Wenn es erst mal rollt

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Von wo ist der Weg in die weite Welt und das Bewusstsein einer styleaffinen Generation wohl am weitesten? Möglicherweise aus der dänischen Provinz? Emil Kozak muss eine Abkürzung gefunden haben: Der Däne ist einer der spannendsten Grafikdesigner unserer Zeit. Für den kleinen Emil begann alles in nämlicher Provinz im Norden Europas. Und zwar mit einem orangefarbenen Plastikskateboard, das er zu seinem 7. Geburtstag geschenkt bekam. Stundenlang spielte der heute 34-Jährige im Wohnzimmer der Oma, verfiel dem Board immer mehr und sog alles auf, was mit der Kultur des Boardens zusammen hing. Die Tage waren gefüllt mit Herumfahren in seiner Heimatstadt, der Lektüre der einschlägigen Magazine und dem Anschauen von Skatefilmen, die den Style und die Attitude der kalifornischen Szene in die gute Stube der ­Kozaks transportierten.

„Was mich wirklich und endgültig mit dem Skaten und der Skateszene zusammen geschweißt hat, war die Kreativität, die in der Szene allgegenwärtig war. Es hat mich schlicht umgehauen, die Typen zu sehen, wie lässig sie waren. All die Farben, die Musik, die Designs. Und natürlich, wie sie ihr Equipment nicht übernommen haben, wie es aus der Fabrik kam, sondern es weiter entwickelt und jedes Board zu einem Einzelstück gemacht haben.“ Fasziniert von den ausdrucksstarken Designs der Skateboardszene, begann Kozak eine Ausbildung als Designer und erlag schnell der Anziehungskraft der Kunst. „Ich übernahm jede Arbeit, die ich an Land ziehen konnte. Alles, was wenigstens ein bisschen nach Design roch. Ich habe wirklich hart gearbeitet und nie das Wichtige aus den Augen verloren.“

Es hat mich schlicht umgehauen,
die Typen zu sehen, wie lässig sie waren.
All die Farben, die Musik, die Designs.

Seine jahrelange Hingabe zahlte sich bald aus: Der legendäre Skatebekleidungshersteller VANS klopfte an seine Tür – buchstäblich aus dem Nichts. „Ich bin ein VANS-Fan, seit ich ein Kind war. Ich muss gestehen, ein wenig ausgerastet zu sein, als sie sich bei mir meldeten. Ich wollte Kunst schaffen, wie ich es noch nie vorher getan habe, ich habe also verdammt viel in diesen Job investiert. Es war eine harte Zeit – aber natürlich im besten Sinne.“

Die Marken kommen zu mir,
weil sie nach visuell sehr starken
Designs mit Gegensätzen suchen –
dänisches Design made in Barcelona.

Mit seiner Arbeit für VANS katapultierte sich Emil endlich auch als Designer in die Skatewelt. Eine leidenschaftliche Beziehung war damit endgültig besiegelt und mit den höchsten Weihen versehen. Emil Kozak designt für VANS, damit kam zusammen, was zusammen gehörte.

Seine Liebe zum Skateboarding und seine spanische Freundin haben Kozak dann vor ein paar Jahren aus seiner Heimat nach Barcelona gelockt. Dort, wo der Designer heute lebt und mittlerweile ein Designstudio aufgebaut hat und namenhafte Brands aus aller Welt betreut. „Die Marken kommen zu mir, weil sie nach visuell sehr starken Designs mit Gegensätzen suchen – dänisches Design made in Barcelona“, erzählt der Hispano-Däne.

Ich hoffe, meine Arbeit
kann uns daran erinnern,
dass Vorstellungskraft die
Erdanziehung überwinden
und die Zeit anhalten kann.

Inspiriert sind seine einzigartigen Arbeiten von Skateboards, Natur, Surfen, Fotografie, Popkultur und allem dazwischen, zu seinen Vorbildern gehören Milton Glaser, Man Ray, David Lynch oder Herb Lubalin. Entstanden ist sein markanter Stilmix aus Typografie, klaren Linien und lebendigen Farben. „Ich stehe normalerweise sehr früh auf, um noch ein paar Wellen zu reiten bevor der Rest der Welt aufwacht und ich tagsüber Mails bearbeiten und Korrekturen erledigen muss. Wenn der Tag ausklingt, setze ich mich an neue Entwürfe. Ich bin also tagsüber Grafikdesigner und nachts Künstler.“ Im Moment steckt Emil mitten in der Entwicklung der Surf-Marke „Locals Only“. Basieren tut deren Philosophie auf der Idee, dass nicht wir Menschen das Zentrum des Universums sind, sondern Mutter Natur der rechtmäßige Inhaber dieser Erde ist. Dass der Junge, der einst in der dänischen Provinz seine Karriere begann, inzwischen eine eigene Marke geworden ist, manifestiert sich nicht zuletzt in einer erneuten Kooperation, die nur auf den ersten Blick seltsam anmutet. Emil Kozak ist ein Gesicht der neuen Braun cruZer-Kampagne und ist damit zum ersten Mal in seiner Laufbahn das Testimonial einer Weltmarke. „Okay, auf den ersten Blick wirkt es ungewöhnlich, dass ich mit ihnen zusammen gekommen bin, aber dann war es doch irgendwie eine naheliegende und gute Kombination: Genau so wie bei meinen Arbeiten dreht sich bei ihnen alles um Style. Und außerdem: Ich bin auch leidenschaftlicher Bartträger und drücke meine Persönlichkeit gern über meinen Look aus.“ Es scheint, als nehme alles seine logische, natürliche Entwicklung im Leben des Künstlers. Alles kommt zu dem, der warten kann. Die Zukunft sieht also rosig aus für Emil Kozak. Und seine positive Einstellung will er durch seine Kunst mit uns teilen. „Ich hoffe, meine Arbeit kann uns daran erinnern, dass Vorstellungskraft die Erdanziehung überwinden und die Zeit anhalten kann. Es liegt in unserer Hand, jede Sekunde zu genießen, das kann niemand anderes für uns übernehmen. Habt Spaß, esst Süßes, tut, was ihr liebt und liebt, was ihr tut … Wir könnten schon morgen von dieser drehenden Kugel aus flüssigem Kern und Mantel gekickt werden.“

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