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	<title>BLANK - Face your magazine &#187; Literatur // Roman Libbertz</title>
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	<description>Gesellschaft, Diskurs, Disko</description>
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		<pubDate>Wed, 16 Apr 2014 19:12:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>

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		<description><![CDATA[T.C.Boyle kennt jeder. Er wurde 1948 in New York geboren. 1987 gewann er mit &#8220;World´s end&#8221; den PEN/Faulkner Award. Spätestens sein Roman &#8220;Water music&#8221; bescherte ihm dann noch das Etikett des Kultautoren. Und neben der schreibenden Kunst ist er Professor für kreatives Schreiben an der Universität South Califonia. Lesungen von ihm sind immer ein Erlebnis. [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>T.C.Boyle kennt jeder. Er wurde 1948 in New York geboren. 1987 gewann er mit &#8220;World´s end&#8221; den PEN/Faulkner Award. Spätestens sein Roman &#8220;Water music&#8221; bescherte ihm dann noch das Etikett des Kultautoren. Und neben der schreibenden Kunst ist er Professor für kreatives Schreiben an der Universität South Califonia. Lesungen von ihm sind immer ein Erlebnis.</p>
<p><span id="more-1831"></span></p>
<p>T.C. Boyle mag Käse, schon allein, weil er kaum Fleisch isst, aber man soll sich deswegen bitte nicht um Aorta sorgen, seine Hyperaktivität pulverisiere nämlich das ganze Fett mühelos.<br />
Für ihn ist Schreiben wie träumen in Realzeit, fast wie Urlaub fühlt sich dieses an der Tastatur sitzen und mit Wörtern spielen an. Auch wenn er im nächsten Satz das Denken gerne als größte Geisel der Menschheit bezeichnet.<br />
Wenn er nicht schreibt fühlt er sich mickriger als eine Amöbe, selbst Amöben hätten es da besser, denn sie betrieben wenigstens Zellteilung.</p>
<p><em>Die 3 Bücher ihres Lebens?</em><br />
Drei? Wohl eher 300.<br />
Robert Coover, Die öffentliche Verbrennung.<br />
Gunter Grass&#8217; Die Blechtrommel<br />
Gabriel Garcia-Marquez&#8217;s Hundert Jahre Einsamkeit</p>
<p>Leidenschaftlich zieht er sich in die Natur zurück, fernab aller Maschinen, aber er hasst Sonnenschein und geht dabei sogar soweit Deutsche, Österreicher und Schweizer für ihr Klima zu beneiden. Diese eiskalten Regentropfen, die von Fensterläden tropfen &#8211; herrlich.</p>
<p><em>Lieblingsstadt?</em><br />
San Francisco. Willst du Nebelbänke, willst du Hügel, willst die Naturschönheit, Stau, Opern, Landstreicher und chinesisches Essen, dann wirst auch du San Francisco lieben.</p>
<p><em>Was halten sie von der aktuellen Serienlandschaft?</em><br />
Diese ganzen Serien werden doch in Wahrheit von Ausserirdischen hergestellt und werden von einem anderen Planeten aus zu uns gesendet.</p>
<p><em>Lieblingsdrink?</em><br />
Guinnes Stout, ganz einfach weil Guinness gut für dich ist.</p>
<p><em>Was halten Sie von Politikern?</em><br />
Hängt sie alle.</p>
<p><em>Eine Versuchung wäre für ihn etwas fürs Fernsehen zu schreiben und dann seine Rente an den Spieltischen in Las Vegas zu verdreifachen.</em><br />
<em> Sein Lieblingsfilm ist Big Lebowski. Auch wenn er es wirklich nicht gerne hat, wenn er sich festlegen muss, wie er abermals betont.</em></p>
<p><em>Haben sie ein Lieblingswort?</em><br />
Steatopygia.</p>
<p><em>Vor jedem Buch recherchiert er in etwa 3 Monate. Ein Jahr braucht er dann in der Regel zum Schreiben. Bei San Miguel war das alles leider ein bisschen schwerer, weil er zum ersten Mal nicht satirsch, unsarkastisch und realistisch schreiben musste.</em></p>
<p><em>Haben sie noch einen Rat für junge Schriftsteller?</em><br />
Kommt aus einer reichen Familie.</p>
<p><em>Sein bestes Stück Käse hat er übrigens mal auf einen Air France Flug zurück nach Los Angeles gegessen, aber das war, als sich Fluglinien noch Mühe gaben.</em></p>
<p><em>Seinem neues Buch &#8220;San Miguel&#8221; ist ein historischer Roman nach realer Vorlage. Er ist ein Muss für alle T.C.Boyle Fans, aber auch einige neue Anhänger sollte ihm dieser Einsame-Insel-Isolationsroman bescheren.</em></p>
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		<title>DBC Pierre</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Aug 2013 17:23:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>
		<category><![CDATA[DBC Pierre]]></category>
		<category><![CDATA[jesus von texas]]></category>

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		<description><![CDATA[Da las ich, dass der große Werner Herzog eines der letzten Vorhaben von Bernd Eichinger in Angriff nehmen will. Kurzerhand kaufte ich mir also diesen „Jesus von Texas“ vielleicht ein wenig um der Zeit voraus zu sein, aber vor allem um herauszufinden was diese zwei Männer so bewegt haben musste. Das Buch so, merkte ich [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Da las ich, dass der große Werner Herzog eines der letzten Vorhaben von Bernd Eichinger in Angriff nehmen will. Kurzerhand kaufte ich mir also diesen „Jesus von Texas“ vielleicht ein wenig um der Zeit voraus zu sein, aber vor allem um herauszufinden was diese zwei Männer so bewegt haben musste. Das Buch so, merkte ich schnell lebt, von seinem Stil, von den schnellen unvorhersehbaren Wendungen und von seinem großen Witz, doch vor allem pulsiert es. Nie zuvor befand ich mich in der Situation, dass mein Kumpel eben 16 Menschen erschossen, sich anschließend selbst hingerichtet hatte und die gesamte Öffentlichkeit es irgendwie auch mir in die Schuhe schieben wollte. Ein unglaublicher Ritt, der mich selbstverständlich dazu brachte, mit DBC Pierre in Kontakt zu treten, aber natürlich nicht um etwas vorwegzunehmen.</p>
<p><span id="more-1130"></span></p>
<p><em>Pierre, Amerika für dich das Land…</em><br />
„in dem Werte konstant zerstört wurden, was dazu führte das es hochwertig ist, wenn einem etwas von wert über den Weg läuft.“</p>
<p>Früher trank Pierre gerne weißen Rum, heute ist es mehr Tequila.<br />
<em>Pierre, dein Leben ist…</em><br />
„unglaublich wunderbar, schön wäre nur wenn ich das auch so sehen könnte.“</p>
<p>Er liebt Matjes, Zeremonien, Fahrlässigkeit und die Sonne.</p>
<p><em>Pierre, wenn du schreibst…</em><br />
„schlage ich mich mit einer Armee von Ratten rum, jede einzelne eine hyper-aktive Idee.“</p>
<p>Früher hätte er seine Eltern gerne gegen die seines Kumpels eingetauscht und hätte viel für einen sprechenden Papageien gegeben.</p>
<p><em>Pierre, bei schlechtem Wetter…</em><br />
„arbeite ich oder ich arbeite, mit dem Rattenzirkus.“</p>
<p>In dreißig Jahren würde er sich am liebsten als ein sehen, alt und befriedigt. Er würde gerne in diesem Cafe, mit dessen Kellernerin mit der er zusammen ist, sitzen und 3auf den ersten Heroindealer seines Lebens warten.</p>
<p><em>Pierre, dein erstes gesprochenes Wort war…</em><br />
„gnfzs“.</p>
<p>Für ihn sind alle Traumvorstellungen im Leben zu unbeständig. Vorher abschätzen zu können, wie es aussieht, wenn ein Traum Wirklichkeit wird, das sei seiner Meinung nach das neue Traumvorstellen.</p>
<p><em>Pierre, welche Bücher beeinflussten dich…</em><br />
„‚On the road‘, ‚Papillon‘, ‚Duluth‘, ‚Die Blechtrommel‘ und ‚Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowns‘.“</p>
<p>„Auch Zwerge haben klein angefangen“, „Paper moon“ oder „Einer flog übers Kuckucksnest“ sind Filme, die er sich immer wieder ansehen kann.</p>
<p><em>Pierre, du hast Angst…</em><br />
„vor mir selbst.“</p>
<p>Beim Autofahren überkommt ihn das Gefühl von Freiheit.</p>
<p><em>Pierre, deine Henkersmahlzeit wäre…</em><br />
„Steak, sehr roh“</p>
<p>Rückblickend sieht er sich selbst vor 30 Jahren wortgewandter als heute.</p>
<p><em>Pierre, Kritiker…</em><br />
„liebe ich, denn sind sie noch mehr von sich selbst eingenommen als ich.“</p>
<p>Gerne tanzt er zu südamerikanischen Rhythmen, aber auch jede andere Musikrichtung ist ihm recht.</p>
<p><em>Pierre, wenn du ein Buch auf eine einsame Insel mitnehmen könntest, wäre das…</em><br />
„‚Gegen den Strich‘ von Huysmans.“</p>
<p>Beim Reisen gelingt es ihm oft ,sein eigenes Ich zurückzulassen und sich in eigenen Neuen auszuprobieren.</p>
<p><em>Pierre, dich selbst würdest du beschreiben…</em><br />
„fehlerhaft mit Luft nach oben.“</p>
<p>Seine Lieblingsstadt ist Mexiko City und nach Grönland würde er nur ungern reisen.</p>
<p><em>Pierre, mit Stolz erfüllt dich…</em><br />
„dass es in Europa keine Todesstrafe gibt.“</p>
<p><em>Und zum Schluss vielleicht noch etwas, das Du schon immer in einem Interview sagen wolltest:</em><br />
„Sie müssen den falschen Pierre haben. Ich bin nur der Barkeeper.“</p>
<p>Bitte lesen sie dieses Buch, denn es ist Wahnsinn.</p>
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<h3>Meine vier Lieblingssätze im Buch:</h3>
<p>„Das Leben ist einfach wenn ich ­wütend bin.“</p>
<p>„Ich bin immer noch am Überlegen, wie ich das eigentlich finden soll, dieses Syndrom, daß naheliegende Menschen nicht über naheliegende Themen reden.“</p>
<p>„Menschliche Bedürfnisse, die sich vermischen – das ist es, was die Welt antreibt.“</p>
<p>„Ich bin so verliebt in sie, ich kann mir nicht mal ihr Höschen vorstellen.</p>
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		<title>Joey Goebel</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jun 2013 17:57:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>

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		<description><![CDATA[Joey Goebel ist mit seinen zweiunddreißig Jahren bereits zu einem kleinen literarischen Schwergewicht aufgestiegen. Der, in Kentucky geborene, ehemalige Sänger einer Band namens „The Mullets“ hat mit „Ich gegen Osborne“ (die Geschichte eines einzigen brutalen Schultages im leben von James Weinbach) nun schon sein viertes Werk vorgelegt. Gibt man seinen Namen in eine der Suchmaschinen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Joey Goebel ist mit seinen zweiunddreißig Jahren bereits zu einem kleinen literarischen Schwergewicht aufgestiegen. Der, in Kentucky geborene, ehemalige Sänger einer Band namens „The Mullets“ hat mit „Ich gegen Osborne“ (die Geschichte eines einzigen brutalen Schultages im leben von James Weinbach) nun schon sein viertes Werk vorgelegt. Gibt man seinen Namen in eine der Suchmaschinen ein, steht da: „Joey Goebel, eigentlich Adam Joseph Goebel der Dritte. Seine Bücher beschreiben auf satirische Art die Eigenheiten der Popkultur im Mittleren Westen der USA.“ Verstanden? Ich zumindest nicht wirklich, aber ich habe seine Bücher ja selbst gelesen und obwohl kein großer Zyniker oder Satiriker an mir verlorengegangen ist, konnte ich mich in fast allen seiner Helden problemlos wiederfinden. Goebel der Dritte oder Gesellschaftskritiker meinetwegen, aber seine Bücher machen vor allem eins: Unglaublichen Spass.</p>
<p><span id="more-1253"></span><br />
Joey kommt ins Zimmer und entschuldigt sich erst einmal, weil er eine Minute zu spät ist. Dann entschuldigt er sich beim Rezeptionisten, weil wir einen, der sowieso ungenützen Räume für unser Interview benutzen. Er ist höflich, sehr höflich, ein wenig zurückhaltend, ein bisschen breiter als ich ihn mir vorgestellt habe und mit diesem entwaffnenden Grinsen ausgestattet. Er begrüßt mich auf deutsch.<br />
<strong>BLANK:</strong><em> „Ich gegen Osborne“ ist das nicht ein sehr provokanter Titel?</em><br />
<strong>JG:</strong> Na ja, also alle Anderen schwärmen von ihren Ferien (dem Spring Break in Panama City) und James ist zuhause geblieben, weil sein Vater gestorben ist. Liegt der Titel da nicht sogar nahe?<br />
<em><br />
<strong>BLANK:</strong> Wie kamst du auf die Idee?</em><br />
<strong>JG:</strong> Teils meine eigene Schulerfahrung, teils meine Erfahrungen als Lehrer, nur die Höhepunkte habe ich mir schlichtweg ausgedacht.</p>
<p><strong>BLANK:</strong> <em>Seit fast 5 Jahren bist Du jetzt Lehrer. Wie motivierst du deine Schüler beim Schreiben?  </em><br />
<strong>JG:</strong> Ich sage oft: „Versucht immer die Sätze zu schreiben, die noch niemand vor euch geschrieben hat.“ oder „Schreibt genau so, wie nur ihr allein es zu Papier bringen könnt.“</p>
<p><strong>BLANK:</strong> <em>Was würdest du sagen, war die größte Herausforderung bei deinem neuen Werk?</em><br />
<strong>JG:</strong> Das Alles in Echtzeit zu erzählen. Also die ganze Geschichte an einem einzigen Schultag stattfinden zu lassen. Am Anfang hatte ich es sogar auf die Minute getimed, aber da wäre ich meinen Lesern wohl gehörig auf die Nerven gegangen.</p>
<p><strong>BLANK:</strong> <em>Wie ist dir diese großartige Struktur gelungen?</em><br />
<strong>JG:</strong> Über die letzten Jahre habe ich hart an mir gearbeitet, ich habe nach und nach immer wieder versucht den Rhythmus einer Geschichte zu optimieren.Erst ziemlich spät habe ich dann plötzlich kapiert, dass dies in Perfektion bereits mit „Der ­große Gatsby“ existiert. Ich habe das Buch daraufhin regelrecht studiert.</p>
<p>Vor uns steht ein Wasserglas. Ich deute darauf. Halbvoll? will ich fragen, aber natürlich würde ihn da nur wieder als Pessimisten hinstellen, so steht es ja auch in jedem zweiten Interview. Gerade in Deutschland wollen sie ihn regelmäßig zu einem großen „Amerika“-Kritiker machen, doch so kritisch ist er überhaupt nicht. Nimmt man zum Beispiel seine „kleinen“ Alter Egos wie James oder Vincent, haben beide lediglich ein und dasselbe Bestreben: Sie wollen mit allen anderen gemeinsam durchs Leben zu gehen. Trotzdem kann ich nicht anders und konfrontiere ihn mit Sloterdijk.</p>
<p><strong>BLANK:</strong> <em>„Ich bin ein Pessimist, aber das Leben hat mich eines besseren belehrt.“?</em><br />
<strong>JG:</strong> Hmmm, na gut, natürlich würde ich mich als Pessimisten bezeichnen, aber wenn man dem wirklich auf den Grund geht, ist dieser Pessimismus vielleicht nur ein simpler gedanklicher Trick, um sich zu schützen. Ich glaube, das ist nur mein Weg sich auf Enttäuschung, Verlust und Trauer vorzubereiten. Man fällt dann vielleicht nicht so tief.</p>
<p><strong>BLANK:</strong> Inwieweit begünstigt Musik dein Schreiben?<br />
<strong>JG:</strong> Eine Menge. Seit ich wieder mehr Musik mache, bin ich auch wieder ein bisschen lockerer geworden. Über die letzten zehn Jahre seit „Vincent“ hat es mich irgendwie so weit in die  ernsthafte Ecke verschlagen. Jetzt scheint es aber wieder zurück zum alten Joey zu gehen. Hochzeit, mein Kind und die Rezession war so eine riesige Menge Verantwortung und das musste ich ernst nehmen. Ich habe das alles ganz gut gemeistert und da wird man glaube ich automatisch wieder lockerer. Musik ist da auch ein ganz starkes Ventil.</p>
<p><strong>BLANK:</strong> <em>Und wenn das mit dem Schreiben nicht geklappt hätte?</em><br />
<strong>JG:</strong> Musik war und ist immer meine Nummer eins. Das Schrei­ben hat sich nur früher gelohnt.</p>
<p><strong>BLANK:</strong> <em>Wie geht’s eigentlich Vincent (der Held seines gleichnamigen Buches, dem, von einem Unternehmen gekauft, das Leben von Kindheitstagen an zur Hölle gemacht wird, um ihn zu einem perfekten Künstler heranreifen zu lassen) heute?</em><br />
<strong>JG:</strong> Ich glaube, er hat eine Frau und eine Tochter. Er ist so glücklich wie nie zuvor und schreibt nur noch zum Spass.</p>
<p><strong>BLANK:</strong> <em>Wann schreibst du?</em><br />
<strong>JG:</strong> In der früh. Ich stehe auf, mache mir einen Kaffee und dann arbeite ich im Durchschnitt bis zum Nachmittag.</p>
<p>Okay. Doch ganz ohne einen politischen Bezug, lass ich ihn aber nicht davonkommen. Ich probiere es ganz fadenscheinig mit „Zero Dark thirty“?<br />
<strong>JG:</strong> Ist der Film nicht der unglaublich Beweis, wie schnell unsere Gesellschaft geworden ist?</p>
<p>Da klopft es, die Zeit ist um. Wir müssten noch schnell ein Photo machen, sage ich, bitte ihn noch um eine Widmung und frage ihn beiläufig nach seiner Henkersmahlzeit. Scampi. Scampi und Donuts, sagt er und da ist es noch ein letztes Mal, dieses übersympathische Grinsen.</p>
<p>Anschließend stehe ich vor der Tür und lese die Widmung:<br />
<em>„Yeah kick ass, take care, loved your questions, brother, yours pessimistically joey“.</em></p>
<p>Viele hat das Joey-Fieber schon erreicht und es werden mehr und mehr werden, da bin ich mir sicher.</p>
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		<item>
		<title>Tilman Rammstedt</title>
		<link>http://www.blank-magazin.de/wp/2012/12/tilman-rammstedt/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 09:32:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>
		<category><![CDATA[Tilman Rammstedt]]></category>

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		<description><![CDATA[Der 1975 geborene Tilman Rammstedt ist für mich das deutsche Pendant zu Jonathan Safran Foer. Wie der geniale Amerikaner beweist auch er mit jedem Buch den Mut weiter zu gehen, die Grenzen ein wenig mehr zu überschreiten und beweist dabei ebenfalls er die große Kunstfertigkeit sich nicht zu verlieren. In „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der 1975 geborene Tilman Rammstedt ist für mich das deutsche Pendant zu Jonathan Safran Foer. Wie der geniale Amerikaner beweist auch er mit jedem Buch den Mut weiter zu gehen, die Grenzen ein wenig mehr zu überschreiten und beweist dabei ebenfalls er die große Kunstfertigkeit sich nicht zu verlieren. In „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“, einer sagenhaften Abendteuergeschichte mit stark zwischenmenschlichstem Einschlag und doppelten Böden ist das selbstverständlich nicht anders. Bachmann, Annette-Hülshoff und den Preis der deutschen Wirtschaft hat er schon, im Grunde nur eine Frage der Zeit bis er sie alle besitzt.</p>
<p><span id="more-986"></span>BLANK: Hallo Tilman, wie geht es dir heute?<br />
TR: Danke. Und selbst?</p>
<p>BLANK: Was hast du heute schon so getrieben?<br />
TR: Ich habe vier Stunden für drei Mails gebraucht. Sobald ich mit einem Buch fertig bin, brauche ich für alles furchtbar lange. Für dieses Interview habe ich mal sicherheitshalber eine halbe Woche eingeplant.</p>
<p>BLANK: Ich werde Dir jetzt mehrere Fragen stellen und bitte dich mir sofort darauf zu antworten, obwohl wir räumlich 502 km getrennt sind und unsere Kommunikation sich ausschließlich über Emailverkehr abspielt. Wäre für das in Ordnung für Dich?<br />
TR: Vollkommen in Ordnung.</p>
<p>BLANK: Auch in deinem neuen Buch geht es wieder ein wenig, sagen wir, hypothetisch oder fantastisch zu. Wie würdest du deinen Stil eigentlich beschreiben?<br />
TR: Konjunktivisch, hibbelig und hoffentlich ab und an energisch.</p>
<p>BLANK: Warum liegt Dir das?<br />
TR: Ich weiß nicht, ob es mir liegt. Ich weiß nur, dass ich mich mit jedem anderen Stil unwohl fühle.</p>
<p>BLANK: Die Idee, ausgerechnet Bruce Willis für deinen neuen Roman zu engagieren, kam dir wann und wo? Warum Bruce?<br />
TR: Sie kam mir im Liegen. Und gerade hatte ich auf youtube den Trailer für einen neuen Bruce Willis-Film gesehen. Mit dem Roman lief es schleppend und ich faselte selbstmitleidig vor mich hin, dass ich auch lieber einen Film mit Bruce Willis machen wolle, als ein Buch zu schreiben.</p>
<blockquote><p>Ich mag meine Figuren,<br />
ich betrachte sie wohlwollend,<br />
mitunter, ja verdammt, zärtlich.</p>
</blockquote>
<p>BLANK: Wie wichtig ist Dir Zärtlichkeit in deinen Büchern?<br />
TR: Davon abgesehen, dass das Wort „Zärtlichkeit“ – wahrscheinlich aufgrund alter „Bravo“-Traumata – bei mir sehr unzärtliche Gefühle auslöst: sehr wichtig. Ich mag meine Figuren, ich betrachte sie wohlwollend, mitunter, ja verdammt, zärtlich.</p>
<p>BLANK: Magst du das Gefühl, Menschen zum Staunen zu bringen?<br />
TR: Ich bin zu ungeschickt für Zaubertricks. Die Literatur ist da mein Plan B, um ein Staunen zu erzeugen.</p>
<p>BLANK: Könnte man von einem Leben vor dem Bachmann-Preis sprechen und dem danach?<br />
TR: Das könnte man, aber damit wäre wenig gesagt. In dieser Zeit war für mich das Fertigstellen meines damaligen Romans „Der Kaiser von China“ viel entscheidender als der Bachmannpreis. Was nicht heißen soll, dass ich mich über den Preis nicht dumm und dämlich gefreut hätte.</p>
<p>BLANK: Welches Buch hat dich als Kind fasziniert?<br />
TR: „Das Biest des Monsieur Racine“ von Tomi Ungerer. Diese skurrilen, oft überaus brutalen Details in den Zeichnungen. Und das in einem Kinderbuch. Großartig.<br />
BLANK: Welches Buch hat dich als Jugendlicher geprägt?<br />
TR: Als anständig pubertierender Jugendlicher habe ich natürlich nicht gelesen. Jedenfalls nichts Prägendes.</p>
<p>BLANK: Welches Buch würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?<br />
TR: „Floßbauen für Anfänger“<br />
BLANK: Wenn man Dir alle Wörter nehmen würde und Du dürftest nur eins behalten, welche wäre das?<br />
TR: „Hilfe!“</p>
<blockquote><p>Ich bin zu ungeschickt für<br />
Zaubertricks. Die Literatur ist<br />
mein Plan B, um ein Staunen<br />
zu erzeugen.</p>
</blockquote>
<p>BLANK: Gibt es eine Jugendgeschichte aus dem Teutoburger Wald, die Du spontan zum Besten geben willst?<br />
TR: Der Wald hat meine ganze Kindheit und Jugend begleitet: Vom Indianerspielen übers Pflanzenbestimmen bis zum ungelenken Küssen in verlassenen Hochsitzen. Jetzt wohne ich schon seit siebzehn Jahren nicht mehr dort, und gerade vor ein paar Wochen überkam mich eine unglaubliche Sehnsucht nach dem Teutoburger Wald, die bis jetzt anhält. Das ist wohl das Altern.</p>
<p>BLANK: Gibt es eine Übersetzung, in der Du eines deiner Werke (neben dem Deutschen) komplett durchgelesen hast?<br />
TR: Ehrlich gesagt, habe ich nicht einmal die deutschen Versionen noch einmal ganz durchgelesen nachdem sie erschienen sind. Ich habe viel zu viel Angst davor, dass ich sie ganz schrecklich finde.</p>
<p>BLANK: Arbeitest Du mit deinen Übersetzern eigentlich eng zusammen?<br />
TR: Nein, aber das liegt nicht an mir. Ich bin eher überrascht, wie wenig Fragen sich beim Übersetzen meiner Bücher anscheinend stellen. Vor allem, weil in „Der Kaiser von China“ noch immer ein sehr peinlicher logischer Fehler vorkommt, den alle Übersetzer entweder stillschweigend verbessert oder schlicht übersehen haben.</p>
<p>BLANK: Schreibst du bei Musik?<br />
TR: Ich würde gerne, aber es nervt mich unglaublich. Nur ab und an schreibe ich gern in Cafés mit lauter Musik. Dann muss sie schnell sein, treibend, gerne funkig. Mit der einen Hand möchte ich dann schreiben und mit der anderen im Rhythmus auf den Tisch hauen.</p>
<p>BLANK: Berlin ist für Dich die ideale Stadt zum Schreiben, ja?<br />
TR: Nein, überhaupt nicht. Aber sie ist gut zum Leben. Das ­Schreiben muss dann damit klar kommen.</p>
<p>BLANK: Inwieweit ist Thomas Pletzinger eine große Hilfe für das Buch gewesen?<br />
TR: Ich teile mir mit ihm ein Schreibbürozimmer, und er hat den ganzen Schreibprozess über mein Gejammer anhören müssen. Darüber hinaus hat er, genau wie der andere Büroin­sasse Saša Stanišic, tausend kluge Anmerkungen und Vorschläge gemacht.</p>
<p>BLANK: Dein Wikipedia-Eintrag – magst Du das Bild?<br />
TR: Seltsam ist vor allem, dass dort ein Glas Rotwein vor mir steht. Ich trinke während Lesungen nie Rotwein. Ich glaube, das wurde im Nachhinein da reingephotoshoppt.</p>
<p>BLANK: Vor Lesungen bist du relaxed?<br />
TR: Das wüsste ich aber.</p>
<p>BLANK: Schreibst du bereits an einem neuen Werk?<br />
Eigentlich wollte ich gleich am Tag nach der Buchabgabe mit etwas Neuem beginnen. Das war ein fester Entschluss. Aber dann ist irgendwas dazwischen gekommen. Und dann noch etwas.</p>
<p>BLANK: Ich kenne leider bis dato nichts von deiner Band „Fön“. Wie sollte ich beim Nachholen vorgehen?<br />
TR: Wir sind mit Fön gerade in einem sehr schläfrigen Ruhemodus. Und da sich unser musikalisches Gesamtwerk auf zwei CDs beschränkt, geht das Nachholen schnell. Zum Kennenlernen kann man sich auch bei youtube ein paar Stücke anhören. Die sind zwar sechs Jahre alt, aber wir entwickeln uns ohnehin nicht weiter.</p>
<blockquote><p>Eigentlich wollte ich gleich am Tag<br />
nach der ­Buchabgabe<br />
mit etwas Neuem beginnen.<br />
Das war ein fester Entschluss.<br />
Aber dann ist irgendwas<br />
dazwischen gekommen.<br />
Und dann noch etwas.</p>
</blockquote>
<p>BLANK: Wo siehst du dich in 50ig Jahren?<br />
Ich fürchte, da bin ich tot.</p>
<p>BLANK: Und was machst Du heute noch so?<br />
Weiterleben.</p>
<p>Noch nachzureichen:</p>
<p>Lieber Roman,<br />
hier sind nun meine Antworten.<br />
Ich merke gerade, dass ich beim schriftlichen Antworten ungewohnt schnippisch werde –<br />
das ist nicht so gemeint.</p>
<p>Gute Grüße von<br />
Tilman</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Einige der besten Zeilen des Buchs:</h2>
<p><em>Man könne ja niemanden zu seinem Glück zwingen, sagte er. Schon aus rein rechtlichen Gründen, sagte er. Da habe er sich erkundingt, sagte er.</em> // <em>Sie versuchen probehalber einen Fuß in Gang zu setzen, aber das Signal verläuft sich, biegt falsch ab, landet im Finger, der krümmt sich, und er krümmt sich wahnsinnig laut. </em>// <em>Ich kaufe Schirmmützen und Sonnenbrillen für die Tarnung, ich kaufe Tesafilm und Lakritzschnecken, um daraus aus Bedarf falsche Schnurbärte zu basteln. </em>// <em>In irgendeiner Richtung liegt wohl das glückliche Ende, und ich habe nicht die geringste Ahnung, welche das sein könnte.</em> // <em>Und am liebsten hätte ich sie umarmt, am liebsten hätte ich sie gefragt, ob sie uns nicht in den verleibenden Stunden Gesellschaft leisten wolle, aber noch bevor ich überlegen konnte, ob es wirklich eine gute Idee wäre, jetzt noch eine neue Figur einzuführen, war sie schon weggefahren, und ich konnte das gut verstehen.</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein unmöglicher Versuch mit Sibylle Berg</title>
		<link>http://www.blank-magazin.de/wp/2012/10/ein-unmoglicher-versuch-mit-sibylle-berg/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Oct 2012 08:03:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>
		<category><![CDATA[Sibylle Berg]]></category>

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		<description><![CDATA[Sich einer Großmeisterin wie Sibylle Berg zu nähern ist schwerig. Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass es mir schließlich nie so gelingen würde, wie ich wollte. Aus diesem Grund strich ich all meine Fragen auf zehn Wörter zusammen, in der Hoffnung, sie würde das verstehen. Und hier lesen sie das Ergebnis:]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sich einer Großmeisterin wie Sibylle Berg zu nähern ist schwerig. Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass es mir schließlich nie so gelingen würde, wie ich wollte. Aus diesem Grund strich ich all meine Fragen auf zehn Wörter zusammen, in der Hoffnung, sie würde das verstehen. Und hier lesen sie das Ergebnis:</p>
<a href="#" data-accordion-group="808" class="accordion-title">Weiter <img class="weiter-icon" width="15" height="10" alt="weiter lesen" src="http://www.blank-magazin.de/wp/wp-content/themes/blank/images/btn_lesen.png"></a><div class="accordion-content">
<h3>Schriftstellerin?</h3>
<p>Wollte ich seit ich 5 war werden. Weil – ja vermutlich weil ich Angst vor Lokomotiven hatte. Tja, da denken Sie jetzt mal darüber nach. Geschrieben habe ich dann später tonnenweise Geschichten, 2 unveröffentlichte Romane, und der Antrieb war nur, besser zu werden, so gut, dass ich irgendwann sagen würde: &#8220;So, dass ist jetzt mal richtig gut. Inhalt und Form stimmen, ich sage alles, was ich wollte, und die Menschen tragen mich auf Händen für die Warheit, die ich Ihnen geschenkt habe.&#8221; Das wird wohl nie passieren.</p>
<h3>Schweiz?</h3>
<p>Westdeutschland war mir zu groß. Oder ich weiss nicht. Nach der DDR habe ich einen Ort gesucht, an dem ich keine Angst haben muss. Ein wenig pathologisch, ich gebe es zu. In der Schweiz habe ich mich immer wie in einem Schaumbad gefühlt. Nicht wegen der Steuern des Reichtums, eigentlich ist das Land zu teuer für Künstlerinnen. Aber es hatte immer mein Tempo, der Humor der Menschen entsprach mir mehr. Irgendwie so etwas ungreifbares.</p>
<h3>Reisen?</h3>
<p>Nachdem ich lange Zeit die Welt besichtigen musste, um ein wenig zu verstehen, Kriege und Armut und alles, was anders ist als bei uns, sehen und begreifen musste, muss ich das heute zwingend nicht mehr. Ich fahre nur noch gerne an Orte, die ich kenne, und an denen mir wohl ist.</p>
<h3>Buchmessen?</h3>
<p>Kotz.</p>
<h3>Toto?</h3>
<p>Mein Idealmensch.</p>
<h3>Leben?</h3>
<p>Eindeutig zu kurz. Erst weiss man nicht, wer man ist und wo und mit wem und warum. Und wenn man das herausgefunden hat, muss man auch schon langsam den Sarg packen.</p>
<h3>Autoren?</h3>
<p>Wild durcheinander, zu allen Zeiten unterschiedlich wichtig. Upton Sinclair, Bret Easton Ellis, Murakami, Zola, Greer, Phillipe Djian.</p>
<h3>Weiss?</h3>
<p>Ich hab es eigentlich schwarz lieber, ich finde es lustiger in Punkkneipen (ok, die gibt es nicht mehr) als mit Engeln zu reden. Schwarzer humor, schwarze sachen contra weisse Lichtarbeiter.</p>
<h3>Netzwerke?</h3>
<p>Prima. Also online? Prima. Oder in Echtzeit? Prima.<br />
Ohne andere ist das Leben doch komplett unerträglich. Große Liebe zum Internet, große Liebe zu Nerds, große Liebe zu all dem Raum im Netz, den ich noch nicht verstehe.</p>
<h3>Genuss?</h3>
<p>Dauernd. Wenn nicht Buchmesse. Ich bin der trägste, genussvoll vor sich hinsabbernde Mensch, den ich kenne.</p>
<img class="alignleft size-full wp-image-821" title="Berg_23970_MR1.indd" src="http://www.blank-magazin.de/wp/wp-content/uploads/2012/10/978-3-446-23970-8-Kleines-Cover-120x1952.jpg" alt="" width="120" height="195" />
</div>
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		</item>
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		<title>Phillipe Djian</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Oct 2012 19:15:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Mario]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>

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		<description><![CDATA[Bücher haben bei vielen meiner Freunde den Ruf, langweilig und einschläfernd zu sein. Umständliche Sätze, endlose Beschreibungen anstatt fesselnder Geschichten. Das muss verflucht noch mal nicht sein! Ein Ansatzpunkt. Durch den Bezug zum Autor oder die Hintergründe, warum dieser oder jener Roman geschrieben wurde, kann Verborgenes sichtbar und ein Buch zu mehr als einem Buch [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Bücher haben bei vielen meiner Freunde den Ruf, langweilig und einschläfernd zu sein. Umständliche Sätze, endlose Beschreibungen anstatt fesselnder Geschichten. Das muss verflucht noch mal nicht sein! Ein Ansatzpunkt. Durch den Bezug zum Autor oder die Hintergründe, warum dieser oder jener Roman geschrieben wurde, kann Verborgenes sichtbar und ein Buch zu mehr als einem Buch werden. Kinderleicht. Mir geht es jedenfalls so. Hier ein weiterer Versuch, ein Buch für dich lebendig zu machen.<span id="more-36"></span></p>
<p>Was wusste ich über Phillipe Djian vor unserem Treffen?</p>
<p>Phillipe Djian wurde am 3.6.1949 geboren. Als Sohn eines algerischen Handwerkers wuchs er in Paris auf. Fast alle seine Bücher beschäftigen sich im schroffen Ton mit den Trivialitäten des Lebens. Vor 20 Jahren schrieb er sich mit &#8220;Betty Blue&#8221; weltweit in die Herzen der Menschen, ein Roman, der heute noch in einem Atemzug mit Werken wie Salingers &#8220;Der Fänger im Roggen&#8221; oder Kerouacs &#8220;Unterwegs&#8221; genannt wird. In der französischen Literaturszene gilt er als Einzelgänger. Er gibt keine Lesungen in Frankreich. Für mich war er immer eine Art Tarantino der schreibenden Zunft.</p>
<p>Was wusste ich über &#8220;Betty Blue&#8221;? Es ist die Geschichte einer &#8220;Amour fou&#8221; zwischen dem Gelegenheitsarbeiter und Schriftsteller Zorg und der jungen Betty. Für mich ist &#8220;Betty Blue&#8221; eine der schönsten Liebesgeschichten überhaupt, die nichts an Verrücktheit vermissen lässt und darüber hinaus mit einem gewaltigen Ende aufwartet.</p>
<p>30 Minuten mit dem Kultautor. Ich schalte das Tonband an.</p>
<p><em>Minute 30</em>: &#8220;Ein Schriftsteller braucht riesige Lebenserfahrung. Wie soll jemand schreiben, der nichts erlebt hat?&#8221;</p>
<p><em>Minute 29</em>: &#8220;Ein Magazin bat mich, eine Seite über Quentin Tarantino zu schreiben. Für mich kopiert Tarantino gut und hat ein enormes Gefühl für Dialoge. Tarantino macht B-Movies, ein bisschen wie ich selbst in meinen Büchern.&#8221;</p>
<p><em>Minute 28</em>: &#8220;Ich mag die Serien &#8220;Sopranos&#8221; und &#8220;Six feet under&#8221;, die ich durch meine fernsehverrückte Tochter kennen gelernt habe.&#8221; &#8220;Wenn ich ein Tier wäre, dann wohl irgendein Vogel.&#8221;</p>
<p><em>Minute 26</em>: &#8220;Mein letzter Urlaub liegt lange Zeit zurück, habe ich die Schnauze voll von Paris, ziehe ich mich in mein Ferienhaus nach Biarritz zurück.&#8221;</p>
<p><em>Minute 25</em>: &#8220;Das Internet als Recherchemittel ist nicht zu unterschätzen.&#8221;</p>
<p><em>Minute 24</em>: &#8220;Mit dem Geld von Betty Blue kaufte ich mir einen Mercedes und floh vor dem Rummel nach Amerika.&#8221;</p>
<p><em>Minute 22</em>: &#8220;Ich will mein Schreiben ständig verbessern, das treibt mich an.&#8221; Minute 20: &#8220;Entspannen kann ich nur außerhalb von Großstädten.&#8221;</p>
<p><em>Minute 19</em>: &#8220;Als Kind wollte ich immer Musiker werden, weil ich aber auf einem Ohr taub bin, wurde nichts aus diesem Traum.&#8221;</p>
<p><em>Minute 18</em>: &#8220;Ein Schriftsteller braucht Talent und Willen, beides zu gleichen Teilen.&#8221;</p>
<p><em>Minute 17</em>: &#8220;Als Buch empfehle ich &#8220;Tokio Express&#8221; von Richard Brautigan.&#8221;</p>
<p><em>Minute 16</em>: &#8220;Ich wurde nie von einer Schreibblockade heimgesucht. Warum auch?&#8221; &#8220;Ich benutze gerne Klischees, breche sie auf und lasse somit Neues entstehen.&#8221;</p>
<p><em>Minute 13</em>: &#8220;Für Lars van Trier habe ich früher sogar Plakate geklebt, wofür sich Trier schriftlich bei mir bedankt hat.&#8221;</p>
<p><em>Minute 11</em>: &#8220;Sprache muss so bearbeitet werden, dass sie in die jeweilige Zeit passt.&#8221;</p>
<p><em>Minute 10</em>: &#8220;Das heutige französische Kino ist nicht wirklich meins.&#8221; &#8220;Scorsese-Filme siehe ich mir gerne an.&#8221;</p>
<p><em>Minute 8</em>: &#8220;Seit Shakespeare gibt es nichts Neues mehr zu erzählen&#8221; &#8220;Am liebsten trinke ich einen Martini Dry oder Wasser.&#8221;</p>
<p><em>Minute 4</em>: &#8220;Jegliche Form von nachträglicher Überarbeitung an meinen Werken lehne ich ab. Nur meine Frau hat mich einmal zu einer Korrektur bewogen.&#8221; &#8220;Täglich schreibe ich 500 Wörter, eine Seite, aber nie mehr als 5 Stunden.&#8221; &#8220;Für ein Buch brauche ich in der Regel ein Jahr.&#8221;</p>
<p><em>Minute 3:</em> &#8220;Seit 30 Jahren bin ich mit meiner Frau zusammen.&#8221; &#8220;Ich bin zufrieden.&#8221;</p>
<p><em>Minute 2</em>: &#8220;Heute überlasse ich die In-Treffs lieber Houllebeq und Beigbeder, deren Bücher ich nett finde.&#8221;</p>
<p><em>Letzte Minute</em>: &#8220;Ich will über meine Literatur reden, nicht über mich.&#8221;</p>
<p>Das Interview ist zu Ende, aber Djian hat sich bei den Fragen &#8220;unterhalten gefühlt&#8221;. Gewonnen. Er meint, &#8220;es reicht auch, wenn er eine Minute vor Lesungsbeginn&#8221; eintrifft. Wir machen ohne Tonband weiter.</p>
<p>Djian lehnt sich zurück und erzählt über den Abbruch seines Literaturstudiums (Urteile sind &#8220;obszön&#8221;), seine vielen Gelegenheitsjobs (zum Beispiel als Docker in Paris-Le Mans), über seinen ersten Roman &#8220;50 zu 1&#8243; ( diesen hat er, nicht wie oft &#8220;Betty Blue&#8221; fälschlicherweise angelastet, während seiner Arbeit in einer Mautstelle geschrieben) und wie sehr ihn erotische Literatur langweilt.</p>
<p>Anschließend fragt er G., der mir freundlicherweise übersetzt, nach seinem Leben, speziell nach seiner Sicht über ihre gemeinsame Heimat (&#8220;Paris ist nach einem Leben des Herumreisens doch noch meine Heimat geworden.&#8221;) und fragt nach seiner Meinung über &#8220;Betty Blue&#8221; (Für Djian ist dies nicht die Liebesgeschichte zweier Menschen, sondern von ein und derselben Person.).</p>
<p>Zwischen den drei Büchern, die ich ihm mitgebracht habe, schreibt er mir eine Widmung in den &#8220;Fänger im Roggen&#8221; (&#8220;Das Buch, mit dem für mich alles begann.&#8221;), dann zieht er seine Schiebermütze auf und wenig später schlappen wir gemeinsam durch den Münchner Regen.</p>
<p>&#8220;Das Leben kann man nicht durch Philosophie, Meister oder Heilige lernen, man muss an die Quelle, man muss leben&#8221;, hallt sein Satz am nächsten Morgen in meinen Ohren nach.</p>
<p>Zuletzt erschien von Djian der Fortsetzungsroman &#8220;Doggy Bag&#8221; im Stile einer modernen Soap.</p>
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		<item>
		<title>Thomas Glavinic</title>
		<link>http://www.blank-magazin.de/wp/2012/08/thomas-glavinic/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Aug 2012 08:10:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Kehlmann]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Glavinic]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href="http://www.blank-magazin.de/wp/2010/10/thomas-glavinic/thomas-glavinic/" rel="attachment wp-att-705"><img class="alignnone size-full wp-image-705" title="Thomas Glavinic" src="http://www.blank-magazin.de/wp/wp-content/uploads/2012/10/Thomas-Glavinic.jpg" alt="" width="550" height="200" /></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>An einem verregneten Mittwoch Nachmittag treffe ich den Schriftsteller Thomas Glavinic. Vor unserem Interview war mir bekannt, dass er 37 Jahre alt ist, dass „Das Leben der Wünsche“ seine siebte Romanveröffentlichung ist, die er alle auf einer 30 Jahre alten Schreibmaschine, für die es kaum noch Farbbänder gibt, getippt hat und dass er nach Daniel Kehlmann, mit dem er befreundet ist, der meistübersetzte Autor der jüngeren österreichischen Generation ist. Was heißt das nun? Keine Ahnung.</p>
<p><span id="more-703"></span></p>
<p>Macht mir Thomas Glavinic Angst?<br />
15 Uhr. Ein Büro des Hanser Verlages.<br />
In einem schwarzen Pulli mit Reißverschluss über dem weißen T-Shirt sitzt er in einem kleineren Verlagszimmer, weil die Fassade gerade restauriert wird, seelenruhig vor mir.<br />
Hat er mitbekommen, dass ich ein Fan bin und deswegen meine Hände schwitzig sind?</p>
<p>Es scheint ihn nicht zu interessieren und augenscheinlich erwartet er die immer gleichen Antworten, auf die immer gleichen Fragen. Ich tue ihm den Gefallen und er spult ab, dass er von der Idee bis zum ersten getippten Buchstaben eines neuen Romans im Durchschnitt ein Jahr verstreichen lässt, dass er zur immer gleichen Musik von Stereolab schreibt, und dies jeden Tag gleich nach dem Aufstehen bis er zwei Seiten zusammen hat, ein Umstand der auf seiner alten Schreibmaschine bis zu 6 Stunden in Anspruch nehmen kann, da sie keine Löschtaste besitzt. Weiter führt er aus, dass er seinen zweiten Roman „Herr Susi“ am liebsten nie veröffentlich hätte, sein Schreiben sich aus Motiven zusammensetzt, was an der ersten Seite seines vorletzten Buches „Das bin doch ich“ sehr veranschaulicht wird, er dem Leser oberflächliches wie tiefes Lesen ermöglichen will, man von Buch zu Buch besser wird, er immer versucht einen Erstling zu schreiben, es ihn freut, wenn seine Leser noch Wochen später über ein Motiv des Buches stolpern, er einen Notizblock neben dem Bett hat, sein Stil und Inhalt zu einem Ganzen werden sollen, er sich als Schriftsteller mittlerweile sehr gut kennt und die Struktur eines Romans zu verstehen glaubt. Im Schreiben, so sagt er, geht es ihm um Wahrheit.</p>
<p>(Zitat aus seiner gestrigen E-Mail:<br />
<em>„Mir geht es beim Schreiben nicht um Wahrheit, sondern um Wahrhaftigkeit &#8211; das ist ein wichtiger Unterschied.“</em>)</p>
<p>Er nippt an einem Kaffee, zitiert Dürrenmatt, verweist auf die Unterschätzung von Bukowskis Kurzgeschichten und verweigert Fragen über sein Privatleben. Ich bin eingeschüchtert.</p>
<p>Über sein jüngstes Werk war mir durch oberflächliches Durchlesen bekannt, dass sich die Geschichte um seinen bereits in „Die Arbeit der Nacht“ etablierten Protagonisten Jonas dreht, der nachdem ein Penner ihm drei Wünsche schenkt, mit der Jackpotantwort „Alle meine Wünsche sollen in Erfüllung gehen“ glänzt. Ab diesem Zeitpunkt scheint sich der Mist aus Jonas Unterbewusstsein zu verselbstständigen.</p>
<p>(Zitat aus seiner gestrigen E-Mail:<br />
<em>„Der Wunschmann ist kein Penner. Er ist einfach unrasiert. Aber er trägt einen Anzug, und er riecht nach Bier. Beides trifft auch auf mich gelegentlich zu, ohne dass ich die Bezeichnung „Penner“ für mich als zutreffend erachtete.“</em>)</p>
<p>Macht mir Thomas Glavinic Angst? 20 Uhr. Literaturhaus. Auf der Bühne trägt er ein schwarzes Sakko über dem schwarzen Hemd, unter dem eine Goldkette aufblitzt. Er liest die ersten zwei Kapitel komplett, überspringt das Dritte, liest dann aus dem Vierten. Kein Zweifel er ist ein Vorleser, so gut, wie ich es selten gehört habe. Anschließend beantwortet er die immer gleichen Fragen, wie Nachfragen auf das von ihm gedruckte Interview im „Playboy“ mit treffenden Worten und bringt das Publikum zum Lachen. Seine Perfektion schüchtert mich ein.</p>
<p>(Zitat aus seiner gestrigen E-Mail:<br />
<em>„Ich möchte dringend darauf hinweisen, dass ich keine Goldkettchen trage. Meines ist aus Silber, und ich trage es, weil es mir mein Sohn geschenkt hat.“) </em></p>
<p>Einige der besten Zeilen des Buches:<br />
<em>In der warmen Jahreszeit summieren sich die vielen kurzen Blicke in hübsche Gesichter, auf nackte braune Schenkel, auf Bäuche und in Dekolletés, die sich im Laufe des Tages präsentiert hatten, meist zu einem Wunsch nach Entladung und Befreiung, sie kulminieren in der Lust auf einen friedlichen Orgasmus // Allmählich glaube ich, du bist gar nicht wirklich nett, du willst im Gegenteil die Menschen quälen, indem du sie durch wiederholte Zuwendung unter Druck setzt // Jede Frau hatte eine klein wenig andere, eine besondere Art zu lieben, und Jonas war verrückt nach der von Marie. // Antworten auf die Fragen des Lebens, die ihn beschäftigten, hatte er immer schon in der Liebe gesucht. // Ihn erfüllte eine so schmerzhafte, wütende Sehnsucht nach ihr, dass er sich im Schlafzimmer einsperrte, um mit sich und seinem Bild von ihr allein zu sein. // Hinter seiner Stirn knackte es wie unter Wasser. // Wenn ich jemals an den Everest käme, weißt du, was ich sagen würde? Diesem Berg widme ich all meine Berge. // Mit aller Kraft versuchte er sich im Hier und Jetzt festzuhalten. // Machs gut, sagte er schnell zu Helen. Und schloss in sich die Tür. // Im Wein schwamm eine Mücke. Er fischte sie mit Hilfe der Serviette heraus. Sie lebte noch. Er freute sich. // Einen Zahn zu verlieren ist wie ein kleiner Tod. // Jonas hatte das Gefühl, an sich zu ertrinken. // Er konnte sich geradezu selbst noch spüren, das, was er beim letzten Mal von sich hier gelassen hatte. // Weltausschaltcode, sagte Jonas. Was? Vielleicht gibt es ein Kürzel am Computer, das die ganze Welt ausschaltet. </em></p>
<p>Macht mir Thomas Glavinic Angst?<br />
22 Uhr. Restaurant Oskar Maria. Thomas Glavinic hat eine Dame des Hanser Verlages gebeten mich zum Essen zuzuladen. Er hat das Sakko abgelegt und trinkt denselben Weißwein, der ihm zur Lesung gereicht wurde. Ich entschwinde zum Rauchen nach draußen, obwohl er, der früher bis zu vier Schachteln täglich geraucht hat, mir erklärt, dass Nikotin bei ihm im hohen Maße Nervosität und körperliches Unwohlsein hervorrief. Bereits nach drei Zügen merke ich, dass er Recht hat und bin noch mehr eingeschüchtert.</p>
<p>(Zitat aus seiner gestrigen E-Mail:<br />
<em>„Ich möchte niemanden einschüchtern. Ich hoffe, dieses Gefühl hat sich bei Dir nachhaltig gelegt.“) </em></p>
<p>Obwohl Thomas Glavinic mit jedem Buch das Genre wechselt, ist er auch in seinem neuesten Roman der Sprachvirtuose, der wahnwitzige Geschichten spinnt, die einem auf wunderbar lakonische Weise den Spiegel vorhalten.</p>
<p>24 Uhr.<br />
Eine Kurzmitteilung von ihm. „Sind im Schumanns. Kommst du noch nach?“<br />
Bevor ich ihn sehe, renne ich den Machern eines honorigen deutschen Magazins in die Arme. Auch sie haben Glavinic bereits ausgemacht und murmeln hinter vorgehaltener Hand vom „Starautor“. Ich setze mich zu ihm. Er lacht viel, eröffnet, dass er seit Jahren von Tsunamis träumt, erzählt von vergangenen exzessiven Alkoholnächten, dass er sich heute besser im Griff hätte, bestellt einen Gin Tonic, beantwortet meine Frage, ob er glücklich sei, mit einem einfachen „Nein“, und bringt mich zum Grinsen. Meine Schüchternheit ist verflogen. Über den Tag denke ich seinen Humor verstehen zu können, denke ihm ein wenig auf die Schliche gekommen zu sein und sehe einen gut gelaunten, herzlichen Menschen vor mir, der in seinen Büchern bewusst alles offen legt und dadurch unangreifbar, wie uneinschätzbar wird. Wir stoßen an und er gibt mir ein gutes Gefühl.</p>
<p><strong>Ich: „Was wäre deine Henkersmahlzeit?“<br />
Er</strong>: „Ich habe mal gelesen, dass jemand darauf „etwas Fertiges“ geantwortet hat.“</p>
<p>2 Uhr. Johannesstüberl.<br />
Er bestellt sich einen Kaffee.<br />
Kaffee? „Ja, um besser einzuschlafen.“<br />
Und da ist er mir wieder entwischt. Sein Gesicht verrät, dass er das weiß.</p>
<p>Eine halbe Stunde später hält das Taxi an seinem Hotel und wir verabschieden uns. Kurz sehe ich ihm nach und weiß, dass ich diesen Glavinic vermissen werde, auch wenn er das sicher nicht gerne lesen wird.</p>
<p>(Zitat aus gestriger E-Mail von Thomas Glavinic:<br />
<em>„Den Text finde ich sehr gut gemacht, obwohl ich zuviel gelobt werde. Trotzdem wird es mich freuen, Dich bei meinem nächsten München-Besuch wiederzusehen. Liebe Grüße, Thomas“</em>)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Friedrich Ani</title>
		<link>http://www.blank-magazin.de/wp/2012/07/friedrich-ani/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Jul 2012 08:13:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Ani]]></category>
		<category><![CDATA[Totsein verjährt nicht]]></category>

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		<description><![CDATA[An einem lauen Mittwochssommerabend traf ich den Schriftsteller Friedrich Ani, in dem von ihm gewählten Münchner Stadtcafé. Seit seinem grandiosen Buch „Verzeihen“, das ich vor nicht allzu langer Zeit zum zweiten Mal las, hatte ich den Entschluss gefasst, um ein Treffen zu bitten. Mit „Totsein verjährt nicht“, der realitätsnahen Geschichte über das Verschwinden einer Achtjährigen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>An einem lauen Mittwochssommerabend traf ich den Schriftsteller Friedrich Ani, in dem von ihm gewählten Münchner Stadtcafé. Seit seinem grandiosen Buch „Verzeihen“, das ich vor nicht allzu langer Zeit zum zweiten Mal las, hatte ich den Entschluss gefasst, um ein Treffen zu bitten. <span id="more-712"></span>Mit „Totsein verjährt nicht“, der realitätsnahen Geschichte über das Verschwinden einer Achtjährigen und der darauf folgenden scheinbar an den Haaren herbeigezogenen Inhaftierung eines geistig zurückgebliebenen Mannes wegen Mordes, war es also soweit. Dennoch muss ich gestehen, dass der Zeitpunkt nicht wirklich glücklich war, da das besagte Buch erst gegen Mittag in meinem Postkasten lag und ich in der verbleibenden Zeit nicht weiter als bis Seite 168 gelangt war. Wie soll man über ein Buch sprechen, dessen Ende zu lesen einem über die gesamte Dauer des Gespräches unter den Nägeln brennen wird? Ich hatte Glück, denn Friedrich Ani besaß vollstes Verständnis dafür, dass ich Polonius Fischer, der vom Mönch zum Kommissar wurde und dem Ani nun zum dritten Mal Leben eingehaucht hat, in meinen Gedanken nachhing. Kein Wunder, bezeichnet der Autor auch sich selbst in seinen Schreibphasen als von seinen Figuren besessen. Nachdem ich zu Beginn also reinen Tisch gemacht hatte, wandte ich mich meinen vorbereiteten Fragen zu, wobei jedoch schnell klar wurde, dass wir sie nicht brauchen würden. Ich hatte zum zweiten Mal Glück, denn Friedrich Ani sagt von sich selbst, dass er gerne schweigt, doch muss ich mir wohl soviel Mühe gegeben haben, dass sich ein bis in die Nacht andauerndes Gespräch entwickelte, in dem ich mich die ganze Zeit über dicht auf den Fersen des wohl besten deutschen Kriminalromanautors befand, aber vorab:</p>
<p>Was wusste ich vor unserem Treffen?</p>
<ul>
<li>dass Herr Ani den Kriminalroman als bestes Gewand für seine Geschichten ansieht.</li>
<li>dass Herr Ani seine Figuren nicht findet, sondern sie ihn, manchmal sogar gleichzeitig 12 auf einmal.</li>
<li>dass Herr Ani laut Pressestimmen ebenfalls das Fach der Lyrik und Jugendromane beherrscht.</li>
<li>dass Herr Ani in Kochel am See geboren ist, heute das Großstadtleben bevorzugt und in München lebt.</li>
<li>dass Herr Ani in 11 Jahren mehr als zwanzig Bücher herausgebracht hat.</li>
<li>dass Herr Ani mit seinem bekanntesten Protagonisten Tabor Süden, Hauptkommissar im Vermissten-Dezernat der Münchner Kripo, durch dreizehn überaus erfolgreiche Bücher, sowie zwei Verfilmungen (gespielt von Ulrich Noethen) gewandert ist und ihn entgegen seiner damaligen Ankündigung nach vier Jahren Abstinenz mit einem neuen Fall zurückkehren lassen will.</li>
<li>dass Herr Ani die Bücher von Juan Carlos Onetti überaus schätzt. – dass Herr Ani auch Drehbücher geschrieben hat.</li>
<li>dass Herr Ani neben zahlreichen anderen auch den deutschen Krimipreis und den staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayerischen Kultusministeriums erhalten hat.</li>
<li>dass Herr Ani schweren Rotwein liebt.</li>
</ul>
<p>In unserem Gespräch erfuhr ich: Friedrich Ani ist der seine Eltern an körperlicher Größe überragende Sohn einer Schlesierin und eines Arabers, die ihn lieber als Arzt sehen würden, als „bei dieser Sache, die er macht und die nicht einmal komisch ist“.<br />
Jedes Jahr bereitet es ihm um die Weihnachtszeit großes Vergnügen die Trilogie des Paten in den DVD-Spieler zu legen und er ist großer Anhänger der amerikanischen Sitcom „Two and a Half Men“. Seine journalistische Tätigkeit hat er aufgrund seiner Leidenschaft, eigene Wirklichkeiten zu kreieren ad acta gelegt und auch seine Internet-Aktivitäten beschränken sich auf ein Mindestmaß. Trotzdem versucht er immer wieder, die überzogene Auflistung seiner Lyrikbände auf Wikipedia richtig zu stellen, was aber bis jetzt leider nicht von Erfolg gekrönt wurde. Nach wie vor bevorzugt er Printmedien, die sich wöchentlich in Hülle und Fülle in seiner Wohnung ansammeln. Kritiken steht er relativ gelassen gegenüber, zumal er sowieso nichts beeinflussen könne. Über eine gute Rezension freut er sich ungeachtet dessen zehn, über eine schlechte ärgert er sich fünfzehn Minuten. Bis zum letzten Jahr war er Ersatztorwart der Literaturnationalmannschaft, aus der er, nach einer gewaltigen Zerrung, seinen Rücktritt erklärte. Er ist bescheiden, mag Musik von Bob Dylan und vergleicht das Tippen seiner Zeilen gerne mit dem Zupfen an den Saiten einer Akustikgitarre. Auftragsbücher sind für ihn tabu, da er ohnehin schon zu viele Ideen im Kopf habe. Vor Lesungen ist er, obwohl er dachte das würde sich über die Jahre legen, nach wie vor von Lampenfieber geplagt. Sein liebstes Fortbewegungsmittel ist das Schiff, nicht nur wegen seiner Flugangst. All seine Figuren entstammen alleinig der Phantasie von Friedrich Ani und Freunde wie Bekannte müssen nie befürchten, jemals in einem seiner Romane zu erscheinen. Er schreibt bei geschlossener Tür, ist aber der erste Entwurf fertig gestellt, öffnen sich Fenster und Türen wieder und es geht an die Korrekturen. „Es gibt keine nötige Stimmungslage für eins meiner Bücher, man muss sich nur selbst aushalten können“, sagt Herr Ani und lacht ansteckend. Seine eigenen Ergüsse zu lesen ist für ihn dennoch verwirrend. Für den Schweden Per Olov Enquist hegt er große Bewunderung. Trotz seines Faibles für Rotwein trinkt er dieses Jahr ausschließlich Weißwein, warum weiß er selbst nicht so genau und „Totsein verjährt nicht“ ist sein dreiundzwanzigster Kriminalroman, dessen Thema durch die Einlösung eines länger zurückliegenden Versprechens begünstigt wurde.</p>
<p>Einige der besten Zeilen:<br />
Die Stimme des Jungen klang heiser. Aber es war eine Stimme, die Stimme eines anwesenden Menschen. // Eher sah Marcel aus wie ein Geist, der aus der Geisterbahn vertrieben worden war und nicht begriff, wieso. // Die Frau hat ein Hassgeschwür im Herzen. // Er hob die Hand, wandte sich um und schlurfte bei Rot über die Kreuzung, nach vorn gebeugt, die Hände in den Taschen, ein lederner Schatten im nebligen Dunkel. // Marcel wollte nur in ihrer Nähe sein, weil die Nähe der anderen ihm fremd blieb und er sich vorkam wie einer, der von ihnen nicht gemeint war, von ihren Worten, Gesten, Blicken. // Obwohl er seit vierzehn Jahren bei der Mordkommission arbeitete, kam er sich manchmal wie ein Gyrovage vor, wie einer jener umherziehenden Mönche auf der Suche nach dem einen Ort seiner Bestimmung. // Nach vorn gebeugt saß sie da, die Hände flach auf dem Tisch, beschwert von Ahnungen. // So vertrockneten und zerbröselten ihre Wünsche und Gedanken, und wenn sie es bemerkten, waren sie alt geworden. // An den Tischen in dem dunklen, durch Balustraden und Nischen unterteilten Lokal saßen vereinzelt oder zu zweit Gäste, die aussahen, als wären sie nach Verkündigung des allgemeinen Rauchverbots in Gaststätten im Schock erstarrt und versuchten nun herauszufinden, welchen Sinn der Alkohol und die Existenz an sich noch hatten. // Am liebsten wäre sie ausgestiegen und hätte Fischer all das ins Gesicht geschrieen, was sie ihm den ganzen Tag über nicht hatte sagen können. Dass sie nämlich aus Angst um ihn langsam durchdrehte, dass er ihr ununterbrochen Angst einjagte, dass die Luft um ihn herum nur noch aus Angst bestand und dass jeder, der in seine Nähe kam, von dieser Angst um den Verstand gebracht wurde. „Scheiß dir nicht in die Hose“ schrie sie, als der Lkw-Fahrer hinter ihr wieder zu hupen anfing. // Deswegen hab ich so gezittert, weil die Angst so geflattert hat in mir, die Fledermausangst. // Immer dieselben Geschichten, dieselbe Egozentrik, dasselbe innere Gefängnis.</p>
<p>Nach unserem Gespräch:<br />
Hastig verschlang ich in tiefer Nacht die restlichen 117 Seiten des Buchs, woraufhin sich bei mir ein Gefühl der Seeligkeit einstellte, aber gleichzeitig ebenso ein Hunger nach Polonius Fischer, nach Tabor Süden, sämtlich nach mehr Stoff von Herrn Ani, auch wenn ich zu dem Genre, abgesehen von der „New York Trilogie“, „Verzeihen“, Simon Brenner und dem Film „Zodiac“ früher nie ernsthaft Zugang fand.</p>
<p>Gestern erreichte mich dann noch folgende E-Mail:<br />
Lieber Roman, bevor ich mich an die Nordsee aufmache, wo ich jedes Jahr das weite Schauen übe, winke ich dir nach unserem gestrigen Treffen noch einmal aus Giesing. Die Zigaretten, die ich von dir schnorren durfte, haben mir gut getan, ich inhaliere noch etwas nach. Jetzt pack ich mehrere Simenons ein und hau ab, bevor mir der Münchner Himmel auf den Kopf fällt.</p>
<p>Herzlich: Fritz</p>
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		<title>Benedict Wells</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 08:18:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>
		<category><![CDATA[Benedict Wells]]></category>

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		<description><![CDATA[Bücher haben bei vielen meiner Freunde den Ruf, langweilig und einschläfernd zu sein. Umständliche Sätze, endlose Beschreibungen anstatt fesselnder Geschichten. Das muss verflucht noch mal nicht sein! Ein Ansatzpunkt. Durch den Bezug zum Autor oder die Hintergründe, warum dieser oder jener Roman geschrieben wurde, kann Verborgenes sichtbar und ein Buch zu mehr als einem Buch [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Bücher haben bei vielen meiner Freunde den Ruf, langweilig und einschläfernd zu sein. Umständliche Sätze, endlose Beschreibungen anstatt fesselnder Geschichten. Das muss verflucht noch mal nicht sein! Ein Ansatzpunkt. Durch den Bezug zum Autor oder die Hintergründe, warum dieser oder jener Roman geschrieben wurde, kann Verborgenes sichtbar und ein Buch zu mehr als einem Buch werden. Kinderleicht. Mir geht es jedenfalls so. Hier der Versuch, einen Roman für dich lebendig zu machen. „BECKS LETZTER SOMMER“ <span id="more-718"></span></p>
<p>„Ich habe den Roman in einer Wohnung, ohne Heizung und mit Klo auf dem Gang geschrieben.“ Ich traf mich an einem Sonntag um achtzehn Uhr im Münchner „Schummans“ mit dem jüngsten Autor des Diogenes Verlag. Natürlich hatte ich sein Portrait auf dem Buchrücken beim Lesen der 455 Seiten nicht nur einmal angesehen, aber trotzdem hätte ich ihn nicht erkannt. Wie auch, seine Haare waren auf einmal, zwar nicht ganz geschoren, aber doch sehr kurz rasiert. Zurückhaltend kam er herein. „Hier war ich noch nie. Ich mag Schicki-Micki nicht so“, sagte er mit großen Augen, was ihn für mich bereits äußerst sympathisch machte. Abgesehen von der nun zu Ende gegangenen fünfjährigen Flucht nach Berlin, lebt der ehemalige Internatsschüler nun zum ersten Mal richtig in München. Jetzt durfte es auch wieder die Landeshauptstadt sein, denn die ersten zwei Auflagen seines Debütromans waren in Windeseile ausverkauft und somit vorbei die Zeiten, in denen er gezwungen war, die Gemeinschaftstoiletten zu benutzen.</p>
<p>„Joey Goebel ist ein großartiger Schrifsteller“ Anders, als von sich zu reden, begann er noch vor der Rotweinbestellung, einen Kollegen zu loben. Benedict findet, dass dieser Goebel ein besseres Debüt hingelegt hat als er. Der junge Wells selbst schrieb zwei Jahre an „Becks letzter Sonmer“. Wie lange wird dann wohl „Vincent“ vom ersten Tastenklicken bis zur Fertigstellung gedauert haben? „Mir haben hier in München die Kontakte gefehlt, ich war ja immer auf dem Internat. Münchner Freunde hatte ich deshalb kaum welche.“ Als ich ihn vorschnell zum Außenseiter schubladisieren wollte, erklärte er mir: „Auf den Internaten war ich eigentlich der Typ, der immer sehr viele Freunde hatte. Ich habe den Abiturstreich moderiert und solche Sachen. Ich habe ja auch zwei Jahre bei „Menschen bei Maischberger“ gearbeitet und war im Fussballverein in Berlin und so. Es war eher so, dass mich das Schreiben einsam gemacht hat, es war aber eine bewusste Enstcheidung. Ich bin nicht auf der Suche nach Freunden. Ich habe tolle Freunde, nur musste ich für das Schreiben eben ein Stück Geselligkeit aufgeben, das ich früher hatte und jetzt wieder aufgreifen kann.“ Angesprochen auf die Lobeshymnen der Zeitungen und Magazine: „Naja, was sich ein bisschen verändert hat, ist natürlich die Sache mit den Frauen. Ich habe geschrieben, oder ich schreibe natürlich auch für Frauen, ich liebe Frauen und eigentlich schreibt doch jeder Schriftsteller nur für sie.“</p>
<p>Benedict Wells wollte früher immer eine Mischung aus Nick Hornby und John Irving werden.</p>
<p>„Diogenes war immer mein Lieblingsverlag.“ Was sich wie eine Dankbarkeitsgeste gegenüber dem Haus, das ihn veröffentlichte, anhörte, wurde mit unzähligen Geschichten über Bücher, die er früher so gerne gelesen hatte, untermauert. Dann schwärmte er von der, auch in meinen Augen, ausgezeichneten Buchhandlung „Lehmkuhl“ in der Leopoldstrasse und schmückte aus, wie aufgeregt und stolz er gewesen sei, als dort seine Münchner Lesung stattfand.</p>
<p>„Ich bin Schriftsteller.“ Nicht nur einmal hatte der junge Ben, wie er gerne gerufen wird und auch Emails unterschreibt, seine Freunde mit Ideen, Seiten, sämtlich dem Plan, Schrifsteller zu werden, genervt. Ermüdend war für ihn die lange Zeitspanne, die sein Buch bis zur Veröffentlichung brauchte und viele in seinem Umfeld hatten auch nicht mehr an seinen literarischen Werdegang geglaubt. Kein Wunder, „Becks letztes Jahr“, so der Arbeitstitel des Werkes, umfasste in seiner ersten Version knapp 1500 Seiten, da Wells vorab das gesamte Leben seiner Protagonisten niederschreiben musste, um das Gefühl für den besonderen Sommer, „Becks letzten Sommer“, gewinnen zu können.</p>
<p>„Ich mag Beck.“ Zum Inhalt: „Becks letzter Sommer“ ist eine Geschichte über Individualismus und persönliche Freiheit. Auf Deutsch, es geht um Chancen und zwar ungenutzte, genutzte und zukünftige. Der junge, unehrgeizige Lehrer Robert Beck hat sich in seiner Lebensplanung ein wenig verheddert und versucht, sich durch die Liebe, durch Freundschaft und durch seine Musikleidenschaft freizukämpfen. Agiert oder reagiert er nur? „Beim Schreiben habe ich oft an Christian Ulmen gedacht, der wäre perfekt, falls das Buch irgendwann einmal verfilmt wird.“ An diesem Abend klingelte nicht nur einmal das Telefon und sein Agent informierte ihn über ein neues, höheres Angebot für die Filmrechte.</p>
<p>Einige der besten Zeilen des Buchs: <em>Dann sprach Beck davon, dass er gar nicht älter geworden sei, sondern nur unbeweglicher und ängstlicher. // Er hat den Vorfall einfach weggetrunken, dachte er. // Sie lachte wie eine besoffene Courtney Love, also einfach nur Courtney Love. // Vor lauter Geilheit auf Trinkgeld grinsten sie pausenlos. // Er rettete sich in eine Zigarette und sah dem Rauch zu, als wäre es das Wichtigste der Welt. // Er war nicht mehr der Michael Douglas aus Wall Street, er war nur noch irgendeine gewöhnliche Arschgeige an einem heißen Julitag in München. // Es sind Gespräche wie diese, die das Leben als lieblosen Unfug enttarnen, dachte Beck. // Andys gutes Aussehen öffnete Türen, die sein Charakter wieder schloss. // Wie er eingezogen wird, kämpft, verliert, überlebt, seinen Kopf mit grausamen Bildern auflädt, die ihn für den Rest seines Lebens lähmen werden. // Nun, die gute Nachricht ist: Ja, es geht vorbei, sagte er schließlich. Und die schlechte: Alles andere auch. // Dafür sprechen sie gut Deutsch. Tue ich nicht. Wir unterhalten uns gerade in Englisch. // Mir fehlt immer etwas. Wenn ich alleine bin, fehlt mir was, wenn ich mit jemandem zusammen bin, fehlt mir auch was. Da ist immer eine Leere in mir. Die anderen Menschen sehen so glücklich aus, alles wirkt bei Ihnen so leicht. // Wer gedankenbegabt ist, ist auch gedankengefährdet? </em></p>
<p>„Ich bin wirklich gedankengefährdet.“ Ben schläft jede Nacht mit Hörbüchern oder Inforadio ein. Er mag den Klang von Stimmen und läßt sich liebend gerne Geschichten erzählen, weil er sonst die ganze Nacht im Bett liegt, wach bleibt, nachdenkt oder an Kapiteln feilt.</p>
<p>Was ist seine Lieblingsstelle im Buch? Der Tod von Becks Vater. Anfangs hat Beck ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihm, aber eines Nachts träumt er den Herztod seines Vaters nach und fühlt auf einmal mit ihm mit.</p>
<p>Benedict Wells, also Ben, ist, so wie ich ihn über zwölf Stunden kennenlernen durfte, nicht so jung, wie er aussieht. In seinem Kopf existiert ein genauer Plan und er macht sich auch nichts aus Hindernissen. Schreiben befreit ihn, gehört zu ihm und man nimmt diesem Menschen das wirklich gerne ab.</p>
<p>Becks letzter Sommer ist eine Reise. Eine Reise durch Erinnerungen, Vorstellungen über das Leben und die Realität. Das Buch ist witzig, spannend, skurril, melancholisch und ergreifend, oder schlicht: ein Buch über das Mitgefühl.</p>
<p>Sein nächstes Buch „Spinner“, das im Herbst erscheint, wird von einer verrückten Woche in Berlin handeln, in der ein Zwanzigjähriger langsam die Kontrolle über sein Leben verliert.</p>
<p>In seiner gestrigen Email stand noch folgendes: „Wehe du schreibst etwas über meine derzeitige Frisur!!!!! Gruß eines Uncoolen.“</p>
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		<title>Sarah Kuttner</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Aug 2011 08:19:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[celebacy]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur // Roman Libbertz]]></category>
		<category><![CDATA[Sarah Kuttner]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Viertelstunde zu spät liefert mich die auffallend lahme Taxifahrerin in einem italienischen Lokal mit dem Namen &#8220;Trattoria Paparazzi&#8221; ab. Sarah sitzt mit ihrem Manager, der auch ein sehr guter Freund ist, dort und hat Spagetti mit Meeresfrüchten bestellt (er isst Thunfischcarpaccio mit frittierten Kapern). Sarah lächelt und nimmt meine Entschuldigung für das Zuspätkommen an. [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Viertelstunde zu spät liefert mich die auffallend lahme Taxifahrerin in einem italienischen Lokal mit dem Namen &#8220;Trattoria Paparazzi&#8221; ab. Sarah sitzt mit ihrem Manager, der auch ein sehr guter Freund ist, dort und hat Spagetti mit Meeresfrüchten bestellt (er isst Thunfischcarpaccio mit frittierten Kapern).<span id="more-721"></span></p>
<p>Sarah lächelt und nimmt meine Entschuldigung für das Zuspätkommen an.<br />
Sarah ist Sarah Kuttner und somit Fernsehmoderatorin und Kolumnistin.<br />
Sarah trägt gerne Vintage-Stiefel, die sie bei eBay kauft. Sarah ist Berlinerin.<br />
Sarah ist dreißig. Sarah mag Wollmützen, weil sie sich dann keinen Kopf um selbigen machen muss.<br />
Sarah schreibt nicht autobiographisch.<br />
Sarah kann mit amerikanischen Komödien in den seltensten Fällen etwas anfangen<br />
Sarah zieht bei einem ersten Date das gemeinsame Reparieren einer Waschmaschine einem Candlelight-Dinner vor.<br />
Sarah will nicht muffig rüberkommen.<br />
Sarah liest „Gala“. Sarah kauft sich im Frühling einmal pro Woche selber Tulpen.<br />
Sarah kann ziemlich gut Senfeier kochen.<br />
Sarah reizt die Spargelzeit jedes Jahr aufs Neue ordentlich aus.<br />
Sarah findet Sex, Drugs &amp; Rock’n‘Roll albern, denn das endet irgendwann zwangsläufig nur im meditativen Schneidersitz.<br />
Sarah verschenkt gerne gute Bücher. Sarah liebt David aus der Serie „Six Feet Under“.<br />
Sarah ist Raucherin.<br />
Sarah kann nicht auf zwei Fingern pfeifen, würde es aber gern können.<br />
Sarah hat eine Nähmaschine zu Hause und weiß damit umzugehen.<br />
Sarah weiß, was sie will.<br />
Sarah hält Snowboarden für einen verrohten Ballermann-Sport für Ziegenbartträger, Guano-Apes-Fans und anstrengende Dauer-Fun-People.<br />
Sarah mag ihren Mutterinstinkt.<br />
Sarah hat einen Volkswagen.<br />
Sarah kann weder mit Hallervorden noch mit Loriot viel anfangen<br />
Sarah hat im Internet niemals interessante Leute kennen gelernt.<br />
Sarah hält MySpace und Facebook für eitlen Mist.<br />
Sarah war noch nie in der Oper oder in einem Musical.<br />
Sarah ist Badewannenfan.<br />
Sarah liebt Gewitter.<br />
Sarah ist, was Kleidung angeht, Kurzträgerin.<br />
Sarah hat den ultimativen Schnäppchenfinger.<br />
Sarah denkt, Melancholie braucht Zeit.<br />
Sarah trinkt keinen Alkohol.<br />
Sarah macht um das Nachtleben lieber einen kleinen Bogen.<br />
Sarah kommt gut damit klar, nicht „everybody`s darling“ zu sein.<br />
Sarah liegt sonntags gerne rum und liest.<br />
Sarah liebt den eingedeutschten Ausdruck „das ist genau meine Tasse Tee“.<br />
Sarah hat keine Lust, fremden Menschen Privates mitzuteilen.</p>
<p>Darüber hinaus hat Sarah ihren ersten Roman verfasst. Das Buch heißt Mängelexemplar und trägt diesen Titel sicher nicht in Anspielung auf dieses letztjährige, unsägliche Bestsellerwerk, sondern schlicht, weil der Titel Sinn macht und griffig ist. Das Werk handelt von der jungen Frau Karo, die, durch ihre unzählige Spiegelung an äußeren Eindrücken, beschließen muss, den Kampf um sich selbst anzugehen, um endlich glücklich zu werden. Es geht um Liebe, Freundschaft, Familie, Panikattacken oder die täglichen Achterbahnfahrten im Leben eines ganz „normalen“ siebenundzwanzigjährigen Menschen.</p>
<p>Einige der besten Zeilen:<br />
<em> Ich frage mich, ob sich Menschen im Krieg manchmal vorstellen, es wäre nur Silvester. // Ich lasse es mir von Mama erklären, sie macht eine Zeichnung. Das kann sie gut, ich wurde mit einer Zeichnung der Gebärmutter aufgeklärt. // Meine Familie und all die eingespielten Sätze und Kleinigkeiten brachten mich plötzlich auf die Weihnachtspalme. // Der nächste Morgen ist ein Arschloch. //Mit halbgeschlossenen Augen wankt er am dunklen Wintermorgen zur Arbeit, abends zur Kaufhalle und erreicht mit nassen Schuhen und letzten Kraftreserven das schützende Heim. Dort legt er sich vor den Fernseher, wickelt gegebenenfalls seine Familie wärmend um sich herum und schläft. // Also schlucke ich mich runter und schlafe ein. // Sie sind ein bisschen wie Niels Ruf, nur weniger Arschloch. // Sie hatte völlig unterschätzt, welchen Einfluss ihre Vergangenheit auf ihre Gegenwart hat. // …und waren sogar mal sechs Monate gemeinsam in Barcelona. Zur Selbstfindung. Wir haben uns aber nicht gefunden, also sind wir wieder nach Hause geflogen. // Ich gehe schlafen, denn meine Metaphern werden schwül. // Umsatz schlägt Seele im großen Marktwirtschafts-Schnick-Schnack-Schnuck. // Leid schafft eine Fangemeinde. // Alle roten Fäden, aus denen ich mir doch eigentlich einen schicken Kopf-Pullover stricken wollte, sind plötzlich weg oder wieder verknotet. // Das ist also das Ziepen und Zerren in meinem Herzen. Ich möchte nicht allein sein. Ich möchte meine Liebes-Flatrate zurück. Eine Garantie für Zuneigung. Ein Liebes-Buffet. All you can love. // Ich möchte Erfolge. Ich möchte bald wieder im normalen Leben mitspielen dürfen. Wie die anderen Kinder sein.</em></p>
<p>Da ich mit ihr kaum über das Buch gesprochen habe, schickt mir Sarah gestern noch folgende Antwort auf eine Email:<br />
<em>Meine liebste Stelle im Buch ist wohl der Moment in dem Karo die CD „Autogenes Training“ ausprobiert. Für diese Passage habe ich mir selbst diese CD von Susanne Hühn gekauft und im Grunde alles, was Karo durchmacht, auch durchgemacht: Enttäuschung, Hibbeligkeit und Langeweile. Das hat großen Spaß gemacht und mir gleichzeitig gezeigt, dass ich mich wohl auch nicht so recht entspannen kann. Zumindest nicht auf Ansage. </em></p>
<p>Sarah Kuttner?<br />
Das ist eine moderne Ingeborg Bachmann. Ihr Mängelexemplar ist klug, witzig, psychologisch, schmerzhaft wie gleichsam wunderbar hoffnungsvoll. Und Frau Bachmann hätte wohl auch keine Lust gehabt, einem Fremden Privates mitzuteilen oder ich hätte eventuell nicht so „auf Ansage“ machen sollen.</p>
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