spachtel vom Boden aufkratzen.</p>
<p>17) Soviel zum Reisen. Sollte das, allen Erwartungen zum Trotz, irgendeinem Leser Spaß gemacht haben, kann man sich ja das nächste Mal um Studium und Beruf kümmern. Oder ums Flirten. Ansonsten lassen wir es lieber.</p>
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		<title>Cameron</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2009 08:00:53 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Gesellschaft & Medien // Nilz Bokelberg]]></category>
		<category><![CDATA[Cameron Diaz]]></category>
		<category><![CDATA[Nilz Bokelberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Cameron, Ich schreibe dir auf diesem Wege, weil ich deine Adresse nicht habe. Auch deine E-Mail-Adresse ist mir unbekannt. Nun könnte man mir vorwerfen, mich auch nicht von jedem x-beliebigen anderen Fan zu unterscheiden, der mit Chips vollgestopft vor seinem Rechner sitzt und sich über zärtliche Erektionen seinerseits freut, beim Betrachten irgendwelcher Bildschirmhintergründe mit [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Cameron,</p>
<p>Ich schreibe dir auf diesem Wege, weil ich deine Adresse nicht habe. Auch deine E-Mail-Adresse ist mir unbekannt. Nun könnte man mir vorwerfen, mich auch nicht von jedem x-beliebigen anderen Fan zu unterscheiden, der mit Chips vollgestopft vor seinem Rechner sitzt und sich über zärtliche Erektionen seinerseits freut, beim Betrachten irgendwelcher Bildschirmhintergründe mit Fotos aus deinen Tagen als Fotomodell. Aber natürlich ist es ganz anders. Ich begehre dich nicht als Fantasie, sondern nur den wahrhaftigen Teil von dir. Das lustige, kalifornische Mädchen, das surfen geht, während ich sämtliche Songs bei Guitar Hero freispiele, um dich beim Abendessen damit zu überraschen und du das dann auch entsprechend zu schätzen weißt.<span id="more-701"></span>Ich beobachte deine innere Unruhe auf der Suche nach dem richtigen Partner und natürlich wirst du da nicht fündig bei irgendwelchen Boygroup-Sternchen und von Kollegen rate ich dir erst recht die Finger zu lassen. Was für eine Zukunft soll eine Beziehung zwischen zwei Schauspielern haben, von denen der eine ein mit Weltruhm gesegneter Star ist und der andere eher unter ferner liefen läuft. Du brauchst einen Mann auf Augenhöhe. Nicht physisch, sondern intellektuell. Nun, ich bin bei weitem kein Mann von Weltruhm, aber ich neide ihn dir nicht. Niemand hat ihn mehr verdient als du.<br />
Freunde versuchen mich stets von dem irrsinnigen Gedanken abzubringen, eines Tages die Möglichkeit zu bekommen, dir persönlich zu vermitteln, wie wichtig ich für dich sein kann. Sie zeigen mir Bilder in Illustrierten, auf denen du ungeschminkt auf dem Weg aus dem Supermarkt zu sehen bist oder beim Joggen an der Pazifikküste. Aber sie begreifen nicht, dass mich deine Hautirritationen höchstens peripher tangieren. Ich sehe den wertvollen Menschen unter der aknegeschwängerten Wange. So sie es denn überhaupt ist. Was sind schon Pickel gegen wahre Liebe?<br />
Du verkörperst auf wundervolle Weise all das, was ein vernünftiger Mann an einer Frau begeisternd finden kann. Du hast ein dreckiges Lachen, das man sich am liebsten als Dauerloop auf den iPod laden würde, du scheinst einem kühlen Bier nicht abgeneigt und vermutlich gehst du lieber mit einem Mann in einen Stripclub als in eine Dieter Dorn-Inszenierung.<br />
Ich muss zugeben, und auch das muss mir als Mann an deiner Seite in spe erlaubt sein, dass ich mich zwar nicht in deine geschäftlichen Angelegenheiten einmischen will, aber deine Rollenauswahl in den letzten paar Jahren ein wenig zu wünschen übrig lässt. Keine Frage: Dein Spiel ist nach wie vor bezaubernd und inspirierend, aber die modernen Romanzen haben doch etwas überhand genommen, was du zwar durch deine Zusammenarbeit mit Ashton Kutcher wieder etwas austarieren konntest, aber eben nicht zur Gänze, da Kutcher durch seine Liaison mit Bruce Willis’ Exfrau selbst einiges an jugendlicher Glaubwürdigkeit eingebüsst hat. Was du brauchst, ist ein Film wie „Verrückt nach Mary“. Meinetwegen auch wie „Being John Malkovich“, aber einfach mal wieder etwas anderes als glattgebügelte Date Movies.<br />
Aber das weißt du ja sicher selbst. Ich weiß, was die Mitleser meiner zarten Zeilen an dich nun denken werden: Der Bokelberg, denken sie, der will sich nur ins gemachte Nest setzen. Du bist im Moment eine der bestverdienenden Frauen der Welt, was sicher einen angenehmen Lebensstil ermöglicht, aber auch egaler nicht sein könnte. Was bedeutet Geld schon, wenn es ums Herz geht? Eben.<br />
Ich könnte dich die ganze Zeit hochloben, aber sind Wiederholungen nicht langweilig? Wie schreibt man eigentlich solch einen Brief, oder besser gesagt: Schreibt noch irgendwer solche Briefe? Bei mir muss es wirklich Jahre her sein, dass ich einen richtigen Liebesbrief schrieb. Vielleicht habe ich sogar noch nie einen geschrieben und hielten wir uns an genaue Formalien, so ist streng genommen nicht mal dies hier ein solcher. Ein Liebesbrief als offener Brief? Natürlich, leicht zu durchschauen meine Hoffnung, dass dies als besonders romantisch wahrgenommen würde, aber ist es das denn überhaupt? Ein offener Brief, das hat auch immer so was offiziell-protestierendes. Wenn ich den Begriff „offener Brief“ höre, dann ist meine erste Assoziation ein Unterschenkel mit einer offenen Wunde, die gerade unter lautem Gejohle vom verdi-Gewerkschaftsführer bandagiert wird, weil „offene Briefe“ eben auch immer irgendwie so etwas von Protest haben. Ein offener Brief gegen Atommülltransporte. Ein offener Brief gegen die Ausbeutung von Ein-Euro-Jobbern. Ein offener Brief gegen Tierversuche. Ein offener Brief gegen Gegner der Homoehe. Das könnte man ewig so weiterführen. Immer gegen. Und wenn schon nicht gegen, dann aber wenigstens für etwas, von dem man weiß, dass ganz viele dagegen sind. Ein offener Brief für längere Öffnungszeiten in Bayern. Ein offener Brief für den Erhalt des Flughafens Tempelhof. Ein offener Brief für mehr Verständnis gegenüber Bankern. Offene Briefe sind immer Proteste. Aber meiner ist kein Protest!</p>
<p>Ich bin in einer Sackgasse. Nicht nur habe ich gerade meinen eigenen Brief mehr oder weniger als Luftnummer enttarnt, nein, ich habe sogar die Befürchtung, dass du gar nicht so weit gelesen hast. Denn sind wir mal ehrlich: Was sollten die bestverdienende Frau der Welt solche Sachen wie Gorleben, Hartz IV oder Tempelhof interessieren? Du weißt ja nicht mal, dass es das gibt. Ach, ich wünschte mir manchmal auch, nicht zu wissen, dass es das alles gibt. Ich schäme mich für die meisten Leute, die gegen etwas protestieren. Protest macht einen doof. Es ist, als wenn sofort alle Kleidung ihre Farbe verliert, sowie die eigene Haut, die Frisur plötzlich dämlich wird und man beim Sprechen automatisch Geifer vor den Mund kriegt, nur wenn man gegen etwas protestiert. Doch Vorsicht, liebe Cameron, denn Protest selbst ist schon sexy. Er wird halt nur immer von blassen Käsebrötchen organisiert, die sich im Vorbereiten ihrer Maßnahmen so sehr um die eigene Achse drehen, dass sie am Ende wie ein Duracellhäschen auf Crack wirken. Und dabei ist es egal, welcher Organisation man sich zuwendet: Sobald Protest organisiert wird, wird er so uncool wie runterfallende Marmeladenbrötchen.</p>
<p>Ich schreibe ehrlich gesagt nie Liebesbriefe. Warum? Nun, erstens habe ich eine ziemliche Sauklaue. Aber es gibt noch einen anderen, viel wichtigeren Grund: Ich lasse gerne Musik sprechen. Aber das letzte Mixtape, das ich aufnahm, ist auch schon lange her. Das Mädchen war nur ein paar Jahre jünger als ich, aber sie musste ihr Tapedeck von ihrem Vater reparieren lassen, um es überhaupt hören zu können. Ich glaube, da ist etwas in mir gestorben. So so, dachte ich wohl, junge Mädchen haben keine Kassettenabspielmöglichkeiten mehr heutzutage. Da muss ich mich also auch nicht mehr zweieinhalb Stunden vor die Anlage setzen, um den perfekten Mix zu kreieren, der der Frau alles sagen soll. Aber du bist ja ein paar klitzekleine Jährchen älter als ich, deswegen gehe ich davon aus, dass du noch im Besitz eines Tapedecks oder vielleicht sogar Walkmans bist. Oder? Oder? ODER?<br />
Frauen wie du müssen einfach noch in der Lage sein, Kassetten zu hören. Du bist doch die Verkörperung eines Kassettenmädchens. Ich kann mir schon vorstellen, wie du den Mix hörst, den ich dann für dich gemacht habe, wenn ich weiß, dass du ihn hören kannst. Und da liegst du dann vor deiner Anlage und findest die meisten Songs ziemlich gut, manche etwas daneben und einige schlicht großartig. Und freust dich natürlich über die eingestreuten Songs, die du kennst (GANZ wichtiger Punkt bei der Philosophie des Mixtapes: Nicht zu sehr angeben, was man alles kennt. Geheimtipps gut dosieren. Hits einstreuen!). Und dann läufst du mit deinem Walkman die Straße hinunter. Und alle halten das für einen coolen, neuen Vintagetrend, wieder mit Kassettenwalkman rumzulaufen, und machen es dir nach und die Mixtape-Jungs sind wieder eine gefragte Spezies! Yay!</p>
<p>Cameron. Liebste. Für all diese verschmähten Jungs, die iTunes hässlich finden. Für all die graugesichtigen, traurigen Protestbriefschreiber. Für jeden Einsamen, der schon mal einen Ghostwriter einen Liebesbrief an seine heimliche Liebe schreiben ließ. Für all die Menschen, die vergessen haben um was es geht: Erhöre mich. Lass uns ihnen zeigen, dass es auch anders geht. Dass Liebe auch etwas Romantisches und dennoch Essentielles ist. 2009 wird unser Jahr! Lass uns die Liebe retten und Rosenstolz die Instrumente zerschlagen! Auf dass sie wieder in die Hände derer gelangt, die sie wirklich brauchen: du und ich.</p>
<p>Immer,<br />
dein Nilz.</p>
<p>P.S.: Ich freue mich auf deine Antwort unter n.bokelberg[at]blank-magazin.de</p>
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