Archive for September, 2015

Wunderbar oberflächlich

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Wer heutzutage über Fußball schreiben und dabei irgendetwas Neues erzählen will, muss schon verdammt tief graben, um irgendeinen noch nicht schon tausendmal verwursteten “Funny Fact” aus den bestens vermessenen Tiefen der Fußballtrivia ans Tageslicht zu schaufeln. Kaum ein Sujet wurde zwischen Feuilleton und Stammtisch dermaßen ausgiebig durch den Fleischwolf gedreht und auf Links gezogen, wie der Deutschen wichtigste Nebensache der Welt. Alex Raack, Autor und “11 Freunde”-Redakteur, hat den Spaten in der Ecke stehen lassen und stattdessen lieber zu Recherchezwecken gleich die guten 15er Alu aufgezogen – und für “Den muss er machen: Phrasen, Posen, Plattitüden” einfach alles zusammen gegrätscht, was auf gar keinen Fall tiefer geht, als die Grasnabe selbst. Was in Zeiten der durchchoreografierten Tiefenanalyse undenkbar scheint, wird hier bewiesen: Die völlig oberflächliche Auseinandersetzung mit dem Sport macht doch noch den größten Spaß, denn was nach 20 Jahren Kreisliga zum Allgemeinplatz taugt, bereichert auch im 53. Bundesligajahr noch jede Diskussion zum Thema. Will sagen: Eine sicher und selbstbewusst platzierte Phrase, eine kompetent vorgetragene Typologie der wichtigsten Stützen im Team, wischt noch immer jede streberhaft dahinanalysierte Zweikampf- oder Sprintstatistik vom Taktiktisch. In 21 Kapiteln erinnert Raack an Pferdelungen und Routiniers, an legendäre Wetterlagen und leider inzwischen ausgestorbene Gesänge. Man erinnert sich an alles, ist aber meistens doch zu peinlich berührt, um die gröbsten Ausfälle zwischen “Schiri, wir wissen wo dein Auto stand”, schrägen Metaphern und schon hundertfach widerlegten immergültigen Klischees in der “guten, alten Zeit” zu verorten. Und doch: Das Runde wird auch in 30 Jahren noch im Eckigen landen, ein kompromissloser Befreiungsschlag wird von den Liebhabern des ehrlichen Sports enthusiastischer goutiert werden, als der langweilig zielführende kontrollierte Spielaufbau – und der Fußballfan, der über sich selbst lachen kann, wird sich auch nach der 45. Meisterschaft des ewigen Rekordmeisters ob dieser überlebenswichtigen Fibel auf die wund gegrätschten Schenkel klopfen.

Alex Raack: “Den muss er machen: Phrasen, Posen, Plattitüden – die wunderbare Welt der Fußball-Klischees” (Edel Books)
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten

Herbst- und Wintertrends für den Mann

Männertrends im Herbst

Die kühle Jahreszeit kommt nach einem sehr heißen Sommer mit riesen Schritten auf uns zu und nicht nur Frau will sich im Herbst und Winter modisch kleiden. Die gute Nachricht für Männer: vieles der diesjährigen Trends findet sich wahrscheinlich schon im Schrank! Ergänzt mit neuen Teilen der aktuellen Kollektionen liegen Männer damit absolut im Trend in diesem Jahr.

Black is Beautiful

Waren bunte Farben und Pink für viele Männer ein Graus, können sie in diesem Herbst und Winter wieder alles aus dem Schrank holen, was dunkel ist. Besonders dunkles bzw. schwarzes Leder liegt in diesem Jahr im Trend. Dunkel wirkt geheimnisvoll und verrucht – auch bei Männern. Leder wird in Form von schlichten Jacken getragen, wobei diese möglichst eng am Körper anliegen sollten – Winterspeck ist dann absolut tabu. Accessoires wie schwarze Sonnenbrillen und schwarze Lederschuhe komplettieren den Look und können perfekt mit einem weiteren Trend des Winters kombiniert werden – dem Denim-Look.

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Wenn es erst mal rollt

Lifestyle_Emil-Kozak_1

Von wo ist der Weg in die weite Welt und das Bewusstsein einer styleaffinen Generation wohl am weitesten? Möglicherweise aus der dänischen Provinz? Emil Kozak muss eine Abkürzung gefunden haben: Der Däne ist einer der spannendsten Grafikdesigner unserer Zeit. Für den kleinen Emil begann alles in nämlicher Provinz im Norden Europas. Und zwar mit einem orangefarbenen Plastikskateboard, das er zu seinem 7. Geburtstag geschenkt bekam. Stundenlang spielte der heute 34-Jährige im Wohnzimmer der Oma, verfiel dem Board immer mehr und sog alles auf, was mit der Kultur des Boardens zusammen hing. Die Tage waren gefüllt mit Herumfahren in seiner Heimatstadt, der Lektüre der einschlägigen Magazine und dem Anschauen von Skatefilmen, die den Style und die Attitude der kalifornischen Szene in die gute Stube der ­Kozaks transportierten.

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„Was mich wirklich und endgültig mit dem Skaten und der Skateszene zusammen geschweißt hat, war die Kreativität, die in der Szene allgegenwärtig war. Es hat mich schlicht umgehauen, die Typen zu sehen, wie lässig sie waren. All die Farben, die Musik, die Designs. Und natürlich, wie sie ihr Equipment nicht übernommen haben, wie es aus der Fabrik kam, sondern es weiter entwickelt und jedes Board zu einem Einzelstück gemacht haben.“ Fasziniert von den ausdrucksstarken Designs der Skateboardszene, begann Kozak eine Ausbildung als Designer und erlag schnell der Anziehungskraft der Kunst. „Ich übernahm jede Arbeit, die ich an Land ziehen konnte. Alles, was wenigstens ein bisschen nach Design roch. Ich habe wirklich hart gearbeitet und nie das Wichtige aus den Augen verloren.“

Es hat mich schlicht umgehauen,
die Typen zu sehen, wie lässig sie waren.
All die Farben, die Musik, die Designs.

Seine jahrelange Hingabe zahlte sich bald aus: Der legendäre Skatebekleidungshersteller VANS klopfte an seine Tür – buchstäblich aus dem Nichts. „Ich bin ein VANS-Fan, seit ich ein Kind war. Ich muss gestehen, ein wenig ausgerastet zu sein, als sie sich bei mir meldeten. Ich wollte Kunst schaffen, wie ich es noch nie vorher getan habe, ich habe also verdammt viel in diesen Job investiert. Es war eine harte Zeit – aber natürlich im besten Sinne.“

Die Marken kommen zu mir,
weil sie nach visuell sehr starken
Designs mit Gegensätzen suchen –
dänisches Design made in Barcelona.

Mit seiner Arbeit für VANS katapultierte sich Emil endlich auch als Designer in die Skatewelt. Eine leidenschaftliche Beziehung war damit endgültig besiegelt und mit den höchsten Weihen versehen. Emil Kozak designt für VANS, damit kam zusammen, was zusammen gehörte.

Seine Liebe zum Skateboarding und seine spanische Freundin haben Kozak dann vor ein paar Jahren aus seiner Heimat nach Barcelona gelockt. Dort, wo der Designer heute lebt und mittlerweile ein Designstudio aufgebaut hat und namenhafte Brands aus aller Welt betreut. „Die Marken kommen zu mir, weil sie nach visuell sehr starken Designs mit Gegensätzen suchen – dänisches Design made in Barcelona“, erzählt der Hispano-Däne.

Ich hoffe, meine Arbeit
kann uns daran erinnern,
dass Vorstellungskraft die
Erdanziehung überwinden
und die Zeit anhalten kann.

Inspiriert sind seine einzigartigen Arbeiten von Skateboards, Natur, Surfen, Fotografie, Popkultur und allem dazwischen, zu seinen Vorbildern gehören Milton Glaser, Man Ray, David Lynch oder Herb Lubalin. Entstanden ist sein markanter Stilmix aus Typografie, klaren Linien und lebendigen Farben. „Ich stehe normalerweise sehr früh auf, um noch ein paar Wellen zu reiten bevor der Rest der Welt aufwacht und ich tagsüber Mails bearbeiten und Korrekturen erledigen muss. Wenn der Tag ausklingt, setze ich mich an neue Entwürfe. Ich bin also tagsüber Grafikdesigner und nachts Künstler.“ Im Moment steckt Emil mitten in der Entwicklung der Surf-Marke „Locals Only“. Basieren tut deren Philosophie auf der Idee, dass nicht wir Menschen das Zentrum des Universums sind, sondern Mutter Natur der rechtmäßige Inhaber dieser Erde ist. Dass der Junge, der einst in der dänischen Provinz seine Karriere begann, inzwischen eine eigene Marke geworden ist, manifestiert sich nicht zuletzt in einer erneuten Kooperation, die nur auf den ersten Blick seltsam anmutet. Emil Kozak ist ein Gesicht der neuen Braun cruZer-Kampagne und ist damit zum ersten Mal in seiner Laufbahn das Testimonial einer Weltmarke. „Okay, auf den ersten Blick wirkt es ungewöhnlich, dass ich mit ihnen zusammen gekommen bin, aber dann war es doch irgendwie eine naheliegende und gute Kombination: Genau so wie bei meinen Arbeiten dreht sich bei ihnen alles um Style. Und außerdem: Ich bin auch leidenschaftlicher Bartträger und drücke meine Persönlichkeit gern über meinen Look aus.“ Es scheint, als nehme alles seine logische, natürliche Entwicklung im Leben des Künstlers. Alles kommt zu dem, der warten kann. Die Zukunft sieht also rosig aus für Emil Kozak. Und seine positive Einstellung will er durch seine Kunst mit uns teilen. „Ich hoffe, meine Arbeit kann uns daran erinnern, dass Vorstellungskraft die Erdanziehung überwinden und die Zeit anhalten kann. Es liegt in unserer Hand, jede Sekunde zu genießen, das kann niemand anderes für uns übernehmen. Habt Spaß, esst Süßes, tut, was ihr liebt und liebt, was ihr tut … Wir könnten schon morgen von dieser drehenden Kugel aus flüssigem Kern und Mantel gekickt werden.“

Allerhand aus aller Welt

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Landkarten und Atlanten haben die Menschen seit jeher fasziniert und verführt, vom heimischen Sessel oder Schreibtisch aus, andere Kontinente und fremde Länder zu bereisen. Das hat sich auch in Zeiten von Google Earth, in denen jeder wie ein griechischer Gott über die Lande fliegen und jeden Baum und Fluss, jede Hütte und jeden Palast von oben betrachten kann, nicht geändert. Wer an dieser Art, die Welt zu erkunden, Freude hat, für den ist „Alle Welt“, ein gerade im Moritz Verlag erschienener Weltatlas, eine besonderer Genuss.

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Die polnischen Buchgestalter Aleksandra und Daniel Mizielinscy haben in mehr als drei Jahren Arbeit und mit spürbarer Liebe zum Detail einen illustrierten Weltatlas geschaffen, wie man ihn selten sieht. Zu jedem Land zeigen insgesamt über 4.000 Miniaturen traditionelle Trachten, häufige Vornamen, berühmte Figuren der Geschichte, Tierarten, beliebte Sportarten, Nationalgerichte und natürlich berühmte Sehenswürdigkeiten. Eine Weltreise mit 51 Karten über sieben Kontinente und 42 Länder. Ein Entdeckerspaß für Kinder wie für Erwachsene.

Alle Welt. Das Landkartenbuch
von Aleksandra und Daniel Mizielinscy
erschienen im Moritz Verlag
112 Seiten
26,00 Euro

 

First night in Bangkok

Suvarnabhumi International Airport, Bangkok. Übermüdet steige ich aus dem Flieger. Die heiße Luft schlägt mir mit hundert Vorschlaghämmern entgegen. Die extreme Hitze nur eine kleine Kostprobe, dann habe ich die klimatisierten Hallen des Flughafengebäude erreicht. Aus dem Berliner Schnee in 30 Grad plus und ich rieche schon den modrigen Duft in der Luft von viel grüner Vegetation. Ein Polizist der den Augenkontakt scheut, hämmert mir den Stempel in den Pass und weiter über Rollbänder zur Gepäckausgabe, entreiße ich meinen Rucksack dem Drehwurm, und hinaus durch den Zoll und hinein in die Hochbahn, hinweg aus dem Abseits des Flughafens. Meine ersten Eindrücke von den Thais, ein Mädchen in Uniform sitzt mir gegenüber, blinzelt mir zu, sie trägt an jedem kleinen Zehen einen silbernen Ring, die nackten Beine extrem behaart – der Vergleich mit einer Wölfin kommt mir in den Sinn. Trotzdem sieht sie verdammt gut aus, wie alle Mädchen hier. Leider habe ich viel zu schnell die Endstation erreicht, steige aus der Bahn, verliere die Schönheit der Wölfin aus dem Blick, für immer, gekommen, gegangen.

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